Autor: Tonci Petric
Datum: 2026-07-31
Journalistische Qualität: 4/5
Einflussnahme: 4/5
Der Text berichtet über die ZDF-Sendung "Sarah Tacke", in der nach dem islamistischen Anschlag auf den CSD in Berlin über innere Sicherheit diskutiert wurde. Moderatorin Sarah Tacke sprach mit NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU), der Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal, dem Extremismusforscher Ahmad Mansour und dem muslimischen Queer-Aktivisten Tugay Sarac. Zentrale Diskussionspunkte waren: - Die Frage, wie bekannte Gefährder besser überwacht oder verhindert werden können - Reuls Hinweis, dass 100 Prozent Sicherheit nicht möglich sei und man in einem Rechtsstaat Menschen nur bei nachgewiesenen Taten einsperren könne - Mansours Kritik an einem gesellschaftlichen Versagen: Politik, Medien und NGOs hätten Islamismus über Jahre relativiert - Tekkals Einschätzung, Deutschland befinde sich in einer "Amnesie", da die islamistische Gefahr nie weg gewesen sei - Aktuelle Zahlen: 492 Gefährder (410 Islamisten, 65 Rechtsextremisten, 17 Linksextremisten) werden überwacht; in den letzten zehn Jahren gab es 16 islamistische Anschläge in Deutschland - Reuls Angabe, in NRW seien seit Anfang der 2020er-Jahre rund acht Anschläge verhindert worden - Diskussion über geplante Maßnahmen wie Fußfesseln und verlängerte Präventivhaft - Saracs Warnung vor Islamismus-Problem an Schulen und seine Kritik am Islamratsvorsitzenden Burhan Kesici, der Homosexualität als "Abnormalität" bezeichnet habe Der Text präsentiert verschiedene Perspektiven auf die Sicherheitslage und mögliche Gegenmaßnahmen, wobei die Teilnehmer unterschiedliche Schwerpunkte setzen: Reul betont rechtsstaatliche Grenzen, Mansour kritisiert gesellschaftliche Relativierung, Tekkal warnt vor Amnesie und Sarac fordert eine "Brandmauer zum Islamismus".
Die Überschrift "Wir als Gesellschaft haben versagt. Politik, Medien und NGOs haben Islamismus relativiert" gibt ein direktes Zitat von Ahmad Mansour wieder, das im Text tatsächlich in dieser Form vorkommt. Die Überschrift ist jedoch insofern selektiv, als sie eine von mehreren Perspektiven herausgreift und als Hauptaussage präsentiert. Der Artikel selbst bietet ein breiteres Spektrum an Positionen: - Herbert Reul betont rechtsstaatliche Grenzen und die Unmöglichkeit absoluter Sicherheit - Düzen Tekkal spricht von einer "Amnesie" Deutschlands gegenüber der islamistischen Gefahr - Tugay Sarac warnt vor Islamismus an Schulen - Mansour selbst differenziert seine Kritik und nennt mehrere Ebenen des Versagens (Polizei, Justiz, Gesellschaft) Die Überschrift fokussiert auf Mansours gesellschaftskritische Aussage und lässt die anderen Diskussionsstränge unerwähnt. Dies könnte beim Leser den Eindruck erwecken, die Sendung habe primär die Relativierung des Islamismus durch etablierte Institutionen thematisiert, während tatsächlich ein breiteres Spektrum an Sicherheitsfragen, rechtsstaatlichen Dilemmata und konkreten Maßnahmen diskutiert wurde. Die Subline "Im ZDF-Talk 'Sarah Tacke' wird über die Sicherheit in Deutschland nach dem CSD-Anschlag diskutiert. Eine Menschenrechtsaktivistin attestiert dem Land eine 'Amnesie'. Richtig interessant wird es erst, als ein ehemaliger Salafist zu Wort kommt" gibt einen ausgewogeneren Überblick über verschiedene Perspektiven und kündigt mehrere Diskussionsteilnehmer an. Insgesamt ist die Überschrift nicht irreführend im Sinne einer Falschdarstellung – das Zitat kommt vor und ist korrekt wiedergegeben –, aber sie gewichtet eine von mehreren Aussagen als zentrale Botschaft und könnte dadurch die thematische Breite der Diskussion unterschätzen lassen.
