DECIPHERED: Einfluss von Viralvideos: Meta und TikTok gehen gezielt gegen Falschinformationen zur Ceuta-Krise vor

Autor: DER SPIEGEL

Datum: 2026-08-11

Quelle: https://www.spiegel.de/netzwelt/apps/ceuta-meta-und-tiktok-gehen-gezielt-gegen-falschinformationen-zu-migrationskrise-vor-a-9021309c-3929-4851-a8b2-fb98760ab8f6

Journalistische Qualität: 5/5

Einflussnahme: 3/5

Zusammenfassung

Der Artikel berichtet über Maßnahmen von Meta und TikTok zur Moderation von Onlineinhalten im Zusammenhang mit der Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen kündigte eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Plattformen an, um zu verhindern, dass kriminelle Netzwerke potenzielle Migranten mit Falschinformationen anlocken. Die Unternehmen haben sich verpflichtet, Inhalte zu Schleusungen zu verbieten und setzen Krisenprotokolle ein. Meta arbeitet mit Faktencheckern zusammen und hat spezielle Richtlinien zu Menschenschmuggel und Gewaltanstiftung aktiviert. TikTok hat eine spezielle Taskforce mobilisiert. Hintergrund ist der Ansturm von mehr als 70.000 Menschen am 30. Juli 2026, die versuchten, die Grenze von Marokko nach Ceuta zu überwinden, wobei Dutzende ums Leben kamen. Viele waren durch virale Videos mit Falschinformationen zur Anreise ermutigt worden, die suggerierten, die Grenze sei offen. Die Plattformen wollen solche Inhalte künftig freiwillig blockieren oder deren Sichtbarkeit herabstufen. Die EU-Kommission und Europol stehen täglich im Austausch mit den Unternehmen.

Schlagzeile vs. Inhalt

Die Überschrift "Einfluss von Viralvideos: Meta und TikTok gehen gezielt gegen Falschinformationen zur Ceuta-Krise vor" gibt den Inhalt des Artikels angemessen wieder. Der Artikel behandelt tatsächlich die Rolle viraler Videos bei der Ceuta-Krise und die Maßnahmen von Meta und TikTok zur Bekämpfung von Falschinformationen. Die Überschrift hebt zwei zentrale Aspekte hervor: erstens den Einfluss von Viralvideos auf die Migrationskrise und zweitens die Reaktion der Plattformbetreiber. Beide Themen werden im Artikel ausführlich behandelt. Der Text erläutert, dass virale Videos mit Falschinformationen Menschen zur Grenzüberquerung ermutigten, und beschreibt die konkreten Maßnahmen beider Unternehmen (Krisenprotokolle, Löschungen, Zusammenarbeit mit Faktencheckern). Die Formulierung "gehen gezielt vor" könnte als leicht übertrieben interpretiert werden, da der Artikel auch betont, dass die Maßnahmen auf freiwilliger Basis erfolgen und die EU-Kommission auf "verantwortungsvollen Dialog" setzt, nicht auf Zwang. Die Überschrift suggeriert möglicherweise eine proaktivere Haltung der Unternehmen, als der Text belegt – die Initiative scheint teilweise von der EU-Kommission auszugehen, die den Plattformen zuvor "indirekt eine Mitschuld" gegeben hatte. Insgesamt ist die Überschrift jedoch sachlich korrekt und repräsentiert die Hauptthemen des Artikels ohne wesentliche Verzerrung. Sie fasst die Kernaussage zusammen, ohne sensationalistisch zu übertreiben oder wichtige Aspekte auszulassen.

