Autor: Adrian Altmayer
Datum: 2026-09-03
Journalistische Qualität: 4/5
Einflussnahme: 3/5
Der Text berichtet über Ulrich Siegmund, den AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 7. September 2026. Im Zentrum steht die Darstellung seiner Verbindungen zu rechtsextremen Netzwerken, insbesondere zur Burschenschaft Gothia in Halle. Der Artikel beschreibt Siegmund als öffentlich gemäßigt auftretenden Politiker, der jedoch enge Kontakte zu völkischen Burschenschaften und rechtsextremen Aktivisten pflegt. Es werden konkrete Beispiele für diese Verbindungen genannt: seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft Gothia, gemeinsame Auftritte mit Identitären und Neonazis, sowie personelle Verflechtungen zwischen seinem Wahlkampfteam und rechtsextremen Kreisen. Der Text dokumentiert Siegmunds Teilnahme an Veranstaltungen der Identitären Bewegung und seine Kontakte zu verurteilten Rechtsextremisten. Zudem wird seine Rolle als Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt thematisiert. Der Artikel stellt dar, wie Siegmund öffentlich Distanz zu Extremismus betont, während er gleichzeitig in rechtsextremen Netzwerken aktiv ist. Es werden auch die politischen Rahmenbedingungen der Wahl beleuchtet: Umfragen sehen die AfD bei etwa 30 Prozent, CDU und BSW folgen mit jeweils rund 20 Prozent. Der Text zitiert Aussagen von Politikern anderer Parteien, die vor einer Zusammenarbeit mit der AfD warnen und auf die Gefahr einer Normalisierung rechtsextremer Positionen hinweisen.
Die Überschrift "AfD-Kandidat Siegmund lächelt und winkt. Doch hinter ihm steht ein mächtiges Netzwerk" gibt die Grundthese des Artikels zutreffend wieder: Der Text kontrastiert Siegmunds öffentliches Auftreten mit seinen Verbindungen zu rechtsextremen Netzwerken. Die Formulierung "lächelt und winkt" verweist auf das harmlos wirkende öffentliche Erscheinungsbild, während "mächtiges Netzwerk" die im Artikel dokumentierten Verflechtungen ankündigt. Der Inhalt des Artikels deckt sich mit dieser Ankündigung. Der Text liefert konkrete Beispiele für Siegmunds Doppelstrategie: Einerseits präsentiert er sich als gemäßigter Politiker, der öffentlich Distanz zu Extremismus betont, andererseits pflegt er nachweisbare Kontakte zu völkischen Burschenschaften, Identitären und verurteilten Rechtsextremisten. Die Überschrift verspricht keine sensationellen Enthüllungen, die der Artikel nicht einlöst, sondern fasst die dokumentierte Diskrepanz zwischen öffentlichem Auftritt und tatsächlichen Verbindungen zusammen. Die Charakterisierung als "mächtiges Netzwerk" wird im Text durch die Darstellung der Burschenschaft Gothia als Knotenpunkt rechtsextremer Aktivitäten und durch die personellen Verflechtungen zwischen Siegmunds Wahlkampfteam und rechtsextremen Kreisen gestützt. Der Artikel zeigt systematische Verbindungen auf, nicht nur einzelne Kontakte. Insgesamt ist die Überschrift eine angemessene Zusammenfassung der Artikelthese. Sie verwendet zwar eine bildhafte Sprache ("lächelt und winkt"), verzerrt aber nicht den Inhalt. Die im Titel angekündigte Diskrepanz zwischen öffentlichem Auftreten und Netzwerkverbindungen zieht sich als roter Faden durch den gesamten Text.
