DECIPHERED: Reaktionen auf Ben-Gvir-Äußerungen "Menschenverachtend" und "verantwortungslos"

Autor: tagesschau.de

Datum: 2026-08-18

Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/asien/israel-deutsche-reaktionen-aeusserungen-ben-gvir-100.html

Journalistische Qualität: 5/5

Einflussnahme: 4/5

Zusammenfassung

Der rechtsextreme israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir hat zur gezielten Tötung von Palästinensern in Gaza aufgerufen und erklärt, dass es dort Menschen gebe, die es nicht verdient hätten zu leben. Diese Äußerungen lösen massive Empörung in Deutschland aus. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) bezeichnet die Aussagen als "menschenverachtend" und fordert, dass auf europäischer Ebene Sanktionen gegen Ben-Gvir geprüft werden müssen. Er betont, dass er zwar in Solidarität zum Staat Israel stehe, aber nicht zu solchen Ministern. CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen und Jürgen Hardt schließen sich der Kritik an und fordern ebenfalls EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir. Die außenpolitischen Sprecher von SPD und Grünen äußern sich ähnlich. Die Linke fordert einen Stopp der Waffenexporte nach Israel und die Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, distanziert sich ausdrücklich von Ben-Gvirs Aussagen und bezeichnet sie als "beschämend und verantwortungslos". Ben-Gvir ist Vorsitzender der rechtsradikalen Partei Ozma Jehudit und wurde 2007 unter anderem wegen Unterstützung einer Terrororganisation und Aufstachelung zum Rassismus verurteilt.

Schlagzeile vs. Inhalt

Die Überschrift "'Menschenverachtend' und 'verantwortungslos'" mit dem Untertitel "Reaktionen auf Ben-Gvir-Äußerungen" gibt den Inhalt des Artikels angemessen wieder. Die zitierten Begriffe "menschenverachtend" und "verantwortungslos" stammen direkt aus den im Artikel dokumentierten Reaktionen deutscher Politiker: Vizekanzler Klingbeil verwendet den Begriff "menschenverachtend" für Ben-Gvirs Äußerungen, und Josef Schuster vom Zentralrat der Juden bezeichnet Ben-Gvirs Verhalten als "verantwortungslos". Der Artikel konzentriert sich tatsächlich auf die Reaktionen verschiedener deutscher Politiker und Institutionen auf Ben-Gvirs Aussagen zur gezielten Tötung von Palästinensern. Die Überschrift hebt die Kernaussage der Kritik hervor, ohne den Inhalt zu verzerren oder zu übertreiben. Der Fokus liegt klar auf den Reaktionen, nicht primär auf Ben-Gvirs Äußerungen selbst, was durch die Formulierung "Reaktionen auf Ben-Gvir-Äußerungen" deutlich wird. Die Überschrift ist sachlich und neutral formuliert, verwendet Anführungszeichen zur Kennzeichnung der Zitate und vermeidet eigene Wertungen. Sie gibt keine verzerrte Darstellung des Inhalts wieder und entspricht dem journalistischen Standard einer informativen, nicht reißerischen Überschrift. Der Leser erhält eine zutreffende Erwartung dessen, was ihn im Artikel erwartet: eine Sammlung kritischer Reaktionen auf Ben-Gvirs Äußerungen.