Texttyp: Bericht
Der Text ist überwiegend im Indikativ verfasst und berichtet über eine stattgefundene Fernsehsendung. Die Darstellung erfolgt faktisch-beschreibend: **Indikativische Elemente (dominant):** - Beschreibung der Sendung und ihrer Teilnehmer: "Sarah Tacke beleuchtete in ihrem Polit-Talk..." - Wiedergabe von Aussagen der Diskussionsteilnehmer: "Reul plädierte für...", "Mansour stellte die Frage...", "Tekkal hielt dagegen..." - Präsentation von Zahlen und Fakten: "Demnach haben die Sicherheitsbehörden derzeit 492 sogenannte Gefährder im Blick" - Direkte Zitate: "100 Prozent Sicherheit wird man den Menschen nicht versprechen können" **Konjunktivische/Konditionale Elemente (minimal):** Der Text enthält kaum konjunktivische Formulierungen. Die wenigen Stellen, an denen indirekte Rede im Konjunktiv erscheint, dienen der korrekten grammatischen Wiedergabe von Aussagen Dritter (z.B. bei längeren indirekten Redewiedergaben), nicht der Distanzierung von unverifizierten Behauptungen. Eine Ausnahme bildet die Formulierung "ein Mann mit mutmaßlichen IS-Bezügen", wo das Adjektiv "mutmaßlich" auf eine noch nicht abschließend bewiesene Verbindung hinweist. **Gesamteinschätzung:** Der Text operiert primär im Indikativ und berichtet über verifizierbare Ereignisse (eine TV-Sendung, die stattgefunden hat) sowie über Aussagen, die in dieser Sendung getätigt wurden. Die Aussagen selbst werden als Meinungen und Positionen der jeweiligen Sprecher dargestellt, nicht als vom Autor zu verifizierende Tatsachenbehauptungen. Der Text unterscheidet klar zwischen Faktenwiedergabe (Zahlen, Daten, Sendungsablauf) und Meinungsäußerungen der Diskussionsteilnehmer. Die sprachliche Gestaltung entspricht einem klassischen Bericht über eine Fernsehdiskussion, bei dem die verschiedenen Positionen referiert werden, ohne dass der Autor selbst ungesicherte Behauptungen aufstellt oder sich spekulativ äußert.
Der Text weist eine gute journalistische Qualität auf und erfüllt die wesentlichen Standards weitgehend. Die Faktentreue ist durchgehend gegeben, alle zentralen Angaben sind durch externe Quellen verifiziert. Transparenz, Sachlichkeit und die Trennung von Nachricht und Meinung sind klar erkennbar, wobei der Text als Bericht über eine Talkshow die Diskussion neutral wiedergibt. Die Persönlichkeitsrechte werden respektiert, und die Unschuldsvermutung wird gewahrt. Die Hauptschwäche liegt in der Überprüfbarkeit: Einige statistische Angaben und Zitate werden ohne präzise Quellenangaben präsentiert, was die unabhängige Verifikation erschwert. Insgesamt handelt es sich um solide journalistische Arbeit mit erkennbaren, aber nicht gravierenden Schwächen in der Quellenattribution.
Gut
Die Transparenz ist weitgehend gegeben. Der Autor Tonci Petric ist namentlich genannt, die Quelle WELT ist klar identifizierbar, und die Sendung sowie deren Kontext (ZDF-Talk "Sarah Tacke" als Vertretung für Maybrit Illner) sind eindeutig benannt. Die Gäste der Sendung werden mit Namen und Funktion vorgestellt. Kleinere Lücken bestehen darin, dass keine expliziten Informationen zu möglichen Interessenkonflikten oder zur redaktionellen Einbettung des Autors gegeben werden, was jedoch bei einem Medienbericht über eine TV-Sendung üblich ist. Finanzierungs- und Eigentümerstrukturen der WELT sind auf der Website des Verlags einsehbar.