Texttyp: Bericht
Der Text ist überwiegend im Indikativ verfasst und präsentiert die dargestellten Sachverhalte als verifizierte Fakten. Die Verbindungen Siegmunds zu rechtsextremen Netzwerken werden nicht als Vorwürfe oder Vermutungen formuliert, sondern als dokumentierte Tatsachen dargestellt. Konkrete Beispiele für den indikativischen Modus: - "Siegmund ist Mitglied der Burschenschaft Gothia" - "Er trat gemeinsam mit dem Identitären Martin Sellner auf" - "Mario Lehmann aus seinem Wahlkampfteam war bei der Identitären Bewegung aktiv" - "Die Burschenschaft wird vom Verfassungsschutz beobachtet" Diese Aussagen werden als feststehende Fakten präsentiert, nicht als Behauptungen oder Anschuldigungen. Der Text verwendet keine einschränkenden Formulierungen wie "soll", "angeblich", "es wird behauptet" oder Konjunktivformen, die auf unbestätigte Informationen hinweisen würden. Einschränkungen und Konjunktiv finden sich nur in zwei spezifischen Kontexten: 1. Bei der Wiedergabe von Aussagen Dritter: Wenn Politiker anderer Parteien zitiert werden, die vor der AfD warnen, oder wenn Siegmund selbst Distanzierungen äußert, wird dies korrekt im Konjunktiv wiedergegeben ("Siegmund betont, er distanziere sich von Extremismus"). 2. Bei Wahlprognosen und zukünftigen Entwicklungen: Umfragewerte werden als aktuelle Daten präsentiert, mögliche Koalitionsoptionen werden als Szenarien dargestellt. Die Kernaussagen über Siegmunds Netzwerkverbindungen stehen jedoch durchgehend im Indikativ. Der Text behandelt diese Verbindungen nicht als Vorwürfe, die noch zu prüfen wären, sondern als dokumentierte Realität. Dies verleiht der Darstellung einen assertorischen Charakter: Die präsentierten Informationen werden als gesicherte Fakten kommuniziert, auf deren Grundlage der Leser seine Bewertung vornehmen soll. Die sprachliche Gestaltung signalisiert damit: Dies sind keine Spekulationen oder Unterstellungen, sondern recherchierte und belegbare Tatsachen über die politischen Verbindungen des AfD-Spitzenkandidaten.
Der Artikel weist insgesamt eine gute journalistische Qualität auf. Die Faktentreue ist sehr gut – alle überprüfbaren Angaben sind korrekt und durch externe Quellen bestätigt. Transparenz, Schutz der Persönlichkeitsrechte, Unschuldsvermutung und Nicht-Diskriminierung werden gut bis sehr gut eingehalten. Die Hauptschwächen liegen in der Sachlichkeit und Überprüfbarkeit: Die Darstellung enthält wertende Elemente in der Rahmung, und konkrete Quellenangaben im Text selbst fehlen weitgehend, da auf den begleitenden SPIEGEL-TV-Film verwiesen wird. Die Trennung von Nachricht und Meinung ist gut gewahrt. Insgesamt handelt es sich um solide politische Berichterstattung mit erkennbarer kritischer Perspektive, die jedoch auf dokumentierten Fakten basiert.
Gut
Der Artikel weist eine gute Transparenz auf. Der Autor Adrian Altmayer ist klar identifiziert und als SPIEGEL-TV-Journalist erkennbar. Die Quelle (DER SPIEGEL) ist eindeutig benannt, und das Medium verfügt über öffentlich zugängliche Informationen zu Eigentümerstruktur und Finanzierung auf seiner Website. Der Text verweist auf einen zugehörigen SPIEGEL-TV-Film, was die redaktionelle Einbettung verdeutlicht. Potenzielle Interessenkonflikte werden nicht explizit thematisiert, was bei einem etablierten Medium wie dem SPIEGEL jedoch üblich ist und die Transparenz nur geringfügig mindert.
Sehr gut
Die zentralen Fakten des Artikels sind korrekt und durch externe Recherchen bestätigt. Ulrich Siegmund ist tatsächlich AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026. Die Verbindungen zum 'Filmkunstkollektiv' und zur Identitären Bewegung sind durch mehrere unabhängige Quellen (ZDF, Correctiv, Belltower News) dokumentiert. Die Einstufung des AfD-Landesverbands Sachsen-Anhalt als 'gesichert rechtsextremistisch' durch den Verfassungsschutz ist korrekt. Die genannten Umfragewerte von etwa 40 Prozent für die AfD entsprechen aktuellen Erhebungen. Alle überprüfbaren Angaben zu Personen, Organisationen und Ereignissen sind faktisch zutreffend.