Texttyp: Nachrichten

Sprachlicher Modus

Der Text ist überwiegend im Indikativ verfasst und präsentiert die dokumentierten Reaktionen deutscher Politiker als verifizierte Tatsachen. Die Aussagen der zitierten Personen (Klingbeil, Röttgen, Hardt, Schuster und andere) werden als tatsächlich getätigte Äußerungen dargestellt, mit direkten und indirekten Zitaten, die durch Quellenangaben (Sat.1-Interview, FAZ, Deutschlandfunk, KNA) belegt sind. Bei der Wiedergabe von Ben-Gvirs ursprünglichen Äußerungen verwendet der Artikel ebenfalls den Indikativ: "Ben-Gvir hatte unter anderem gesagt" - dies wird als faktische Aussage präsentiert, die Ben-Gvir tatsächlich gemacht hat. Die Formulierung "Ich denke, dass man gezielte Tötungen in Gaza ausführen sollte" wird als direktes Zitat wiedergegeben. Konjunktivische oder konditionale Formulierungen finden sich kaum im Text. Die einzige Stelle, die eine gewisse Unsicherheit ausdrückt, ist Klingbeils Aussage "müssten jetzt 'sehr ernsthaft' auch Sanktionen geprüft werden" - hier wird eine Forderung formuliert, keine Behauptung über bereits erfolgte Handlungen. Die biografischen Angaben zu Ben-Gvir (Parteivorsitz, Verurteilung 2007) werden ebenfalls im Indikativ als verifizierte Fakten präsentiert. Der Text vermittelt insgesamt den Eindruck, dass es sich um dokumentierte, überprüfbare Aussagen und Ereignisse handelt, nicht um Spekulationen oder unbestätigte Behauptungen. Die journalistische Darstellung folgt dem Muster der Nachrichtenberichterstattung mit faktischen Aussagen über verifizierbare Ereignisse.

Journalistische Qualität

Der Text erfüllt die journalistischen Qualitätsstandards in hervorragender Weise. Die Faktentreue ist durchweg gegeben, alle wesentlichen Aussagen und Zitate sind korrekt und durch unabhängige Quellen verifiziert. Die Darstellung ist sachlich und objektiv, ohne emotionale Färbung oder tendenziöse Sprache – Bewertungen erscheinen ausschließlich als gekennzeichnete Zitate. Die Trennung von Nachricht und Meinung ist strikt eingehalten, Persönlichkeitsrechte werden respektiert, und die Unschuldsvermutung wird gewahrt. Die Transparenz ist gut (etablierte Plattform mit offengelegter Trägerschaft), und die Überprüfbarkeit ist weitgehend gegeben durch konkrete Quellenangaben und Personenzuordnungen, auch wenn einzelne Zitate ohne Medienangabe bleiben. Insgesamt handelt es sich um eine professionelle, ausgewogene Nachrichtenmeldung, die alle wesentlichen journalistischen Prinzipien beispielhaft umsetzt.

Einzelne Prinzipien

Prinzip der Transparenz: 4/5

Gut

Die Transparenz ist weitgehend gegeben. Der Artikel ist auf tagesschau.de veröffentlicht, einer etablierten öffentlich-rechtlichen Nachrichtenplattform, deren Trägerschaft, Finanzierung und redaktionelle Struktur auf der Website offengelegt sind. Der Autor ist mit "tagesschau.de" angegeben, was auf eine redaktionelle Gemeinschaftsarbeit hinweist – eine bei Nachrichtenmeldungen übliche Praxis. Potenzielle Interessenkonflikte werden nicht explizit thematisiert, sind aber bei diesem Thema (Reaktionen auf politische Äußerungen) auch nicht unmittelbar erkennbar. Kleinere Abstriche ergeben sich durch die anonymisierte Autorenschaft ohne namentliche Nennung eines Redakteurs.

Prinzip der Faktentreue: 5/5

Sehr gut

Alle wesentlichen Fakten und Aussagen im Text sind korrekt und entsprechen der Realität. Die Kernaussage Ben-Gvirs ("Ich denke, dass man gezielte Tötungen in Gaza ausführen sollte, jede Nacht 30, 40 (Menschen) entfernen") sowie seine Erweiterung, dass er sich nicht nur auf militante Palästinenser beziehe, sind durch mehrere unabhängige Quellen bestätigt. Die zitierten Reaktionen deutscher Politiker – Klingbeils Bezeichnung als "menschenverachtend", seine Forderung nach Sanktionsprüfung, Röttgens und Hardts Äußerungen, Schusters Distanzierung – sind durch aktuelle Berichte verifiziert. Auch die Angaben zu Klingbeils Ämtern (Vizekanzler, SPD-Chef, Bundesfinanzminister) und Ben-Gvirs Partei Otzma Yehudit sowie seine Verurteilung 2007 sind faktisch zutreffend. Zahlen, Zitate und biografische Details sind durchweg akkurat.