Sehr gut
Alle wesentlichen Fakten im Text sind korrekt und durch externe Quellen bestätigt. Der CSD-Anschlag in Berlin am 26. Juli 2026 durch Abdul Ballout mit einem Kleinbus, bei dem eine Frau getötet und 31 Menschen verletzt wurden, ist durch mehrere etablierte Quellen verifiziert. Die Angaben zu Ballout als bekanntem Gefährder, der in Deutschland geboren wurde und sich hier radikalisierte, sind ebenfalls bestätigt. Sarah Tackes Rolle als Vertretung von Maybrit Illner ab dem 30. Juli 2026 für fünf Wochen sowie ihre Position als Leiterin der ZDF-Rechtsredaktion und WISO-Moderatorin sind durch Quellen belegt. Herbert Reuls Amt als Innenminister von Nordrhein-Westfalen und CDU-Mitglied ist korrekt. Die Sendung zum Thema "Der Feind im Innern – wie stoppen wir Islamisten?" am 30. Juli 2026 ist dokumentiert.
Gut
Die Darstellung ist überwiegend sachlich und neutral gehalten. Der Text referiert die Diskussion in der Sendung weitgehend ohne emotionale Färbung und gibt die Positionen der verschiedenen Gäste wieder. Die Wortwahl ist professionell, und dramatisierende Formulierungen werden weitgehend vermieden. Einzelne Formulierungen wie "richtig interessant wird es erst" oder die Beschreibung des Talks als "träge" enthalten leichte wertende Nuancen, die jedoch im Rahmen einer Medienkritik vertretbar sind. Die Kernaussagen der Diskussionsteilnehmer werden ohne tendenziöse Verzerrung wiedergegeben, und der Ton bleibt durchgehend professionell.
Verwendbar
Die Überprüfbarkeit ist grundsätzlich gegeben, weist aber Lücken auf. Der Text benennt die Sendung, das Datum und die Teilnehmer namentlich, was eine Nachprüfung der Aussagen prinzipiell ermöglicht. Die zitierten Aussagen der Diskussionsteilnehmer sind konkret genug, um sie anhand der Sendung zu verifizieren. Allerdings fehlen bei einigen statistischen Angaben (492 Gefährder, davon 410 Islamisten, 65 Rechtsextremisten, 17 Linksextremisten; 16 islamistische Anschläge in zehn Jahren; acht verhinderte Anschläge in NRW) präzise Quellenangaben oder Zeiträume, die eine unabhängige Überprüfung erleichtern würden. Die Aussage zu Burhan Kesicis Äußerungen wird zwar kontextualisiert, aber ohne direkte Quellenangabe zur ursprünglichen ZDF-Sendung. Primärquellen werden nicht systematisch gegenüber Sekundärquellen bevorzugt.
Gut
Die Trennung von Nachricht und Meinung ist weitgehend gewahrt. Der Text ist als Bericht über eine Talkshow angelegt und gibt die Diskussion sowie die Positionen der Teilnehmer wieder, ohne diese mit eigenen Bewertungen des Autors zu vermischen. Die wenigen wertenden Elemente ("richtig interessant", "träge") sind als Einordnung des Diskussionsverlaufs erkennbar und nicht als Meinungsäußerung zu den Sachfragen selbst. Die Aussagen der Gäste werden klar als deren Positionen gekennzeichnet und nicht als Fakten des Autors präsentiert. Eine explizite Kennzeichnung als Bericht oder Kommentar fehlt, ist aber bei diesem Format auch nicht zwingend erforderlich, da die Textsorte aus dem Inhalt klar hervorgeht.
Gut
Die Persönlichkeitsrechte werden überwiegend respektiert. Die namentlich genannten Personen (Herbert Reul, Ahmad Mansour, Düzen Tekkal, Tugay Sarac, Sarah Tacke, Burhan Kesici, Abdul Ballout) werden in ihrer öffentlichen Rolle dargestellt, und die Berichterstattung bewegt sich im Rahmen des öffentlichen Interesses. Die Kritik an Burhan Kesici wird durch die Wiedergabe seiner Aussagen kontextualisiert, auch wenn die Darstellung seiner Position als problematisch gewertet wird. Bei Abdul Ballout, dem Attentäter, werden Fakten zu seiner Person (Alter, Hintergrund, Status als Gefährder) genannt, die im Kontext der Berichterstattung über den Anschlag legitim sind. Die Privatsphäre wird nicht unangemessen verletzt, und die Darstellung erfolgt ohne diffamierende oder ehrverletzende Elemente. Kleinere Unschärfen bestehen darin, dass die Kritik an Kesici ohne dessen Gegendarstellung oder weitere Kontextualisierung bleibt.
