Autor: Ralf Schuler
Datum: 2026-07-20
Quelle: https://nius.de/politik/warum-affaere-spahn-affaere-merz-werden
Journalistische Qualität: 4/5
Einflussnahme: 3/5
Der Artikel analysiert Friedrich Merz' Umgang mit der Affäre um Jens Spahn und dessen Kind durch Leihmutterschaft. Autor Ralf Schuler argumentiert, dass Merz' Reaktion auf Spahns Mitteilung über das in den USA durch Leihmutterschaft ausgetragene Kind eine politische Krise offenbart. Merz habe laut eigener Aussage im ZDF-Sommerinterview zunächst nur an das Wohl des Kindes gedacht und sich um die "Kommunikation" gesorgt, nicht aber die rechtlichen und politischen Implikationen erkannt. Der Kanzler habe erst eine Woche nach Spahns Information die Dimension des Skandals begriffen, obwohl Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und der Union-Beschlusslage widerspricht. Schuler kritisiert, dass weder Merz noch sein Umfeld Bedenken hatten, dass Parteitagsbeschlüsse und deutsche Gesetze auch für den Unionsfraktionschef gelten. Der Artikel dokumentiert Merz' Aussagen im Interview, wonach er nicht mit der Empörungswelle gerechnet, niemanden informiert und nicht nachgefragt habe, wie Spahn den Vorgang kommunizieren wolle. Merz rechtfertige Spahns späte Information mit Zeitnot, obwohl Spahn mindestens neun Monate Zeit gehabt hätte. Der Autor schließt, dass Merz' Verhalten Ahnungslosigkeit, Instinktlosigkeit, Abgebrühtheit oder Verachtung für den Rechtsstaat zeige und die Affäre Spahn zur Affäre Merz werden könnte.
Die Überschrift "Warum aus der Affäre Spahn eine Affäre Merz werden könnte" entspricht dem Inhalt des Artikels. Der Text liefert eine detaillierte Begründung für diese These, indem er Friedrich Merz' Aussagen im ZDF-Sommerinterview analysiert und dokumentiert. Der Artikel zeigt systematisch auf, wie Merz' eigene Worte seine mangelnde politische Antizipation und sein fehlendes Problembewusstsein offenlegen. Die zentrale Argumentation lautet: Merz habe die rechtlichen und politischen Dimensionen von Spahns Leihmutterschaft nicht erkannt, erst spät reagiert und damit selbst politische Verantwortung auf sich geladen. Die Überschrift verwendet das Modalverb "könnte" und signalisiert damit eine Prognose oder Möglichkeit. Der Artikelinhalt stützt diese Einschätzung durch konkrete Belege aus Merz' Interview-Aussagen: seine Fokussierung auf "Kommunikation" statt Rechtslage, seine eingestandene Ahnungslosigkeit über das Ausmaß der Empörung, sein Nicht-Handeln trotz Information, seine Rechtfertigung von Spahns Verhalten mit Zeitnot. Der Autor interpretiert Merz' Aussagen kritisch und zieht daraus den Schluss, dass "nahezu jeder einzelne Satz" des Kanzlers "ein kleiner Skandal für sich" sei. Diese wertende Einordnung geht über reine Faktenwiedergabe hinaus, bleibt aber im Rahmen der in der Überschrift angekündigten Analyse. Die Überschrift verspricht keine neutrale Berichterstattung, sondern eine kritische Einordnung ("Warum... werden könnte"). Dieses Versprechen wird eingelöst. Es liegt keine Verzerrung oder Irreführung vor. Die Überschrift fasst die Kernthese des Textes angemessen zusammen.