Prinzip der Sachlichkeit: 5/5

Sehr gut

Die Darstellung ist durchweg sachlich und ohne emotionale Färbung. Die Wortwahl ist neutral und professionell, selbst bei der Wiedergabe drastischer Äußerungen Ben-Gvirs. Der Text verzichtet auf dramatisierende oder wertende Formulierungen in der eigenen Berichterstattung und beschränkt sich auf die nüchterne Wiedergabe von Fakten und Zitaten. Bewertungen ("menschenverachtend", "rechtsextrem", "beschämend") werden ausschließlich als Zitate der zitierten Personen kenntlich gemacht, nicht als redaktionelle Einschätzung. Der Ton bleibt durchgehend professionell und ausgewogen, ohne tendenziöse Sprache oder manipulative Elemente.

Prinzip der Überprüfbarkeit: 4/5

Gut

Die Überprüfbarkeit ist weitgehend gegeben. Zentrale Aussagen werden konkreten Personen zugeordnet (Klingbeil im Sat.1-Sommerinterview "newstime", Röttgen gegenüber der FAZ, Schuster gegenüber der KNA), was eine Nachvollziehbarkeit ermöglicht. Die Kernaussage Ben-Gvirs wird zitiert und ist durch einen Hyperlink auf einen früheren tagesschau.de-Artikel referenziert. Mehrere unabhängige Quellen (Politiker verschiedener Parteien, Zentralrat der Juden) werden herangezogen, was eine Kreuzverifizierung ermöglicht. Kleinere Abstriche ergeben sich dadurch, dass nicht alle Zitate mit direkten Quellenangaben versehen sind (z.B. Ahmetović, Düring, Stegner, Reisner werden genannt, aber ohne Angabe des Mediums oder Kontexts) und dass der ursprüngliche Podcast mit Ben-Gvir nicht direkt verlinkt ist.

Prinzip der Trennung und Kennzeichnung: 5/5

Sehr gut

Die Trennung von Nachricht und Meinung ist strikt eingehalten. Der Text ist eine reine Nachrichtenmeldung ohne redaktionelle Kommentierung. Alle wertenden Aussagen sind klar als Zitate gekennzeichnet und namentlich zugeordnet (Klingbeil, Röttgen, Hardt, Schuster etc.). Es gibt keine Vermischung von Fakten und Kommentar – die Redaktion beschränkt sich auf die Wiedergabe von Ereignissen und Reaktionen, ohne eigene Bewertungen einzuflechten. Die formale Unterscheidung ist durch die Textgattung (Nachricht) und die durchgängige Attributierung aller Meinungsäußerungen eindeutig erkennbar. Leser können klar zwischen berichteten Fakten und zitierten Einschätzungen unterscheiden.

Prinzip des Schutzes der Persönlichkeitsrechte: 4/5

Gut

Die Persönlichkeitsrechte werden grundsätzlich gewahrt. Die Berichterstattung konzentriert sich auf öffentliche Äußerungen und politische Funktionen von Personen des öffentlichen Lebens (Minister, Politiker, Verbandspräsident), bei denen ein legitimes Informationsinteresse besteht. Die Darstellung Ben-Gvirs erfolgt sachlich unter Nennung seiner Funktion und politischen Einordnung ("rechtsextrem"), die durch seine Verurteilung 2007 und seine Partei Otzma Yehudit faktisch begründet ist. Private Details werden nicht thematisiert. Die Kritik an Ben-Gvir bezieht sich ausschließlich auf seine öffentlichen Äußerungen und sein politisches Handeln, nicht auf seine Person im privaten Bereich. Die Würde der Personen wird durchweg respektiert, auch wenn scharfe politische Kritik wiedergegeben wird.

Prinzip der Unschuldsvermutung: 5/5

Sehr gut

Die Unschuldsvermutung wird vollständig gewahrt. Der Text berichtet über öffentliche politische Äußerungen Ben-Gvirs, nicht über strafrechtliche Vorwürfe oder laufende Ermittlungen. Die Erwähnung seiner Verurteilung 2007 erfolgt im Indikativ als abgeschlossener, rechtskräftiger Sachverhalt, nicht als Vorwurf. Die aktuelle Kritik an seinen Äußerungen wird als politische Bewertung dargestellt, nicht als strafrechtliche Anklage. Es gibt keine vorverurteilende Sprache, keine Vermischung von Verdacht und bewiesener Schuld. Der Text behandelt Ben-Gvir als Amtsträger, dessen öffentliche Äußerungen politisch bewertet werden – ein Kontext, in dem die Unschuldsvermutung im strafrechtlichen Sinne nicht tangiert ist.