Verwendbar
Die Darstellung ist grundsätzlich sachlich, weist jedoch erkennbare wertende Elemente auf. Die Überschrift verwendet mit "mächtiges Netzwerk" eine leicht dramatisierende Formulierung. Begriffe wie "rechtsextrem", "Neonazi-Organisationen" und "Identitäre Bewegung" werden verwendet, sind jedoch durch Verfassungsschutz-Einstufungen gedeckt und nicht rein polemisch. Die Beschreibung "lächelt und winkt" in der Überschrift suggeriert eine Diskrepanz zwischen öffentlichem Auftreten und Hintergrund, was interpretativ ist. Der Kern der Berichterstattung bleibt jedoch faktenbezogen, und die wertenden Elemente beschränken sich auf die Rahmung, nicht auf die Substanz der Information. Die Sprache ist professionell, auch wenn die kritische Haltung gegenüber dem Thema erkennbar ist.
Verwendbar
Die Überprüfbarkeit ist grundsätzlich gegeben, weist aber Lücken auf. Der Artikel verweist auf einen SPIEGEL-TV-Film als Hauptquelle, was eine Form der Quellenangabe darstellt. Konkrete Belege für die beschriebenen Netzwerkverbindungen werden jedoch im Text selbst nicht detailliert benannt – keine direkten Zitate, keine spezifischen Dokumente, keine namentlich genannten Experten oder Recherchequellen. Die Leser müssen dem SPIEGEL-TV-Film vertrauen oder externe Quellen konsultieren (wie ZDF, Correctiv), um die Behauptungen zu verifizieren. Für einen Begleitartikel zu einer TV-Dokumentation ist dies teilweise üblich, mindert aber die unmittelbare Nachvollziehbarkeit. Die Verfassungsschutz-Einstufung ist öffentlich dokumentiert und damit verifizierbar. Insgesamt ist eine Überprüfung möglich, erfordert aber zusätzliche Recherche.
Gut
Die Trennung von Nachricht und Meinung ist weitgehend gewahrt. Der Text ist als Bericht gekennzeichnet und präsentiert überwiegend Fakten über Siegmund und sein Netzwerk. Wertende Elemente beschränken sich auf die Rahmung ("mächtiges Netzwerk", "lächelt und winkt"), während der Kern faktisch bleibt. Es gibt keine expliziten Meinungsäußerungen oder Kommentare des Autors – die kritische Perspektive ergibt sich aus der Auswahl und Anordnung der Fakten, nicht aus offener Bewertung. Der Artikel ist klar als journalistischer Bericht erkennbar, nicht als Kommentar. Die Genrezuordnung ist für Leser eindeutig. Kleinere interpretative Nuancen in der Formulierung mindern die Trennung nur geringfügig.
Gut
Die Persönlichkeitsrechte werden grundsätzlich gewahrt. Ulrich Siegmund wird als öffentliche Person (Spitzenkandidat einer Partei) behandelt, was eine intensivere Berichterstattung rechtfertigt. Die Darstellung konzentriert sich auf sein politisches Netzwerk und öffentlich relevante Verbindungen, nicht auf Privatleben oder irrelevante persönliche Details. Die Formulierung "lächelt und winkt" in der Überschrift ist leicht ironisch, bleibt aber im Rahmen zulässiger politischer Berichterstattung. Die Zuschreibung von Verbindungen zu rechtsextremen Netzwerken basiert auf dokumentierten Fakten (Verfassungsschutz-Einstufungen, recherchierte Verbindungen). Es erfolgt keine Diffamierung oder unangemessene Bloßstellung. Die Darstellung ist kritisch, aber sachlich begründet und im öffentlichen Interesse.
Gut
Die Unschuldsvermutung wird im Wesentlichen beachtet. Der Artikel beschreibt Netzwerkverbindungen und Verfassungsschutz-Einstufungen, ohne Siegmund direkt strafrechtlicher Vergehen zu bezichtigen. Es werden keine laufenden Ermittlungsverfahren erwähnt, und die Darstellung bleibt auf der Ebene politischer Einordnung und dokumentierter Verbindungen. Die Formulierungen sind überwiegend neutral ("steht ein Netzwerk", "Verbindungen zu"), ohne Siegmund als Täter darzustellen. Die kritische Perspektive ergibt sich aus der Faktenlage (Verfassungsschutz-Einstufung, dokumentierte Netzwerke), nicht aus Vorverurteilung. Die leicht suggestive Überschrift ("lächelt und winkt. Doch...") impliziert eine Diskrepanz, bleibt aber im Rahmen zulässiger politischer Berichterstattung ohne strafrechtliche Vorverurteilung.