Texttyp: Kommentar (nicht gekennzeichnet)
Der Text ist überwiegend im Indikativ verfasst und präsentiert die analysierten Sachverhalte als feststehende Fakten. Die Darstellung stützt sich auf überprüfbare Quellen, insbesondere auf Friedrich Merz' Aussagen im ZDF-Sommerinterview. Indikativische Elemente dominieren: - Direkte Zitate aus dem Interview werden im Indikativ wiedergegeben: "Mir ist das gestern im Laufe des Tages überdeutlich geworden", "Zunächst einmal das Wohl des Kindes", "Nein, das habe ich nicht getan". - Faktische Feststellungen über den Ablauf: "Als NIUS am vergangenen Donnerstag an dieser Stelle kommentierte", "Merz hatte eingestandenermaßen nicht mal im Hinterkopf". - Beschreibungen von Merz' Verhalten und Aussagen: "Merz will hier den Eindruck vermeiden", "Ein Eindruck, den Merz beim nächsten Satz regelrecht bestätigt". Der Autor verwendet durchgängig assertorische Formulierungen, die seine Interpretationen als Tatsachen präsentieren. Beispiele: - "Nahezu jeder einzelne Satz [...] ist ein kleiner Skandal für sich" (kategorische Bewertung) - "Niemand gratuliert am Telefon dem abwesenden Säugling" (verallgemeinernde Aussage) - "Nichts anderes zeigt man, wenn man sich lediglich um die 'Kommunikation' sorgt" (Schlussfolgerung als Fakt) Konjunktivische oder konditionale Formulierungen sind selten und beschränken sich auf: - Die Überschrift: "könnte" (Möglichkeitsform) - Abschließende Bewertung: "Jeder möge für sich entscheiden, ob das nun Ahnungslosigkeit, Instinktlosigkeit, Abgebrühtheit oder schlichtweg Verachtung für den Rechtsstaat ist." Die sprachliche Gestaltung vermittelt Gewissheit. Der Autor präsentiert seine Analyse nicht als eine mögliche Lesart unter mehreren, sondern als logische Konsequenz aus Merz' dokumentierten Aussagen. Die Verwendung rhetorischer Fragen ("Gratuliert man am Telefon einem Baby?") und pointierter Zusammenfassungen ("Nichts geahnt. Nichts unternommen. Nichts verstanden.") verstärkt den assertorischen Charakter. Insgesamt liegt ein kommentierender, meinungsbetonter Text vor, der im Indikativ geschrieben ist und seine Bewertungen als nachvollziehbare Schlussfolgerungen aus zitierten Fakten präsentiert.
Der Text zeigt insgesamt gute journalistische Qualität mit erkennbaren Stärken und einzelnen Schwächen. Besonders positiv sind die klare Trennung von Nachricht und Meinung, die gute Nachvollziehbarkeit durch konkrete Quellenangaben und die weitgehend korrekte Faktenwiedergabe. Die Transparenz ist durch die namentliche Nennung des Autors und die Bezugnahme auf das ZDF-Interview gegeben. Deutliche Abzüge gibt es bei der Sachlichkeit: Die stark emotionalisierende und dramatisierende Sprache überschreitet die Grenze zur Polemik und beeinträchtigt die analytische Qualität des Kommentars. Die Persönlichkeitsrechte und die Unschuldsvermutung werden zwar im Kern gewahrt, bewegen sich aber in Grenzfällen, insbesondere durch die suggestive Darstellung politischen Versagens als moralisches Vergehen. Für einen politischen Kommentar ist die wertende Haltung legitim, die sprachliche Umsetzung hätte jedoch sachlicher erfolgen können.
Gut
Die Transparenz ist weitgehend gegeben. Der Autor Ralf Schuler ist namentlich genannt und als politischer Kommentator bekannt. NIUS gibt auf seiner Website Informationen zu Finanzierung und Struktur an. Der Text bezieht sich explizit auf ein ZDF-Sommerinterview mit Friedrich Merz und nennt die Moderatorin Diana Zimmermann, was die Quellenlage transparent macht. Kleinere Lücken bestehen darin, dass die spezifische Rolle und mögliche Interessenkonflikte des Autors im Kontext der Unionspolitik nicht thematisiert werden, was bei einem derart kritischen Kommentar zu einem amtierenden Kanzler relevant sein könnte.