Texttyp: Nachricht

Sprachlicher Modus

Der Text ist überwiegend im Indikativ verfasst und präsentiert die meisten Informationen als verifizierte Fakten. Die Darstellung stützt sich auf konkrete Quellen: Aussagen der EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen auf X, Stellungnahmen eines Sprechers der EU-Kommission, direkte Zitate von Meta und TikTok sowie Angaben der Nachrichtenagentur dpa. Faktische Aussagen im Indikativ dominieren den Text: - "Meta und TikTok haben es sich offenbar zum Ziel gesetzt" (mit Einschränkung "offenbar") - "Am 30. Juli hatten mehr als 70.000 Menschen versucht, die Grenze [...] zu überwinden" - "Bei dem Ansturm kamen Dutzende von ihnen ums Leben" - "Ein Sprecher von Meta teilte dem SPIEGEL auf Anfrage mit" - "Die EU-Kommission und die europäische Polizeibehörde Europol stünden täglich im Austausch" Konjunktivische Formulierungen werden gezielt eingesetzt, um Absichten, Ziele oder Aussagen Dritter zu kennzeichnen: - "Ziel sei es, zu verhindern" (indirekte Rede, Wiedergabe von Virkkunnens Aussage) - "Faktenchecker könnten schädliche Desinformation melden" (Möglichkeitsform, Vorschlag des Sprechers) - "Die Plattformen wollen solche Inhalte künftig freiwillig blockieren" (Absichtserklärung) Die Verwendung von Konjunktiv und Modalverben erfolgt transparent und nachvollziehbar, um zwischen verifizierten Ereignissen (Grenzansturm, Todesfälle) und angekündigten Maßnahmen oder Absichtserklärungen zu unterscheiden. Unsicherheiten werden durch Formulierungen wie "offenbar" oder "laut eigenen Angaben" markiert. Insgesamt überwiegt der indikativische Modus deutlich. Der Text präsentiert die Ereignisse in Ceuta und die Reaktionen der Plattformen als feststehende Tatsachen, während zukünftige Maßnahmen und Absichtserklärungen angemessen als solche gekennzeichnet werden.

Journalistische Qualität

Der Text erfüllt die journalistischen Qualitätsstandards in hervorragender Weise. Die Faktentreue ist durchgehend gegeben, alle wesentlichen Behauptungen sind durch externe Quellen bestätigt und präzise wiedergegeben. Die Darstellung ist sachlich, ausgewogen und frei von emotionaler Färbung oder Dramatisierung. Die Quellen sind klar benannt und nachvollziehbar, wobei Primärquellen bevorzugt werden. Die strikte Trennung von Nachricht und Meinung ist gewahrt, und alle personenbezogenen Prinzipien (Persönlichkeitsrechte, Unschuldsvermutung, Nicht-Diskriminierung) werden vorbildlich eingehalten. Die Transparenz ist gut, mit klarer Zuordnung zum SPIEGEL und identifizierbaren institutionellen Quellen. Insgesamt handelt es sich um eine professionelle, sorgfältig recherchierte Nachrichtenmeldung, die den höchsten journalistischen Standards entspricht.

Einzelne Prinzipien

Prinzip der Transparenz: 4/5

Gut

Der Text erscheint im SPIEGEL, einem etablierten Medium mit transparenter Organisationsstruktur und Eigentumsverhältnissen, die auf der Website einsehbar sind. Die Autorenschaft ist mit "DER SPIEGEL" angegeben, was auf eine redaktionelle Gemeinschaftsarbeit hinweist – eine gängige Praxis bei Nachrichtenmeldungen. Alle zitierten Quellen (EU-Kommissarin Virkkunen, EU-Kommissionssprecher, Meta-Sprecher, TikTok) sind klar identifizierbar und ihre institutionelle Zugehörigkeit ist transparent. Potenzielle Interessenkonflikte werden nicht explizit thematisiert, was bei einer Nachrichtenmeldung über Tech-Plattformen und EU-Regulierung relevant sein könnte, aber die grundlegende Transparenz ist gegeben.

Prinzip der Faktentreue: 5/5

Sehr gut

Alle wesentlichen Faktenbehauptungen im Text sind durch externe Recherche bestätigt: Der Grenzübertritt von etwa 70.000-72.000 Menschen am 30. Juli 2026 ist belegt, die Todeszahlen im Bereich von mehreren Dutzend entsprechen den Quellen (57-88 Tote je nach Quelle und Zeitpunkt), Henna Virkkunnens Position als EU-Digitalkommissarin ist korrekt, und die Ankündigung der verstärkten Zusammenarbeit zwischen EU-Kommission, Meta und TikTok vom 11. August 2026 ist dokumentiert. Die Rolle viraler Videos mit Falschinformationen bei der Mobilisierung der Menschen wird durch mehrere unabhängige Quellen bestätigt. Zahlen, Daten, Namen und Zitate sind präzise wiedergegeben.

