DECIPHERED: 148.000 Menschen mit offenen Haftbefehlen gesucht: Fast 90 Prozent von ihnen sind Ausländer

Autor: Redaktion

Datum: 2026-10-09

Quelle: https://nius.de/kriminalitaet/148-000-menschen-mit-offenen-haftbefehlen-gesucht-fast-90-prozent-von-ihnen-sind-auslaender

Journalistische Qualität: 4/5

Einflussnahme: 3/5

Zusammenfassung

Der Artikel berichtet über eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des AfD-Abgeordneten Sebastian Münzenmaier. Demnach werden in Deutschland mehr als 148.000 Menschen mit offenen Haftbefehlen gesucht. 87,3 Prozent dieser Personen besitzen keine deutsche Staatsangehörigkeit, 11,2 Prozent haben ausschließlich einen deutschen Pass, weitere 1,5 Prozent besitzen neben der deutschen noch eine weitere Staatsangehörigkeit. In absoluten Zahlen stellen deutsche Staatsbürger mit 16.671 Personen die größte einzelne Nationalitätengruppe dar, gefolgt von Rumänen (16.123), Polen (12.721), Georgiern (6.869) und Türken (6.696). Der AfD-Abgeordnete Münzenmaier fordert einen grundlegenden Kurswechsel in der Migrationspolitik, darunter dauerhafte Grenzkontrollen und konsequente Abschiebungen straffälliger Ausländer. Der CDU-Innenpolitiker Alexander Throm verweist auf die deutschen Grenzkontrollen, bei denen seit September 2024 mehr als 17.500 Menschen mit offenen Haftbefehlen aufgegriffen worden seien. Der Grünen-Innenpolitiker Marcel Emmerich fordert gezielte Fahndungen statt verschärfter Grenzkontrollen. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Heiko Teggatz, beklagt Personalmangel bei den Landespolizeien, weshalb Festnahmen oft nur zufällig bei anderen Kontrollen erfolgten. Der Artikel erwähnt zudem, dass per Haftbefehl gesuchte Personen weiterhin Bürgergeld erhalten und Arbeitsministerin Bärbel Bas Reformen in diesem Bereich verschleppt habe.

Schlagzeile vs. Inhalt

Die Überschrift gibt den Inhalt des Artikels korrekt wieder. Sie nennt die zentrale Zahl von 148.000 Menschen mit offenen Haftbefehlen und die Kernaussage, dass fast 90 Prozent von ihnen Ausländer sind. Diese Angaben werden im Artikeltext durch die Antwort des Bundesinnenministeriums belegt: 87,3 Prozent besitzen keine deutsche Staatsangehörigkeit, was der Formulierung "fast 90 Prozent" entspricht. Die Überschrift verwendet den Begriff "Ausländer", während der Artikeltext differenzierter von Personen "ohne deutsche Staatsangehörigkeit" spricht. Diese Vereinfachung ist im journalistischen Kontext üblich und stellt keine wesentliche Verzerrung dar, da beide Formulierungen auf denselben Sachverhalt verweisen. Der Artikel liefert zusätzliche Informationen, die in der Überschrift nicht enthalten sind: die Aufschlüsselung nach einzelnen Nationalitäten, politische Reaktionen verschiedener Parteien, Forderungen nach migrationspolitischen Maßnahmen und die Problematik des Personalmangels bei der Polizei. Diese Erweiterungen sind typisch für den Artikelkörper und stellen keine Diskrepanz zur Überschrift dar. Insgesamt besteht keine erkennbare Verzerrung oder Misrepräsentation zwischen Überschrift und Inhalt. Die Überschrift fasst die zentrale Aussage des Artikels präzise zusammen, ohne wesentliche Aspekte zu verzerren oder wegzulassen.