Gut
Die Unschuldsvermutung wird im Wesentlichen gewahrt. Abdul Ballout wird als "Attentäter" und "Täter" bezeichnet, was angesichts der Faktenlage (er wurde bei einem Polizeieinsatz erschossen, nachdem er mit einem Kleinbus in eine Menschenmenge gefahren war) und der bestätigten Umstände gerechtfertigt erscheint. Die Berichterstattung erfolgt ohne vorverurteilende Sprache gegenüber anderen Personen. Bei der Diskussion über Gefährder wird deutlich gemacht, dass diese nicht aufgrund einer Tat, sondern aufgrund einer Gefährdungseinstufung beobachtet werden, und Reul betont explizit die rechtsstaatlichen Grenzen ("Sie können Menschen nur ins Gefängnis bringen, wenn Sie ihnen eine Tat nachweisen"). Die Darstellung ist insgesamt neutral und vermeidet es, Verdächtigungen als Schuldbeweise zu präsentieren.
Gut
Die Sprache ist überwiegend respektvoll und vermeidet diskriminierende Formulierungen. Der Text thematisiert Islamismus als politisch-religiöse Ideologie und Sicherheitsbedrohung, ohne pauschal Muslime oder andere Gruppen zu stigmatisieren. Die Erwähnung von Abdul Ballouts "libanesischem Hintergrund" erfolgt im Kontext seiner Biografie, ohne daraus eine Gruppenzuschreibung abzuleiten. Tugay Sarac wird als "schwuler Muslim" vorgestellt, was im Kontext seiner Arbeit gegen religiösen Extremismus und seiner Perspektive auf den CSD-Anschlag relevant ist. Die Darstellung verschiedener Perspektiven (Reul, Mansour, Tekkal, Sarac) zeigt Diversität, ohne einzelne Gruppen zu stereotypisieren. Kleinere Unschärfen bestehen darin, dass die Kritik an "der muslimischen Community" durch Mansour ohne weitere Differenzierung wiedergegeben wird, was potenziell verallgemeinernd wirken könnte.
Kontext: Journalismus-Kontext
Der Artikel ist überwiegend informierend mit minimaler persuasiver Absicht. Die Berichterstattung über die ZDF-Talkshow zum CSD-Anschlag erfolgt faktisch korrekt und gibt verschiedene Perspektiven wieder. Die Faktenbasis ist solide, die Sprache gemessen und die Argumentation nachvollziehbar. Ein moderates Framing zeigt sich in der Titelwahl, die Mansours Kritik an gesellschaftlichen Institutionen hervorhebt und damit eine bestimmte Lesart betont. Emotionale Appelle und Handlungsaufforderungen fehlen weitgehend. Die Transparenz der journalistischen Absicht ist gegeben. Insgesamt liegt eine professionelle Medienberichterstattung vor, die informiert und selektiv akzentuiert, aber nicht systematisch zu beeinflussen versucht.
Zutreffend
Der Artikel berichtet über eine reale ZDF-Talkshow vom 30. Juli 2026 zum CSD-Anschlag in Berlin vom 26. Juli 2026. Die Kernfakten sind durch externe Quellen bestätigt: Abdul Ballout fuhr mit einem Kleinbus in eine Menschenmenge beim Christopher Street Day, tötete eine Frau und verletzte 31 Menschen. Ballout war als Gefährder bekannt und wurde von Sicherheitsbehörden beobachtet. Die Teilnehmer der Sendung (Herbert Reul als NRW-Innenminister, Sarah Tacke als Vertretung für Maybrit Illner) sind korrekt identifiziert. Einige spezifische Aussagen und Zahlen (492 Gefährder, 16 islamistische Anschläge in zehn Jahren, acht verhinderte Anschläge in NRW) konnten nicht extern verifiziert werden, sind aber als Zitate aus der Sendung plausibel und werden nicht als Faktenbehauptungen des Autors präsentiert.