Prinzip der Sachlichkeit: 5/5

Sehr gut

Die Darstellung ist durchgehend sachlich und nüchtern ohne emotionale Färbung oder Dramatisierung. Die Wortwahl ist neutral und ausgewogen ("offenbar", "indirekt", "deutete an"), Bewertungen werden als solche kenntlich gemacht und Quellen zugeordnet. Der Ton bleibt professionell, auch bei der Schilderung der tragischen Todesfälle wird auf reißerische Sprache verzichtet. Die Informationen werden in sachlicher Berichtsform präsentiert, ohne tendenziöse Formulierungen oder manipulative Sprachmittel. Die Nachricht beschränkt sich auf die Wiedergabe von Fakten und Aussagen der beteiligten Akteure.

Prinzip der Überprüfbarkeit: 4/5

Gut

Die wesentlichen Quellen sind benannt und für Leser nachvollziehbar: Henna Virkkunen wird mit ihrem X-Post zitiert (verlinkt), ein Sprecher der EU-Kommission wird direkt zitiert, Meta und TikTok werden mit Sprecheraussagen angeführt, und die Nachrichtenagentur dpa wird als Quelle genannt. Die Verlinkungen zu Meta-Richtlinien ermöglichen eine Überprüfung der genannten Policies. Primärquellen (direkte Aussagen der Beteiligten) werden gegenüber Sekundärquellen bevorzugt. Eine Schwäche besteht darin, dass der X-Post von Virkkunen zwar verlinkt ist, aber nicht alle Detailaussagen des EU-Kommissionssprechers mit spezifischen Dokumenten oder Pressemitteilungen unterlegt sind. Die Kernaussagen sind jedoch durch die Benennung der institutionellen Sprecher grundsätzlich verifizierbar.

Prinzip der Trennung und Kennzeichnung: 5/5

Sehr gut

Der Text ist eine reine Nachrichtenmeldung ohne Vermischung von Fakten und Meinung. Es werden ausschließlich Informationen über die Ankündigungen und Maßnahmen von EU-Kommission, Meta und TikTok berichtet, ohne dass redaktionelle Kommentare oder Bewertungen einfließen. Die Darstellung beschränkt sich auf die Wiedergabe von Fakten und Aussagen der beteiligten Akteure. Es gibt keine versteckten Wertungen oder Meinungselemente, die als Nachricht getarnt wären. Die Trennung zwischen informativer Berichterstattung und meinungsäußernden Formaten ist klar gewahrt.

Prinzip des Schutzes der Persönlichkeitsrechte: 5/5

Sehr gut

Die im Text genannten Personen (Henna Virkkunen, Mark Zuckerberg) werden ausschließlich in ihrer institutionellen Rolle erwähnt, ohne dass private Details oder unangemessene Darstellungen erfolgen. Die Berichterstattung konzentriert sich auf öffentliche Amtshandlungen und Unternehmensentscheidungen. Es werden keine ehrverletzenden Formulierungen verwendet, und die Würde der genannten Personen wird durchgehend respektiert. Die Balance zwischen Informationsinteresse und Persönlichkeitsrechten ist vorbildlich gewahrt, da nur öffentlich relevante Informationen über Personen in öffentlichen Funktionen berichtet werden.

Prinzip der Unschuldsvermutung: 5/5

Sehr gut

Der Text enthält keine Berichterstattung über Ermittlungs- oder Strafverfahren gegen Einzelpersonen und schafft auch keine indirekte Schuldzuweisung. Die Formulierung, dass die EU-Digitalkommissarin den Plattformbetreibern "indirekt eine Mitschuld" gegeben habe, wird als ihre Einschätzung kenntlich gemacht und nicht als Tatsachenbehauptung präsentiert. Es wird durchgehend der Konjunktiv bzw. attributive Formulierungen verwendet ("deutete an", "laut", "heißt es"). Die Darstellung bleibt neutral und vorurteilsfrei, ohne dass Personen als Schuldige dargestellt oder vorverurteilt werden. Die Unschuldsvermutung wird vollständig gewahrt.