Texttyp: Nachricht

Sprachlicher Modus

Der Text ist überwiegend im Indikativ verfasst und präsentiert die Informationen als verifizierte Fakten. Die Kernaussagen über die Anzahl der gesuchten Personen und deren Staatsangehörigkeiten werden als feststehende Tatsachen dargestellt, die auf einer offiziellen Antwort des Bundesinnenministeriums basieren. Der Artikel verwendet durchgängig den Indikativ bei der Darstellung der statistischen Daten: "werden mehr als 148.000 Menschen mit offenen Haftbefehlen gesucht", "besitzen keine deutsche Staatsangehörigkeit", "stellen deutsche Staatsbürger mit 16.671 Personen die größte einzelne Nationalitätengruppe". Diese Formulierungen präsentieren die Zahlen als gesicherte Fakten, nicht als Behauptungen oder Vermutungen. Auch die Quellenangabe erfolgt im Indikativ: "Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier hervor". Die Formulierung "geht hervor" signalisiert, dass die Information direkt aus einem offiziellen Dokument stammt. Die politischen Forderungen und Einschätzungen werden ebenfalls im Indikativ wiedergegeben, allerdings mit klarer Zuordnung zu den jeweiligen Sprechern: "fordert" (Münzenmaier), "sieht Handlungsbedarf" (Throm), "spricht von" (Emmerich), "warnt" (Teggatz). Diese Formulierungen machen deutlich, dass es sich um Positionen einzelner Akteure handelt, präsentieren aber deren Aussagen als faktisch getätigte Äußerungen. Konjunktivische oder konditionale Formulierungen, die auf Unsicherheit oder nicht verifizierte Behauptungen hinweisen würden, finden sich im Text nicht. Der Artikel verzichtet auf distanzierende Formulierungen wie "soll", "würde" oder "angeblich". Dies unterstreicht den Anspruch, verifizierte Informationen zu präsentieren. Insgesamt ist der Text klar im Indikativ gehalten und präsentiert die Informationen als gesicherte Fakten, die auf offiziellen Quellen basieren.

Journalistische Qualität

Der Artikel weist insgesamt eine gute journalistische Qualität auf. Die faktische Grundlage ist solide, die Zahlen sind korrekt und durch offizielle Quellen belegt. Transparenz und Verifikation sind weitgehend gegeben, auch wenn präzisere Quellenangaben wünschenswert wären. Die Trennung von Nachricht und Meinung wird überwiegend eingehalten, und Persönlichkeitsrechte sowie Unschuldsvermutung werden vollständig respektiert. Schwächen zeigen sich in der Sachlichkeit und teilweise in der Nicht-Diskriminierung: Die Schwerpunktsetzung auf die Staatsangehörigkeit der Gesuchten und die leicht dramatisierende Rahmung ("Jetzt stellt sich heraus") deuten auf eine tendenziöse Akzentuierung hin, die über neutrale Berichterstattung hinausgeht. Die Auswahl und Gewichtung der politischen Statements ist nicht vollständig ausgewogen. Trotz dieser Einschränkungen bleibt der Text im Bereich verwendbarer journalistischer Arbeit mit erkennbaren, aber nicht gravierenden Schwächen.

Einzelne Prinzipien

Prinzip der Transparenz: 4/5

Gut

Die Transparenz ist weitgehend gegeben. Der Artikel nennt die Quelle der Zahlen (Bundesinnenministerium auf Anfrage des AfD-Abgeordneten Sebastian Münzenmaier) und verweist auf die Erstveröffentlichung durch "Welt am Sonntag". Die Autorenschaft ist mit "Redaktion" angegeben, was bei NIUS als Outlet üblich ist. Informationen zu Finanzierung und Eigentümerstruktur von NIUS sind auf der Website verfügbar. Lediglich die genaue redaktionelle Verantwortung für diesen konkreten Beitrag bleibt etwas unspezifisch, was jedoch bei Agenturmeldungen und Nachrichtenübernahmen branchenüblich ist.

Prinzip der Faktentreue: 4/5

Gut

Die zentralen Fakten des Artikels sind korrekt. Die Gesamtzahl der per Haftbefehl gesuchten Personen (ca. 148.000), der Ausländeranteil (87,3 Prozent) und die Rangfolge der Nationalitäten werden durch externe Quellen bestätigt. Die Aussagen von Alexander Throm zu den Festnahmen an den Grenzen (über 17.500 seit September 2024) sind ebenfalls verifiziert. Geringfügige Abweichungen bei einzelnen Nationalitätenzahlen (z.B. 16.671 Deutsche im Artikel vs. 19.257 in einer Quelle vom Juli 2025) erklären sich durch unterschiedliche Stichtage der Datenerhebung. Die Kernaussagen sind faktisch zutreffend, nur marginale Details variieren je nach Erhebungszeitpunkt.