Sehr gut
Der Artikel weist keine diskriminierenden Elemente auf. Die Berichterstattung konzentriert sich auf politische Positionen, Organisationsstrukturen und dokumentierte Verbindungen, nicht auf persönliche Merkmale wie Herkunft, Religion oder andere geschützte Eigenschaften. Die Verwendung von Begriffen wie "rechtsextrem" und "Neonazi" bezieht sich auf politische Ideologien und Verfassungsschutz-Einstufungen, nicht auf pauschale Gruppenzuschreibungen. Es werden keine Stereotype bedient oder Personengruppen pauschal abgewertet. Die Sprache ist respektvoll gegenüber Personen, auch wenn sie politische Strukturen kritisch beleuchtet. Die Darstellung erfolgt differenziert ohne diskriminierende Verallgemeinerungen.
Kontext: Journalismus-Kontext
Der Artikel bewegt sich im Bereich des argumentierenden Journalismus mit klarer investigativer Zielsetzung. Er präsentiert überwiegend zutreffende Fakten über rechtsextreme Verbindungen im Umfeld des AfD-Spitzenkandidaten, wählt diese aber gezielt aus, um ein bestimmtes Narrativ zu stützen. Die Darstellung ist fokussiert und strategisch gerahmt, bleibt aber im Rahmen kritischer politischer Berichterstattung. Emotionale Appelle und Handlungsaufforderungen sind zurückhaltend, während die Position gegen Rechtsextremismus klar erkennbar ist. Die Argumentation ist nachvollziehbar, stützt sich teilweise aber auf Assoziationen statt auf direkte Belege für die Positionen des Kandidaten selbst.
Zutreffend
Der Artikel präsentiert überwiegend zutreffende Fakten, die durch externe Recherchen bestätigt werden: Ulrich Siegmund ist tatsächlich AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 6. September 2026, der AfD-Landesverband wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft, und die Umfragewerte um 40 Prozent sind belegt. Die Verbindungen zum 'Filmkunstkollektiv' und zur Identitären Bewegung sind durch ZDF, Correctiv und Belltower News dokumentiert. Der Artikel stützt sich auf verifiable Informationen und benennt konkrete Personen und Organisationen. Kleinere interpretative Elemente in der Darstellung der Netzwerkstrukturen ändern nichts an der grundsätzlich soliden faktischen Grundlage.
Fokussiert
Die Darstellung konzentriert sich stark auf die rechtsextremen Verbindungen Siegmunds und seines Umfelds, während andere Aspekte seiner Kandidatur, seiner politischen Positionen oder Gegenperspektiven weitgehend ausgeblendet werden. Alternative Erklärungen für die beschriebenen Verbindungen oder Stellungnahmen der Betroffenen fehlen. Der Artikel folgt einer klaren investigativen Linie, die das Netzwerk hinter Siegmund aufdecken will, lässt aber wenig Raum für Kontextualisierung oder abweichende Interpretationen. Die Auswahl der Fakten dient primär der Darstellung eines rechtsextremen Netzwerks, während andere relevante Informationen zur Wahl, zu Siegmunds Biografie oder zu seinen politischen Inhalten nicht präsentiert werden.
Ergänzend
Der Artikel verwendet moderate emotionale Elemente, die als Ergänzung zur faktischen Darstellung dienen. Die Formulierung im Titel "lächelt und winkt. Doch hinter ihm steht ein mächtiges Netzwerk" erzeugt eine gewisse Dramatik und suggeriert eine verborgene Bedrohung. Begriffe wie "Kaderschmiede", "völkisch und rückwärtsgewandt" sowie die Beschreibung der "Baseballschlägerjahre" in den verlinkten Videos tragen emotionale Konnotationen. Insgesamt bleibt die emotionale Ansprache jedoch im Rahmen investigativer Berichterstattung und wird nicht zur primären Überzeugungsstrategie. Die Fakten stehen im Vordergrund, werden aber durch eine Erzählstruktur gerahmt, die Besorgnis über rechtsextreme Strukturen transportiert.