Prinzip der Nicht-Diskriminierung: 5/5

Sehr gut

Der Text verwendet durchgehend respektvolle und neutrale Sprache bei der Erwähnung von Migranten und Schutzsuchenden. Es werden keine Stereotype, Generalisierungen oder stigmatisierende Formulierungen verwendet. Die Wortwahl ist sachlich ("Menschen", "Schutzsuchende", "potenzielle Migranten") ohne abwertende Konnotationen. Geschützte Merkmale wie ethnische Herkunft, Religion oder sozioökonomischer Status werden nur erwähnt, wo sie sachlich relevant sind (geografische Herkunft aus Marokko, Ziel Ceuta). Die Darstellung ist ausgewogen und respektiert die Würde aller erwähnten Gruppen ohne diskriminierende Tendenzen.

Kontext: Journalismus-Kontext

Beeinflussungsanalyse

Der Text präsentiert eine überwiegend faktisch zutreffende und ausgewogen formulierte Berichterstattung über die technologiepolitischen Reaktionen auf die Ceuta-Krise. Die Darstellung ist sachlich, verzichtet weitgehend auf emotionale Manipulation und verwendet gemessene Sprache. Gleichzeitig zeigt sich ein moderates Framing, das die Plattformverantwortung in den Vordergrund stellt und tiefere politische sowie sozioökonomische Kontexte ausblendet. Die Argumentation ist fundiert, könnte aber kausale Zusammenhänge kritischer hinterfragen. Insgesamt handelt es sich um informierenden Journalismus mit erkennbarer, aber nicht dominanter Perspektivierung, der rationale Argumente nutzt, um Sachverhalte darzustellen, ohne stark zu überzeugen oder zu manipulieren.

Einzelne Dimensionen

Faktische Grundlage: 4/5

Zutreffend

Der Text präsentiert überwiegend zutreffende Fakten, die durch externe Recherche bestätigt werden: Der Grenzübertritt von etwa 70.000-72.000 Menschen am 30. Juli 2026, die Todeszahlen im Dutzendbereich (Quellen sprechen von 57-88 Toten), die Rolle von Viralvideos mit Falschinformationen und die Zusammenarbeit zwischen EU-Kommission, Meta und TikTok sind dokumentiert. Henna Virkkunnens Position als EU-Digitalkommissarin ist korrekt (Executive Vice-President für Tech Sovereignty, Security and Democracy). Die Aussagen von Meta und TikTok zu Krisenprotokollen und Taskforces werden durch offizielle Quellen gestützt. Kleinere Details wie die genaue Formulierung von Unternehmensaussagen sind nicht vollständig verifizierbar, beeinträchtigen aber die Gesamtgenauigkeit nicht wesentlich.

Vollständigkeit der Darstellung: 3/5

Repräsentativ

Der Text präsentiert die Hauptperspektiven der beteiligten Akteure: EU-Kommission, Meta, TikTok und verweist auf die Rolle krimineller Netzwerke. Die Darstellung konzentriert sich auf die technologiepolitische Reaktion und lässt tiefere Kontexte weitgehend aus: Die politischen Spannungen zwischen Spanien und Marokko, die Rolle islamistischer Gruppen (in anderen Quellen erwähnt), die sozioökonomischen Ursachen der Migration und kritische Stimmen zur Plattformregulierung fehlen. Alternative Erklärungen für die Krise (z.B. politische Instrumentalisierung durch Marokko) werden nicht erwähnt. Die historische Kontinuität der Ceuta-Problematik wird nur knapp angedeutet. Dennoch werden die zentralen Fakten und die Position der Plattformen fair wiedergegeben, was eine repräsentative, wenn auch fokussierte Darstellung ergibt.

Emotionale Appelle: 4/5

Zurückhaltend

Der Text verwendet minimale emotionale Elemente. Die Erwähnung "tragischer Todesfälle" und "Dutzende von ihnen ums Leben" spricht menschliches Mitgefühl an, bleibt aber sachlich-beschreibend. Die Formulierung "weltweit beachtete Extremsituation" enthält eine leichte Dramatisierung, dient aber primär der Kontextualisierung. Es gibt keine Angstmache, keine Empörungsrhetorik und keine systematische Emotionalisierung. Die Darstellung der 70.000 Menschen und der Todesfälle erfolgt nüchtern-berichtend. Der Fokus liegt durchgehend auf den technologiepolitischen Maßnahmen und institutionellen Reaktionen, nicht auf emotionaler Mobilisierung. Die emotionalen Elemente sind minimal und der rationalen Informationsvermittlung klar untergeordnet.