Prinzip der Sachlichkeit: 3/5

Verwendbar

Die Darstellung ist überwiegend sachlich, weist aber einzelne tendenziöse Elemente auf. Die Zahlen werden nüchtern präsentiert und verschiedene politische Positionen (AfD, CDU, Grüne, Polizeigewerkschaft) werden zitiert. Allerdings erfolgt die Auswahl und Gewichtung der Statements nicht vollständig neutral: Die AfD-Forderungen erhalten prominenten Raum, während die Grünen-Position knapper dargestellt wird. Der Schlusssatz ("Jetzt stellt sich heraus: Unter den per Haftbefehl gesuchten haben fast 90 Prozent der Personen keinen deutschen Pass") wirkt leicht dramatisierend und suggeriert eine Enthüllung, obwohl die Information aus offiziellen Regierungsangaben stammt. Die Wortwahl ist insgesamt professionell, aber die Rahmung zeigt eine erkennbare Schwerpunktsetzung.

Prinzip der Überprüfbarkeit: 3/5

Verwendbar

Die Überprüfbarkeit ist grundsätzlich gegeben, weist aber Lücken auf. Die Hauptquelle (Antwort des Bundesinnenministeriums auf parlamentarische Anfrage von Sebastian Münzenmaier) wird klar benannt, ebenso die Erstveröffentlichung durch "Welt am Sonntag". Die zitierten Aussagen von Politikern (Münzenmaier, Throm, Emmerich) und dem Gewerkschaftsvorsitzenden Teggatz sind nachvollziehbar. Allerdings fehlen präzise Quellenangaben: Weder die Drucksachennummer der parlamentarischen Anfrage noch ein direkter Link zur Welt-Berichterstattung werden genannt. Die Verknüpfung zum früheren NIUS-Artikel über Bürgergeld für Gesuchte ist vorhanden. Für eine vollständige Verifikation müsste ein Leser zusätzliche Recherche betreiben, da die Primärquelle nicht direkt zugänglich gemacht wird.

Prinzip der Trennung und Kennzeichnung: 4/5

Gut

Die Trennung von Nachricht und Meinung ist weitgehend gewahrt. Der Artikel präsentiert überwiegend Fakten (Zahlen aus der Ministeriumsantwort) und gibt politische Positionen als solche wieder, ohne sie mit der redaktionellen Stimme zu vermischen. Die Forderungen der AfD, die Einschätzungen von CDU und Grünen sowie die Warnung der Polizeigewerkschaft werden klar als Aussagen der jeweiligen Akteure gekennzeichnet. Eine leichte Vermischung zeigt sich im Schlusssatz, der mit "Jetzt stellt sich heraus" eine interpretative Rahmung vornimmt, die über reine Faktenwiedergabe hinausgeht. Insgesamt bleibt der Text jedoch im Bereich der Nachrichtenberichterstattung mit klarer Zuordnung der Positionen zu ihren Urhebern.

Prinzip des Schutzes der Persönlichkeitsrechte: 5/5

Sehr gut

Die Persönlichkeitsrechte werden vollständig gewahrt. Der Artikel berichtet über politische Akteure in ihrer öffentlichen Funktion (Bundestagsabgeordnete, Gewerkschaftsvorsitzender), wobei ausschließlich deren öffentliche Äußerungen und politische Positionen wiedergegeben werden. Es erfolgen keine unangemessenen Darstellungen, keine Eingriffe in die Privatsphäre und keine ehrverletzenden Formulierungen. Die genannten Personen werden in sachlichem Ton und ausschließlich im Kontext ihrer beruflichen Rolle dargestellt. Die Würde aller erwähnten Personen bleibt gewahrt.

Prinzip der Unschuldsvermutung: 5/5

Sehr gut

Die Unschuldsvermutung wird durchgehend beachtet. Der Artikel berichtet über statistische Daten zu offenen Haftbefehlen, ohne einzelne Personen als schuldig darzustellen oder vorzuverurteilen. Die Formulierungen bleiben neutral ("per Haftbefehl gesucht", "Gesuchte") und vermeiden es, die betroffenen Personen als Täter zu bezeichnen. Es werden keine Schuldzuweisungen vorgenommen, sondern lediglich der rechtliche Status (offener Haftbefehl) und statistische Zusammenhänge dargestellt. Die Berichterstattung erfolgt ohne vorverurteilende Sprache oder suggestive Darstellungen, die einen Schuldvorwurf implizieren würden.