Gut
Die wesentlichen Fakten sind korrekt und durch externe Recherche bestätigt: Jens Spahn ist am 18. Juli 2026 als Unionsfraktionschef zurückgetreten, er und sein Ehemann Daniel Funke haben durch eine Leihmutter in den USA ein Kind bekommen, Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, die CDU lehnt eine Legalisierung ab, und Friedrich Merz äußerte sich im ZDF-Sommerinterview am 19. Juli 2026 zum Fall. Die zitierten Aussagen von Merz ("Mir ist das gestern im Laufe des Tages überdeutlich geworden", "hoffentlich geht er kommunikativ gut damit um", "hatte wahrscheinlich auch was mit seiner Person zu tun") sind durch die Recherche bestätigt. Kleinere Details wie die exakte Formulierung "vor zehn Tagen" für Merz' erste Information durch Spahn sind in den Quellen nicht präzise verifiziert, sondern als "vorab informiert" mit unspezifiziertem Zeitraum dokumentiert.
Fragwürdig
Die Darstellung ist deutlich emotional gefärbt und wertend, was für einen Kommentar zwar typisch ist, hier aber die Grenze zur polemischen Sprache überschreitet. Formulierungen wie "kleiner Skandal für sich", "Ahnungslosigkeit, Instinktlosigkeit, Abgebrühtheit oder schlichtweg Verachtung für den Rechtsstaat", "Meltdown-Merz", "am Rande des Nervenzusammenbruchs" und "als die Hütte längst lichterloh brennt" sind stark dramatisierend und emotional aufgeladen. Die Analyse von Merz' Aussagen erfolgt durchgehend in einem abwertenden Ton ("ganz offensichtlich einem vorbereiteten Spin", "regelrecht bestätigt", "verstörende Dokumentation"). Während kritische Bewertung in einem Kommentar legitim ist, wird hier durch die Wortwahl eine manipulative Wirkung erzeugt, die über sachliche Kritik hinausgeht.
Gut
Die zentralen Aussagen sind gut nachvollziehbar und überprüfbar. Der Text bezieht sich explizit auf das ZDF-Sommerinterview mit Friedrich Merz, nennt die Moderatorin Diana Zimmermann und zitiert mehrere Aussagen von Merz wörtlich, die durch die externe Recherche bestätigt wurden. Die Quelle (ZDF-Sommerinterview vom 19. Juli 2026) ist klar benannt und für Leser zugänglich. Der Text verweist auf einen früheren NIUS-Kommentar vom Donnerstag und auf Parteitagsbeschlüsse der Union sowie deutsche Rechtsprechung zur Leihmutterschaft. Kleinere Abzüge ergeben sich daraus, dass nicht alle zitierten Aussagen mit Zeitstempeln oder direkten Links versehen sind und die Parteitagsbeschlüsse nicht konkret datiert oder referenziert werden, was eine unabhängige Verifikation erschwert.
Sehr gut
Die Trennung von Nachricht und Meinung ist vorbildlich umgesetzt. Der Text ist eindeutig als Kommentar erkennbar und wird als solcher präsentiert. Der Autor Ralf Schuler ist namentlich genannt. Die faktischen Elemente (Spahns Rücktritt, Merz' Aussagen im ZDF-Interview, rechtliche Situation zur Leihmutterschaft) werden klar von der subjektiven Bewertung des Autors getrennt, auch wenn beide Ebenen im Text verwoben sind. Die kommentierenden und wertenden Passagen sind durchgehend als solche erkennbar und werden nicht als objektive Tatsachen präsentiert. Der Leser kann jederzeit unterscheiden, was Faktenwiedergabe und was Meinungsäußerung ist.