Prinzip der Nicht-Diskriminierung: 5/5

Sehr gut

Der Text ist frei von diskriminierender Sprache. Personen und Gruppen werden respektvoll behandelt, ohne Stereotypisierung oder Stigmatisierung. Die Bezeichnung Ben-Gvirs als "rechtsextrem" ist eine politische Einordnung, die durch seine Partei, seine Verurteilung wegen Unterstützung einer Terrororganisation und Aufstachelung zum Rassismus sowie seine dokumentierten Äußerungen sachlich begründet ist – keine pauschale Diffamierung. Palästinenser werden neutral als solche benannt, ohne abwertende Zuschreibungen. Die verschiedenen zitierten Politiker werden unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit sachlich dargestellt. Es gibt keine Generalisierungen, die Menschen aufgrund geschützter Merkmale herabsetzen würden. Die Sprache ist durchweg neutral und respektvoll.

Kontext: Journalismus-Kontext

Beeinflussungsanalyse

Der Artikel verfolgt primär eine informierende Funktion und präsentiert verifizierbare Fakten über politische Reaktionen auf kontroverse Äußerungen. Die Darstellung ist faktisch zutreffend, sprachlich gemessen und verzichtet auf direkte Handlungsaufforderungen. Moderate Einschränkungen bestehen bei der Vollständigkeit (fehlende israelische Perspektiven) und beim Framing (Fokus auf Empörung). Die Transparenz der journalistischen Absicht ist gegeben, emotionale Appelle bleiben minimal. Insgesamt überwiegt die sachliche Berichterstattung deutlich gegenüber persuasiven Elementen.

Einzelne Dimensionen

Faktische Grundlage: 4/5

Zutreffend

Der Artikel berichtet über verifizierbare Äußerungen des israelischen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir sowie dokumentierte Reaktionen deutscher Politiker. Die Kernaussagen Ben-Gvirs ("30, 40 (Menschen) entfernen", Bezug nicht nur auf militante Palästinenser, Menschen die es nicht verdient hätten zu leben) sind durch externe Quellen bestätigt. Ebenso sind die zitierten Reaktionen von Klingbeil, Hardt, Röttgen und Schuster durch aktuelle Berichte belegt. Die biografischen Angaben zu Ben-Gvir (Verurteilung 2007, Parteivorsitz Ozma Jehudit) entsprechen den verfügbaren Informationen. Kleinere Ungenauigkeiten bestehen bei der Amtsbezeichnung Klingbeils (als "Bundesfinanzminister" statt korrekt "Bundesminister der Finanzen"), was jedoch die Gesamtgenauigkeit nur marginal beeinträchtigt.

Vollständigkeit der Darstellung: 3/5

Repräsentativ

Der Artikel präsentiert ein breites Spektrum deutscher Reaktionen über Parteigrenzen hinweg (SPD, CDU, Linke, Zentralrat der Juden). Die Perspektiven reichen von Forderungen nach EU-Sanktionen über Waffenexportstopps bis zur Distanzierung durch den Zentralrat. Allerdings fehlen israelische Regierungspositionen, Reaktionen der Netanyahu-Regierung oder Verteidigungen Ben-Gvirs. Der Kontext der Äußerungen (Podcast mit ehemaliger Gaza-Geisel) wird nur knapp erwähnt. Die historische Einordnung von Ben-Gvirs früheren Provokationen bleibt oberflächlich. Alternative Perspektiven zur deutschen Israelpolitik oder zur Bewertung der Situation in Gaza werden nicht dargestellt. Die Darstellung konzentriert sich auf die Empörung, ohne tiefere Analyse der politischen Dynamiken in Israel.