Repräsentativ
Der Artikel gibt verschiedene Perspektiven aus der Talkshow wieder: den Innenminister Reul (CDU), die Menschenrechtsaktivistin Tekkal, den Extremismusforscher Mansour und den Queer-Aktivisten Sarac. Die Hauptpositionen zur Sicherheitsdebatte werden abgebildet – von Forderungen nach härteren Maßnahmen bis zu Kritik an gesellschaftlicher Relativierung des Islamismus. Allerdings fehlen Gegenstimmen zu den geäußerten Positionen (z.B. Datenschutz-Perspektiven zu Fußfesseln, differenziertere Einordnungen der Islamismus-Debatte). Der Artikel konzentriert sich auf die Sendungsinhalte ohne zusätzliche journalistische Kontextualisierung oder kritische Einordnung der vorgebrachten Thesen. Historischer Kontext und Kausalzusammenhänge werden weitgehend bewahrt.
Zurückhaltend
Der Artikel verwendet überwiegend sachliche Berichterstattung über die Talkshow. Emotionale Elemente ergeben sich primär aus den zitierten Aussagen der Gäste (z.B. Mansours Kritik am gesellschaftlichen Versagen, Tekkal zur "Amnesie" Deutschlands). Die eigene Sprache des Autors bleibt nüchtern und distanziert. Es gibt keine dramatisierenden Beschreibungen des Anschlags selbst oder Angsterzeugung durch den Autor. Die emotionale Dimension liegt in den wiedergegebenen Positionen, nicht in der journalistischen Aufbereitung. Minimale emotionale Färbung durch Formulierungen wie "richtig interessant" in der Einleitung.
Gemessen
Die Sprache ist weitgehend neutral und beschreibend. Der Artikel verwendet überwiegend Indikativ zur Wiedergabe von Fakten und Aussagen. Wertende Begriffe stammen aus Zitaten der Talkshow-Teilnehmer, nicht vom Autor selbst. Es gibt keine Verwendung von Stereotypen oder Feindbildern durch den Autor. Die einzige leicht wertende Formulierung ist "richtig interessant wurde es erst, als ein ehemaliger Salafist zu Wort kommt", die eine subjektive Einschätzung des Autors darstellt. Keine systematische Verwendung von Absolutausdrücken, Superlative oder manipulativer Rhetorik. Stigmatisierende Labels ("Islamismus", "Extremismus") werden verwendet, aber im Kontext einer Sicherheitsdebatte und nicht als rhetorische Delegitimierung ohne Sachbezug.
Moderat
Der Titel rahmt die Debatte durch ein direktes Zitat von Ahmad Mansour, das eine klare Schuldzuweisung an "Politik, Medien und NGOs" enthält und damit eine bestimmte Interpretation der Islamismus-Problematik betont. Die Überschrift setzt einen Frame, bevor die Leserschaft den vollständigen Kontext kennt. Die Struktur des Artikels folgt chronologisch der Sendung, wobei Mansours kritische Position prominent platziert wird. Die Kategorisierung als Sicherheitsdebatte mit der Frage "wie stoppen wir Islamisten?" im Sendungstitel schafft einen Handlungsdruck-Frame. Allerdings werden verschiedene Perspektiven innerhalb dieses Rahmens wiedergegeben, und es gibt keine systematische Rekontextualisierung von Fakten. Die Berichterstattung bleibt weitgehend deskriptiv, auch wenn die Auswahl des Titel-Zitats eine interpretative Schwerpunktsetzung darstellt.
Fundiert
Der Artikel ist als Sendungsbericht strukturiert und gibt die Argumentation der Talkshow-Teilnehmer wieder, ohne selbst eine These zu entwickeln. Die wiedergegebenen Argumente sind nachvollziehbar: Mansour argumentiert vom Einzelfall (Ballout) zu systemischen Versäumnissen; Reul betont rechtsstaatliche Grenzen und realistische Erwartungen; Tekkal kontextualisiert die Bedrohungslage historisch. Logische Fehlschlüsse sind nicht erkennbar, da der Autor keine eigene Argumentation aufbaut, sondern berichtet. Die Kausalitätsfrage (warum konnte der Anschlag nicht verhindert werden?) wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Keine erkennbaren Ad-hominem-Angriffe, Strohmann-Argumente oder andere Trugschlüsse in der journalistischen Darstellung selbst.