Sprache: 4/5

Gemessen

Die Sprache ist überwiegend neutral und beschreibend. Der Text verwendet Indikativ für verifizierte Fakten ("haben es sich zum Ziel gesetzt", "teilte mit") und Konjunktiv für nicht direkt verifizierte Aussagen ("deutete an", "laut eigenen Angaben"). Es gibt keine Stereotypen, Feindbilder oder abwertende Terminologie. Die wenigen bewertenden Elemente ("tragisch", "Extremsituation", "schädliche Desinformation") sind konventionell und nicht manipulativ. Absolute Ausdrücke fehlen weitgehend. Eine leichte Positionierung zeigt sich in der unkritischen Übernahme des Begriffs "Falschinformationen" ohne nähere Spezifizierung, welche konkreten Falschaussagen gemeint sind. Rhetorische Mittel werden sparsam eingesetzt. Insgesamt entspricht die Sprache journalistischen Standards mit minimalen bewertenden Akzenten.

Framing: 3/5

Moderat

Der Text weist ein erkennbares, aber moderates Framing auf. Die Überschrift rahmt das Thema als Plattform-Verantwortung ("Meta und TikTok gehen gezielt gegen Falschinformationen vor"), was eine technologiezentrierte Perspektive etabliert. Die Darstellung folgt einem Lösungsnarrativ: Problem (Viralvideos führen zu Todesfällen) → Reaktion (Plattformen verstärken Moderation) → Kooperation (EU-Dialog). Die Formulierung "indirekt eine Mitschuld" an der Eskalation legt nahe, dass Plattformen Verantwortung tragen, ohne dies zu belegen. Die Kategorisierung als "Falschinformationen" erfolgt ohne detaillierte Beispiele oder Differenzierung. Alternative Frames (politische Krise, Migrationsursachen, Grenzpolitik) werden nicht entwickelt. Das Framing ist transparent genug, um erkennbar zu sein, lenkt aber die Interpretation in Richtung Plattformregulierung als primäre Lösung. Es gibt keine systematische Recontextualisierung von Fakten.

Argumentationsstruktur: 4/5

Fundiert

Die Argumentation ist überwiegend logisch strukturiert und durch Quellen gestützt. Die Hauptthese (Plattformen verstärken Moderation nach Ceuta-Krise) wird durch Zitate von EU-Kommission, Meta und TikTok belegt. Die kausale Verknüpfung zwischen Viralvideos und dem Grenzansturm stützt sich auf Aussagen der Betroffenen ("laut eigenen Angaben"), was methodisch transparent ist. Es gibt keine offensichtlichen logischen Fehlschlüsse. Eine leichte argumentative Schwäche liegt in der impliziten Kausalitätsannahme: Der Text suggeriert, dass Viralvideos eine wesentliche Ursache waren, ohne alternative Erklärungen (politische Spannungen, organisierte Mobilisierung) zu diskutieren. Die Darstellung der "freiwilligen" Selbstverpflichtung der Plattformen könnte kritischer hinterfragt werden. Insgesamt ist die Argumentation nachvollziehbar und evidenzbasiert, mit kleineren Lücken bei der Kausalitätsprüfung.

Transparenz der Absicht: 4/5

Offen

Die Absicht des Textes ist klar erkennbar: Berichterstattung über technologiepolitische Maßnahmen im Kontext der Ceuta-Krise. Der Text ist als Nachrichtenartikel des SPIEGEL gekennzeichnet, was journalistische Standards erwarten lässt. Es gibt keine versteckten kommerziellen Interessen oder verdeckte Agenda. Die Quellen (EU-Kommission, Meta, TikTok, dpa) werden transparent genannt. Eine leichte Einschränkung ergibt sich daraus, dass die redaktionelle Perspektive (Fokus auf Plattformverantwortung) nicht explizit als solche markiert wird, sondern als neutrale Berichterstattung erscheint. Die Auswahl der zitierten Akteure (keine Kritiker der Plattformregulierung, keine Migrationsforscher) wird nicht thematisiert. Dennoch ist die grundlegende Intention transparent und entspricht journalistischen Konventionen.