Emotionale Appelle: 4/5

Zurückhaltend

Der Artikel verwendet überwiegend sachliche Berichterstattung und lässt die emotionale Wirkung primär durch die zitierten Originalaussagen entstehen. Die Wortwahl in den eigenen Textpassagen bleibt neutral ("sorgt für scharfe Kritik", "löst massive Empörung aus"). Emotionale Begriffe wie "menschenverachtend", "beschämend" oder "verantwortungslos" stammen ausschließlich aus direkten Zitaten der befragten Personen, nicht aus der redaktionellen Stimme. Die Darstellung von Ben-Gvirs Äußerungen erfolgt sachlich-distanziert durch indirekte Rede. Lediglich die Titelformulierung "Menschenverachtend und verantwortungslos" übernimmt wertende Begriffe prominent, kennzeichnet diese jedoch als Reaktionen.

Sprache: 4/5

Gemessen

Die Sprache ist überwiegend neutral und deskriptiv. Der Artikel verwendet Indikativ für verifizierbare Fakten ("sagte", "bezeichnete", "forderte") und kennzeichnet Zitate klar. Wertende Begriffe erscheinen ausschließlich in direkten Zitaten. Die Bezeichnung Ben-Gvirs als "rechtsextrem" im Einleitungssatz stellt eine redaktionelle Kategorisierung dar, die durch die nachfolgenden Informationen (Verurteilung wegen Unterstützung einer Terrororganisation, Aufstachelung zum Rassismus) kontextualisiert wird. Es gibt keine Verwendung von Absolut-Formulierungen, Superlative oder rhetorische Fragen in der redaktionellen Stimme. Presuppositionen sind minimal. Die Sprache vermeidet Stigma-Etikettierungen als rhetorische Delegitimierung und beschreibt stattdessen konkrete Handlungen und Aussagen.

Framing: 3/5

Moderat

Der Artikel rahmt das Geschehen als diplomatischen Konflikt zwischen deutschen Politikern und einem israelischen Minister. Der Titel setzt durch die Übernahme der Kritikbegriffe einen interpretativen Rahmen, der die Empörung betont. Die Struktur folgt einem klaren Muster: Ben-Gvirs Äußerung → deutsche Reaktionen → Hintergrundinformationen. Diese Anordnung legt den Fokus auf die Kritik, nicht auf Ben-Gvirs Perspektive oder Begründung. Das Framing als "Äußerungen, die Empörung auslösen" ist konsistent, aber einseitig. Die Metaphorik bleibt neutral. Es gibt keine Rekontextualisierung von Fakten in einen fremden Bedeutungszusammenhang. Die Kategorisierung als "rechtsextrem" im ersten Satz etabliert einen interpretativen Rahmen für alle folgenden Informationen. Kumulative Assoziationen entstehen durch die Aneinanderreihung kritischer Stimmen ohne Gegengewicht.

Argumentationsstruktur: 4/5

Fundiert

Der Artikel folgt einer klaren Berichtsstruktur: Ereignis → Reaktionen → Kontext. Die Argumentation ist primär deskriptiv und präsentiert die Positionen verschiedener Akteure ohne eigene Schlussfolgerungen zu ziehen. Logische Fehlschlüsse sind nicht erkennbar. Die Kausalität (Ben-Gvirs Äußerung führt zu Kritik) ist direkt und nachvollziehbar. Quellen werden für alle wesentlichen Aussagen genannt (Sat.1-Interview, FAZ, KNA, Deutschlandfunk). Die Argumentation vermeidet Ad-hominem-Angriffe in der redaktionellen Stimme, auch wenn die zitierten Politiker Ben-Gvir scharf kritisieren. Es gibt keine Strohmann-Argumente oder falsche Dichotomien. Die Struktur ist transparent und nachvollziehbar. Einzige Schwäche: Die Argumentation für Sanktionen oder Waffenexportstopps wird nicht vertieft analysiert.

Transparenz der Absicht: 4/5

Offen

Die Absicht des Artikels ist klar erkennbar: Berichterstattung über politische Reaktionen auf kontroverse Äußerungen. Die Quelle (tagesschau.de) ist transparent, ebenso die zitierten Quellen (Sat.1, FAZ, Deutschlandfunk, KNA). Der Artikel ist als Nachrichtenbeitrag gekennzeichnet und folgt journalistischen Konventionen. Es gibt keine versteckten Agendas oder getarnte Werbung. Die Auswahl der zitierten Personen (überwiegend Kritiker) ist erkennbar, wird aber nicht explizit thematisiert oder begründet. Die redaktionelle Linie (kritische Darstellung von Ben-Gvirs Äußerungen) ist durch die Quellenauswahl und Strukturierung erkennbar, ohne dass Neutralität vorgetäuscht würde. Interessenkonflikte oder institutionelle Verbindungen werden nicht offengelegt, sind aber bei öffentlich-rechtlicher Berichterstattung auch nicht zu erwarten.