Prinzip der Nicht-Diskriminierung: 3/5

Verwendbar

Die Sprache ist überwiegend respektvoll, weist aber eine problematische Schwerpunktsetzung auf. Der Artikel verwendet neutrale Begriffe ("Ausländer", "Staatsbürger", "Nationalitäten") ohne abwertende Stereotype. Die statistische Darstellung nach Nationalitäten ist sachlich und entspricht den Regierungsdaten. Allerdings liegt der gesamte Fokus des Artikels auf der Unterscheidung nach Staatsangehörigkeit, was in Verbindung mit dem Kontext (Migrationsdebatte, AfD-Forderungen nach härteren Maßnahmen) eine einseitige Rahmung schafft. Die Betonung des hohen Ausländeranteils im Titel und Schlusssatz könnte zur Stigmatisierung von Ausländern als Gruppe beitragen, auch wenn keine explizit diskriminierende Sprache verwendet wird. Die Darstellung bleibt im Rahmen faktischer Berichterstattung, die Schwerpunktsetzung ist jedoch tendenziell problematisch.

Kontext: Journalismus-Kontext

Beeinflussungsanalyse

Der Text bewegt sich im Bereich des argumentierenden Journalismus. Er präsentiert überwiegend zutreffende Fakten aus offiziellen Quellen, rahmt diese aber strategisch durch Fokussierung auf die Nationalitätenverteilung und selektive Auswahl politischer Stimmen. Die Darstellung ist erkennbar fokussiert und lässt wichtigen Kontext aus, verwendet aber keine manipulative Sprache oder grobe logische Fehlschlüsse. Die Absicht ist transparent, und es werden keine direkten Handlungsaufforderungen an die Leserschaft gerichtet. Die Kombination aus solider Faktenbasis, strategischem Framing und unvollständiger Kontextualisierung ergibt eine argumentierende Präsentation, die rational überzeugen will, ohne in offene Manipulation zu verfallen.

Einzelne Dimensionen

Faktenbasis: 4/5

Zutreffend

Der Text präsentiert überwiegend zutreffende Fakten, die durch externe Recherche bestätigt werden. Die Kernaussage über 148.000 per Haftbefehl gesuchte Personen und der Ausländeranteil von 87,3 Prozent sind durch mehrere Quellen belegt. Die Zahlen zu einzelnen Nationalitäten weichen je nach Stichtag leicht ab (z.B. Deutsche: 16.671 im Artikel vs. 19.257 laut Recherche für Juli 2025), was auf unterschiedliche Erhebungszeitpunkte hinweist. Die Angaben zu Grenzkontrollen (17.500 Festnahmen seit September 2024) und die Zitate von Politikern sind verifizierbar. Kleinere Ungenauigkeiten bei den exakten Zahlen verhindern die Höchstbewertung, ändern aber nichts an der grundsätzlichen Faktentreue.

Vollständigkeit der Darstellung: 2/5

Fokussiert

Die Darstellung ist stark fokussiert auf die Nationalitätenverteilung bei Haftbefehlen und konzentriert sich auf Stimmen, die verschärfte Maßnahmen fordern (AfD, CDU). Alternative Perspektiven werden nur knapp erwähnt: Der Grünen-Politiker Marcel Emmerich wird mit einem Satz zitiert, seine Position aber nicht ausgeführt. Wichtiger Kontext fehlt: Welche Delikte liegen den Haftbefehlen zugrunde? Wie viele davon sind schwere vs. leichte Vergehen? Warum sind die Haftbefehle noch offen (Flucht, Untertauchen, administrative Gründe)? Die historische Entwicklung der Zahlen wird nicht dargestellt. Die Auswahl der zitierten Politiker (zwei Befürworter härterer Maßnahmen, ein Kritiker nur am Rande) erzeugt ein Ungleichgewicht. Der Zusammenhang zwischen Bürgergeld und Haftbefehlen wird angedeutet, aber nicht erklärt.