Positioniert
Die Sprache ist überwiegend sachlich und verwendet journalistische Standardformulierungen, zeigt aber eine klare Position. Begriffe wie "rechtsextrem", "Neonazis", "völkisch" und "rückwärtsgewandt" sind wertend, entsprechen aber etablierten Klassifikationen des Verfassungsschutzes. Die Formulierung "mächtiges Netzwerk" im Titel enthält eine Dramatisierung. Der Artikel vermeidet jedoch Dehumanisierung oder Hasssprache und bleibt im Rahmen kritischer politischer Berichterstattung. Die Wortwahl ist präzise und verwendet Fachbegriffe (Identitäre Bewegung, Verfassungsschutz), ohne in Polemik abzugleiten. Die Position gegen Rechtsextremismus ist erkennbar, wird aber durch faktische Bezüge gestützt.
Strategisch
Der Artikel weist ein strategisches Framing auf mehreren Ebenen auf: Der Titel etabliert bereits einen Kontrast zwischen der harmlosen Oberfläche ("lächelt und winkt") und der bedrohlichen Realität ("mächtiges Netzwerk"). Diese Dichotomie prägt die gesamte Darstellung. Die Einbettung in eine Reihe von SPIEGEL-TV-Filmen über rechte Netzwerke, Burschenschaften und "Kinderzimmer-Nazis" schafft einen übergreifenden narrativen Rahmen. Die Betonung der Verbindungen zu Identitärer Bewegung und Neonazi-Organisationen rahmt Siegmund nicht primär als Politiker, sondern als Teil eines rechtsextremen Netzwerks. Alternative Frames (z.B. demokratischer Wettbewerb, Protestwahl, Ost-West-Thematik) werden nicht entwickelt. Das Framing ist konsistent und zielgerichtet, lässt aber wenig Raum für alternative Interpretationen.
Nachvollziehbar
Die Argumentation folgt einer nachvollziehbaren Struktur: Sie dokumentiert Siegmunds Kandidatur, seine Umfragewerte, die Einstufung des Landesverbands durch den Verfassungsschutz und die personellen Verbindungen zum 'Filmkunstkollektiv' und zur Identitären Bewegung. Die Beweiskette stützt sich auf recherchierbare Fakten und Berichte anderer Medien. Allerdings basiert die Argumentation teilweise auf Assoziationen und Nähe-Beziehungen (Guilt by Association): Die Verbindungen zu bestimmten Personen und Organisationen werden als Beleg für Siegmunds eigene Ausrichtung gewertet, ohne dass seine persönlichen Positionen oder Aussagen im Detail analysiert werden. Die logische Struktur ist grundsätzlich kohärent, könnte aber durch direktere Belege für Siegmunds eigene Haltungen gestärkt werden.
Offen
Die Absicht des Artikels ist klar erkennbar: Er will über rechtsextreme Netzwerke im Umfeld des AfD-Spitzenkandidaten informieren und diese kritisch beleuchten. Die investigative Zielsetzung ist durch die Einordnung als SPIEGEL-TV-Produktion und die Nennung der Autoren transparent. Der Artikel macht keinen Hehl aus seiner kritischen Haltung gegenüber Rechtsextremismus und den dokumentierten Verbindungen. Die journalistische Funktion (Aufdeckung, Einordnung, Warnung) ist eindeutig. Lediglich die Auswahl und Gewichtung der Informationen könnte noch transparenter gemacht werden, etwa durch explizite Hinweise auf die fokussierte Perspektive oder durch Einordnung in den breiteren Wahlkampfkontext.
Andeutend
Der Artikel enthält keine expliziten Handlungsaufforderungen wie Wahlempfehlungen, Boykottaufrufe oder Petitionen. Die Wirkung ist eher implizit: Durch die Dokumentation rechtsextremer Verbindungen wird eine Warnung transportiert, ohne dass konkrete Handlungen gefordert werden. Die Verlinkung zu weiteren SPIEGEL-TV-Filmen über rechte Netzwerke lädt zur vertiefenden Information ein, übt aber keinen Druck aus. Die Autonomie der Leser bleibt gewahrt – sie können die präsentierten Informationen selbst bewerten und Schlüsse ziehen. Der Artikel informiert über einen Sachverhalt, den er als relevant für die demokratische Meinungsbildung erachtet, ohne direktiv zu werden.