Offen
Die Absicht des Artikels ist klar erkennbar: Berichterstattung über eine aktuelle ZDF-Talkshow zu einem sicherheitspolitisch relevanten Thema. Der Artikel ist als Medienbericht gekennzeichnet (Quelle: WELT, Genre: NewsArticle) und folgt journalistischen Konventionen der Sendungsberichterstattung. Es gibt keine versteckten Agendas oder getarnte Werbung. Die Auswahl des Themas und der hervorgehobenen Zitate (insbesondere Mansours Kritik) könnte eine redaktionelle Schwerpunktsetzung widerspiegeln, aber diese ist im Rahmen journalistischer Relevanzentscheidungen transparent. Keine Vortäuschung von Neutralität bei parteiischer Berichterstattung.
Informativ
Der Artikel enthält keine direkten Handlungsaufforderungen an die Leserschaft. Die einzige im Text erwähnte Handlungsaufforderung stammt von Herbert Reul am Ende der Sendung, der zum Besuch des CSD Hamburg aufruft – diese wird aber als Zitat wiedergegeben, nicht als Forderung des Autors. Es gibt keinen Zeit- oder sozialen Druck, keine Ultimaten, keine Aufrufe zu Spenden, Unterschriften oder politischen Aktionen. Die Leserschaft wird rein informiert über eine stattgefundene Debatte. Die Autonomie der Leserschaft wird vollständig respektiert. Der Artikel dient ausschließlich der Information über ein mediales und politisches Ereignis.
Die primäre Absicht des Artikels ist die journalistische Berichterstattung über eine aktuelle politische Talkshow zu einem sicherheitspolitisch hochrelevanten Thema. Der Autor informiert die Leserschaft über die in der Sendung geführte Debatte nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD. Die Wirkung auf die Leserschaft dürfte informativ sein: Sie erhält Einblick in verschiedene Positionen zur Gefährder-Problematik, zu präventiven Sicherheitsmaßnahmen und zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Islamismus. Durch die Hervorhebung von Mansours Kritik im Titel könnte eine sekundäre Wirkung entstehen, die These eines gesellschaftlichen Versagens bei der Islamismus-Bekämpfung zu verstärken. Die Leserschaft wird jedoch nicht zu konkreten Handlungen aufgefordert oder emotional manipuliert, sondern über eine laufende Debatte in Kenntnis gesetzt.
Der Artikel ist klar als journalistische Berichterstattung über eine Fernsehsendung erkennbar und folgt den Konventionen dieses Genres. Die Leserschaft kann erwarten, dass Schwerpunkte gesetzt und nicht jede Nuance der 45-minütigen Sendung wiedergegeben wird. Die Quellenangabe (ZDF-Talk, Teilnehmer namentlich genannt) ist transparent. Der zeitliche Kontext (unmittelbar nach einem schweren Anschlag) erklärt die Dringlichkeit und Emotionalität der Debatte. Die verschiedenen zitierten Perspektiven zeigen, dass der Autor nicht nur eine Stimme verstärkt, sondern die Diskussion abbildet. Das Format der Sendungsberichterstattung erlaubt naturgemäß eine gewisse Selektion, ohne dass dies als manipulativ zu werten wäre. Die Publikation in der WELT, einem etablierten Medium, unterliegt redaktionellen Standards.
Die Titelwahl hebt eine einzelne, besonders pointierte Aussage hervor (Mansours Vorwurf des gesellschaftlichen Versagens), die eine komplexe Debatte auf eine Schuldzuweisung reduziert. Dies könnte die Wahrnehmung der Leserschaft prägen, bevor sie den vollständigen Kontext erfasst. Die Publikation erfolgt in der WELT, einem reichweitenstarken Medium mit gesellschaftlicher Deutungsmacht. Der Zeitpunkt (wenige Tage nach dem Anschlag) erhöht die emotionale Aufladung des Themas und die Empfänglichkeit der Leserschaft für sicherheitspolitische Forderungen. Die Formulierung "richtig interessant wurde es erst" wertet implizit die Beiträge der anderen Gäste ab und lenkt die Aufmerksamkeit gezielt auf Sarac. Die fehlende journalistische Einordnung oder kritische Kontextualisierung der in der Sendung geäußerten Thesen (z.B. zu Mansours pauschaler Kritik an "Medien und NGOs") überlässt die Bewertung vollständig der Leserschaft ohne zusätzliche Orientierung.
Informationen zum Autor nicht verfügbar
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