Handlungsaufforderungen: 5/5

Informativ

Der Text enthält keinerlei Handlungsaufforderungen. Es werden keine Appelle an Leser gerichtet, keine Empfehlungen ausgesprochen und kein Druck ausgeübt. Die Darstellung ist rein informativ und beschreibt die Maßnahmen institutioneller Akteure, ohne Leser zu eigenem Handeln aufzufordern. Es gibt keine zeitlichen oder sozialen Druckmittel, keine Ultimaten und keine einseitige Darstellung von Handlungskonsequenzen. Die Leserautonomie wird vollständig respektiert. Der Text erfüllt die Funktion reiner Informationsvermittlung ohne persuasive Handlungskomponente. Dies entspricht dem journalistischen Standard nachrichtlicher Berichterstattung.

Persuasions-Metaanalyse

Absicht und Wirkung

Die erkennbare Absicht des Textes ist die nachrichtliche Information über aktuelle technologiepolitische Entwicklungen im Kontext einer humanitären Krise. Der SPIEGEL berichtet über die Reaktion von EU-Kommission und Tech-Plattformen auf die Rolle von Desinformation bei der Ceuta-Krise. Die wahrscheinliche Wirkung auf Leser ist zweifach: Einerseits werden sie über konkrete Maßnahmen (Krisenprotokolle, Faktenchecker-Kooperation) informiert, andererseits wird ein Deutungsrahmen etabliert, der Plattformen als Teil des Problems und ihrer Selbstregulierung als Teil der Lösung darstellt. Die Fokussierung auf die technologische Dimension könnte dazu führen, dass Leser die Krise primär als Desinformationsproblem wahrnehmen, während strukturelle Ursachen (Migrationspolitik, geopolitische Spannungen) in den Hintergrund treten. Die nüchterne Darstellung fördert rationale Auseinandersetzung, die selektive Perspektive könnte jedoch die Problemwahrnehmung verengen.

Mildernde Umstände

Mehrere Faktoren mildern die persuasive Wirkung des Textes: Er ist klar als journalistischer Nachrichtenartikel gekennzeichnet und folgt erkennbaren journalistischen Konventionen (Quellenangaben, Zitate, sachlicher Ton). Die Darstellung erfolgt in einem etablierten Medium (DER SPIEGEL) mit redaktionellen Standards, was Qualitätserwartungen weckt und kritische Rezeption fördert. Der Text verzichtet auf emotionale Manipulation, Handlungsaufforderungen und aggressive Rhetorik. Die faktische Grundlage ist solide und durch externe Quellen verifizierbar. Die Sprache ist gemessen und vermeidet Polarisierung. Der Kontext (Berichterstattung über institutionelle Reaktionen auf eine aktuelle Krise) rechtfertigt eine gewisse Fokussierung. Die Transparenz über Quellen und Akteure ermöglicht Lesern eine eigenständige Einordnung. Diese Faktoren reduzieren das Manipulationspotenzial erheblich.

Verschärfende Umstände

Einige Faktoren erhöhen die persuasive Wirkung: Die institutionelle Plattform (DER SPIEGEL) verleiht dem Text Autorität und Glaubwürdigkeit, was die Übernahme des präsentierten Frames wahrscheinlicher macht. Die Aktualität und Dramatik des Themas (Todesfälle, Massenansturm) erhöhen die Aufmerksamkeit und emotionale Involviertheit der Leser, auch wenn der Text selbst zurückhaltend formuliert ist. Die einseitige Quellenauswahl (nur institutionelle Akteure, keine kritischen Stimmen zur Plattformregulierung) verstärkt einen bestimmten Deutungsrahmen, ohne dass dies als redaktionelle Entscheidung transparent wird. Die Verwendung des Begriffs "Falschinformationen" ohne konkrete Beispiele oder Differenzierung etabliert eine Bewertung, die nicht vollständig belegt wird. Die Darstellung der Plattform-Selbstverpflichtungen als Lösung könnte unkritische Akzeptanz von Selbstregulierung fördern. Die Reichweite des SPIEGEL multipliziert diese Effekte potenziell.

Über den Autor

Biografie

Autor nicht identifizierbar – der Artikel ist mit 'DER SPIEGEL' gekennzeichnet, was auf eine Redaktionsleistung ohne namentliche Nennung eines Einzelautors hindeutet.


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