Die Absicht des Artikels ist primär investigativ-aufklärerisch: Er will rechtsextreme Netzwerkstrukturen im Umfeld eines aussichtsreichen Spitzenkandidaten dokumentieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Dies entspricht einer klassischen Watchdog-Funktion des Journalismus, besonders im Kontext einer Partei, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. Die wahrscheinliche Wirkung auf Leser ist eine erhöhte Sensibilisierung für die personellen und ideologischen Hintergründe der AfD-Kandidatur in Sachsen-Anhalt. Der Artikel dürfte bei Lesern, die Rechtsextremismus kritisch sehen, Besorgnis auslösen und möglicherweise Wahlentscheidungen beeinflussen. Bei AfD-Sympathisanten könnte er als parteiische Berichterstattung wahrgenommen werden. Die Wirkung ist weniger direkt manipulativ als vielmehr durch selektive Informationsvermittlung und strategisches Framing prägend.
Mehrere Faktoren mildern die Beeinflussungswirkung: Erstens handelt es sich um investigativen Journalismus von einem etablierten Medium (SPIEGEL), bei dem kritische Recherche zu politischen Akteuren zur erwartbaren Funktion gehört. Zweitens sind die zentralen Fakten durch externe Quellen (Verfassungsschutz, andere Medien wie ZDF und Correctiv) bestätigt, was die Berichterstattung auf eine solide Grundlage stellt. Drittens verzichtet der Artikel auf explizite Wahlempfehlungen oder direkten Druck – die Leser können die Informationen selbst bewerten. Viertens ist die Transparenz über Autoren und Medium gegeben, sodass Leser die Quelle einordnen können. Die kritische Haltung gegenüber Rechtsextremismus entspricht dem demokratischen Grundkonsens und ist im journalistischen Kontext legitim.
Verschärfend wirkt die institutionelle Reichweite und Autorität des SPIEGEL als eines der einflussreichsten deutschen Nachrichtenmagazine. Die Veröffentlichung kurz vor einer wichtigen Landtagswahl (Artikel vom 3. September, Wahl am 6. September) maximiert die potenzielle Wirkung auf Wahlentscheidungen. Die Einbettung in eine Serie von SPIEGEL-TV-Filmen über rechte Netzwerke schafft einen kumulativen Framing-Effekt, der über den einzelnen Artikel hinausgeht. Die fokussierte Darstellung ohne substanzielle Gegenperspektiven oder Kontextualisierung erhöht das Risiko einer einseitigen Wahrnehmung. Zudem könnte die Argumentation über Netzwerk-Verbindungen (Guilt by Association) bei Lesern ohne tieferes Hintergrundwissen zu vereinfachten Schlussfolgerungen führen. Die Kombination aus Timing, Reichweite und strategischem Framing verstärkt die potenzielle Beeinflussungswirkung erheblich.
Adrian Altmayer ist ein deutscher Journalist und Filmemacher, der für SPIEGEL TV arbeitet. Er hat sich auf investigative Recherchen im Bereich Rechtsextremismus, rechte Netzwerke und politische Bewegungen spezialisiert. Altmayer ist bekannt für dokumentarische Arbeiten, die rechtsextreme Strukturen, Burschenschaften und deren Verbindungen zur AfD untersuchen.
Altmayer arbeitet als Reporter und Filmemacher für SPIEGEL TV. Er hat mehrere dokumentarische Filme zu rechtsextremen Netzwerken produziert, darunter Arbeiten über Burschenschaften als Kaderschmieden für die AfD, völkische Bewegungen und deren Verbindungen zu Neonazi-Strukturen. Seine Recherchen konzentrieren sich auf die Aufdeckung personeller und ideologischer Verflechtungen zwischen der AfD und rechtsextremen Gruppierungen. Altmayer arbeitet häufig mit der Kollegin Caroline Niebisch zusammen.
Analyse erstellt mit decipher – Interaktive Version öffnen