Handlungsaufforderungen: 5/5

Informativ

Der Artikel enthält keinerlei direkte Handlungsaufforderungen an die Leserschaft. Die zitierten Politiker fordern Sanktionen, Waffenexportstopps oder Distanzierung, aber diese Forderungen richten sich an die Bundesregierung oder EU, nicht an die Leser. Es gibt keinen Druck (zeitlich, sozial oder emotional), keine Ultimaten und keine Aufrufe zu konkreten Aktionen (Petitionen, Boykotte, Spenden, Teilen). Die Leserautonomie wird vollständig respektiert. Der Artikel präsentiert Informationen und Positionen, überlässt aber die Bewertung und eventuelle Konsequenzen dem Leser. Die Funktion ist rein informativ im Sinne demokratischer Öffentlichkeit.

Persuasions-Metaanalyse

Absicht und Wirkung

Die erkennbare Absicht des Artikels ist die journalistische Berichterstattung über ein aktuelles politisches Ereignis von öffentlichem Interesse. Die Darstellung folgt dem nachrichtenjournalistischen Prinzip der Aktualität und Relevanz. Die wahrscheinliche Wirkung auf Leser ist die Information über diplomatische Spannungen und die Positionierung deutscher Politiker zu Ben-Gvirs Äußerungen. Durch die Fokussierung auf kritische Reaktionen ohne Gegengewicht entsteht implizit ein Konsens-Framing, das die Äußerungen als inakzeptabel markiert. Die Wirkung dürfte verstärkend auf bereits bestehende kritische Haltungen gegenüber rechtsextremen israelischen Regierungsmitgliedern wirken, ohne jedoch manipulativ zu sein. Die Berichterstattung erfüllt eine demokratische Kontrollfunktion, indem sie politische Positionen transparent macht.

Mildernde Umstände

Der Artikel stammt von tagesschau.de, einem öffentlich-rechtlichen Medium mit journalistischen Standards und redaktioneller Kontrolle. Die Berichterstattung erfolgt im Rahmen etablierter nachrichtenjournalistischer Konventionen. Die Quellenangaben sind transparent und nachprüfbar. Die Äußerungen Ben-Gvirs sind von außergewöhnlicher Brisanz (Aufruf zu gezielten Tötungen), was intensive Berichterstattung und kritische Reaktionen rechtfertigt. Der Artikel kennzeichnet Bewertungen klar als Zitate und vermeidet eigene Wertungen in der redaktionellen Stimme. Die Darstellung erfolgt in einem politischen Kontext, in dem kontroverse Regierungsmitglieder legitimer Gegenstand kritischer Berichterstattung sind. Die fehlende Vollständigkeit ist teilweise durch den Nachrichtencharakter und die Fokussierung auf deutsche Reaktionen erklärbar.

Verschärfende Umstände

Die Reichweite und Autorität von tagesschau.de als Leitmedium verleiht der Berichterstattung erhebliches Gewicht in der öffentlichen Meinungsbildung. Die einseitige Auswahl ausschließlich kritischer Stimmen ohne israelische Regierungsperspektiven oder Verteidigungen schafft ein unausgewogenes Bild. Die Kategorisierung Ben-Gvirs als "rechtsextrem" im ersten Satz, obwohl faktisch begründbar, setzt einen starken interpretativen Rahmen. Die Kumulation kritischer Zitate von Klingbeil über Röttgen und Hardt bis Schuster erzeugt einen Konsens-Effekt, der alternative Bewertungen marginalisiert. Die fehlende Kontextualisierung der Äußerungen (Podcast-Situation, politischer Kontext in Israel, Sicherheitslage) reduziert die Möglichkeit differenzierter Einordnung. Die Plattform und institutionelle Autorität verstärken die persuasive Wirkung der selektiven Darstellung.

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