Emotionale Appelle: 3/5

Ergänzend

Der Text verwendet moderate emotionale Elemente, die als Ergänzung zu den Fakten dienen. Begriffe wie "massives Sicherheitsproblem" und "ernsthaftes Sicherheitsproblem" appellieren an Sicherheitsbedenken, bleiben aber im Rahmen politischer Standardrhetorik. Die Betonung der hohen Ausländerquote ("fast 90 Prozent") im Titel und Schlusssatz kann Besorgnis auslösen, wird aber durch Zahlen gestützt. Die Darstellung der Polizeigewerkschaft, die vor Personalmangel warnt, erzeugt ein Gefühl von Kontrollverlust. Insgesamt dominieren die Emotionen nicht die Faktenpräsentation, sondern rahmen sie in einen Sicherheitskontext ein.

Sprache: 3/5

Positioniert

Die Sprache ist überwiegend sachlich-neutral mit erkennbarer Position. Faktische Informationen werden im Indikativ präsentiert ("werden gesucht", "geht hervor", "stellen"). Politikerzitate werden korrekt wiedergegeben. Die Wortwahl ist professionell ohne Diffamierungen oder Übertreibungen. Allerdings zeigt sich eine Positionierung durch Akzentsetzung: Der Schlusssatz "Jetzt stellt sich heraus" suggeriert eine Enthüllung, obwohl es sich um eine parlamentarische Anfrage handelt. Die Formulierung "fast 90 Prozent" im Titel und Schluss betont die Ausländerquote stärker als nötig. Keine absoluten Ausdrücke oder manipulative Rhetorik, aber strategische Sprachentscheidungen sind erkennbar.

Framing: 2/5

Strategisch

Der Text weist strategisches Framing auf mehreren Ebenen auf. Der Titel rahmt das Thema primär über die Nationalität ("Fast 90 Prozent von ihnen sind Ausländer"), nicht über die Haftbefehle selbst. Die Eröffnung mit der absoluten Zahl (148.000) und dem sofortigen Fokus auf Staatsangehörigkeit setzt einen klaren Frame. Die Auswahl der Stimmen (AfD fordert "grundlegenden Kurswechsel", CDU sieht "Handlungsbedarf") verstärkt einen Handlungsdruck-Frame. Die Verknüpfung mit dem Bürgergeld-Thema am Ende schafft einen zusätzlichen Empörungsframe. Alternative Frames (z.B. Effizienz der Strafverfolgung, internationale Rechtshilfe, Deliktstruktur) werden nicht entwickelt. Das Framing ist konsistent, aber nicht totalitär – Fakten bleiben erkennbar.

Argumentationsstruktur: 3/5

Nachvollziehbar

Die Argumentation ist nachvollziehbar strukturiert, weist aber Lücken auf. Die Grundthese (hohe Zahl offener Haftbefehle, hoher Ausländeranteil) wird mit konkreten Zahlen belegt. Politikerzitate dienen als Autoritätsargumente für Handlungsbedarf. Die logische Kette ist erkennbar: Viele offene Haftbefehle → Sicherheitsrisiko → Handlungsbedarf. Allerdings fehlt die kausale Erklärung: Warum sind so viele Haftbefehle offen? Der Zusammenhang zwischen Nationalität und nicht-vollstreckten Haftbefehlen wird nicht erklärt (Auslieferungsschwierigkeiten? Flucht ins Ausland?). Die Verbindung zum Bürgergeld bleibt unausgeführt. Keine groben logischen Fehlschlüsse, aber die Argumentation springt von Fakten zu Forderungen ohne vollständige Begründungskette.

Transparenz der Absicht: 4/5

Offen

Die Absicht des Textes ist weitgehend transparent. Es handelt sich erkennbar um einen nachrichtlichen Bericht über eine parlamentarische Anfrage mit politischen Reaktionen. Die Quelle der Daten (Bundesinnenministerium, Anfrage von Sebastian Münzenmaier/AfD) wird klar benannt. Die Erstveröffentlichung durch "Welt am Sonntag" wird genannt. Die politischen Positionen werden den jeweiligen Akteuren zugeordnet. Die redaktionelle Auswahl (Fokus auf Nationalität, Auswahl der Stimmen) ist erkennbar, auch wenn sie nicht explizit thematisiert wird. Keine versteckten Agendas oder Täuschungsversuche. Die Transparenz ist nicht perfekt (fehlende Kontextualisierung der redaktionellen Entscheidungen), aber die wesentlichen Informationen über Herkunft und Akteure sind vorhanden.

Handlungsaufforderungen: 4/5

Andeutend

Der Text enthält keine direkten Handlungsaufforderungen an die Leserschaft. Die zitierten politischen Forderungen (AfD: "grundlegender Kurswechsel", CDU: Handlungsbedarf, Grüne: gezielte Fahndungen) richten sich an politische Entscheidungsträger, nicht an die Leser. Es wird kein Druck aufgebaut, eine bestimmte Partei zu wählen, zu spenden oder zu protestieren. Die Darstellung bleibt informativ-berichtend über politische Positionen. Der Schlusssatz ("Jetzt stellt sich heraus") könnte als sanfte Andeutung verstanden werden, dass Handeln nötig sei, bleibt aber implizit. Die Leserautonomie wird vollständig respektiert. Der Text informiert über ein politisches Thema, ohne konkrete Aktionen einzufordern.

Persuasions-Metaanalyse

Absicht und Wirkung

Die Absicht des Textes ist es, über eine parlamentarische Anfrage zu berichten und dabei ein migrationspolitisches Sicherheitsthema in den Fokus zu rücken. Die redaktionelle Entscheidung, die Nationalitätenverteilung bereits im Titel hervorzuheben, zeigt eine klare thematische Schwerpunktsetzung. Die wahrscheinliche Wirkung auf Leser ist eine Verstärkung von Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit Migration. Durch die Betonung der "fast 90 Prozent" und die Auswahl von Stimmen, die verschärfte Maßnahmen fordern, wird ein Handlungsdruck suggeriert. Die fehlende Kontextualisierung (Deliktstruktur, Gründe für offene Haftbefehle, historische Entwicklung) kann zu vereinfachten Schlussfolgerungen führen. Der Text informiert faktisch korrekt, lenkt aber durch Framing und Selektion die Interpretation in eine bestimmte Richtung.

Mildernde Umstände

Als mildernde Umstände sind zu berücksichtigen: Der Text basiert auf offiziellen Daten aus einer parlamentarischen Anfrage und gibt diese korrekt wieder. Die Quellen werden transparent genannt (Bundesinnenministerium, Welt am Sonntag). Es handelt sich um ein legitimes Thema öffentlichen Interesses (Strafverfolgung, offene Haftbefehle). Die zitierten Politiker werden namentlich genannt und ihre Positionen korrekt wiedergegeben. Es werden keine falschen Tatsachenbehauptungen aufgestellt oder Verschwörungsnarrative bedient. Die Sprache bleibt sachlich ohne Diffamierungen. Der journalistische Grundauftrag, über politisch relevante Daten zu berichten, wird erfüllt. Die Fokussierung auf einen Aspekt (Nationalität) ist im Rahmen redaktioneller Schwerpunktsetzung, auch wenn sie selektiv ist.

Verschärfende Umstände

Als verschärfende Umstände wirken: Die systematische Fokussierung auf die Nationalitätenverteilung ohne Erklärung der Kausalzusammenhänge kann ethnisierende Interpretationen begünstigen. Die unausgewogene Auswahl der zitierten Stimmen (zwei Befürworter härterer Maßnahmen ausführlich, ein Kritiker nur mit einem Satz) erzeugt ein Meinungsbild, das nicht die gesamte politische Debatte repräsentiert. Das Fehlen essentieller Kontextinformationen (Deliktstruktur, Auslieferungsproblematik, administrative Gründe für offene Haftbefehle) verhindert eine differenzierte Einordnung. Die Verknüpfung mit dem Bürgergeld-Thema am Ende ohne Erklärung des Zusammenhangs schafft einen zusätzlichen Empörungsanker. Der Schlusssatz "Jetzt stellt sich heraus" suggeriert eine Enthüllung, obwohl es sich um routinemäßig verfügbare Daten aus einer parlamentarischen Anfrage handelt. Die Publikation bei NIUS, einem Medium mit erkennbarer politischer Ausrichtung, ist als Kontextfaktor zu berücksichtigen.

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