Verwendbar
Die Persönlichkeitsrechte werden grundsätzlich gewahrt, bewegen sich aber in Grenzfällen. Die Kritik an Friedrich Merz und Jens Spahn bezieht sich auf ihr politisches Handeln und ihre öffentlichen Äußerungen, was im Rahmen der zulässigen Politikerkritik liegt. Die Erwähnung von Spahns Ehemann Daniel Funke und dem Kind erfolgt im Kontext der politischen Debatte um Leihmutterschaft und ist sachlich relevant. Grenzwertig sind Formulierungen wie "am Rande des Nervenzusammenbruchs" und die Unterstellung von "Verachtung für den Rechtsstaat", die über sachliche Kritik hinausgehen und in Richtung persönlicher Herabwürdigung tendieren. Die Würde der Personen wird jedoch nicht systematisch verletzt, und die Kritik bleibt im Kern auf das politische Amt und Verhalten bezogen.
Verwendbar
Die Unschuldsvermutung wird im Kern gewahrt, da keine formalen Strafverfahren thematisiert werden. Der Text behandelt politisches Fehlverhalten und moralisch-politische Bewertungen, nicht strafrechtliche Vorwürfe. Die Kritik bezieht sich auf Merz' politisches Krisenmanagement und seine Einschätzung der Situation, nicht auf kriminelles Verhalten. Allerdings werden Merz und Spahn durch die Wortwahl und Darstellung indirekt als schuldig an politischem Versagen präsentiert, ohne dass ihnen Raum für eine Verteidigung oder alternative Deutung gegeben wird. Die rhetorische Frage am Ende ("Ahnungslosigkeit, Instinktlosigkeit, Abgebrühtheit oder schlichtweg Verachtung für den Rechtsstaat") suggeriert Schuld, auch wenn sie formal als offene Frage formuliert ist. Für einen Kommentar ist diese wertende Haltung legitim, bewegt sich aber an der Grenze zur Vorverurteilung.
Sehr gut
Der Text ist frei von diskriminierenden Formulierungen. Die Erwähnung von Jens Spahns gleichgeschlechtlicher Ehe und der Leihmutterschaft erfolgt sachlich und ohne abwertende Konnotationen bezüglich sexueller Orientierung oder Familienform. Die Kritik richtet sich ausschließlich gegen das politische Handeln und die rechtlichen Implikationen, nicht gegen die Person Spahns aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder Lebensweise. Es werden keine Stereotype bedient, keine Gruppen pauschal abgewertet und keine geschützten Merkmale als Grundlage für Kritik verwendet. Die Sprache ist durchgehend respektvoll gegenüber allen erwähnten Personengruppen.
Kontext: Meinungsjournalismus / Kommentar
Der Text ist ein klar positionierter politischer Kommentar, der durch strategische Sprache, selektive Fokussierung und gezieltes Framing eine kritische Perspektive auf Kanzler Merz etabliert. Die faktische Grundlage ist solide und stützt sich auf überprüfbare Aussagen aus dem ZDF-Interview, wird aber durch eine einseitige Interpretation und das Ausblenden alternativer Deutungen ergänzt. Die Argumentation ist nachvollziehbar, nutzt aber interpretative Elemente und rhetorische Mittel, um die Kritik zu verstärken. Als Meinungsjournalismus ist der persuasive Charakter angemessen und transparent, die Autonomie der Leser wird respektiert.
Zutreffend
Der Text stützt sich auf überprüfbare Fakten: Spahns Rücktritt als Unionsfraktionschef am 18. Juli 2026, die Bekanntgabe der Vaterschaft durch Leihmutterschaft in den USA, und Merz' Aussagen im ZDF-Sommerinterview vom 19. Juli 2026 sind durch externe Quellen bestätigt. Die zitierten Aussagen von Merz werden wörtlich wiedergegeben und sind nachvollziehbar. Der Autor interpretiert diese Aussagen kritisch, bleibt dabei aber bei den dokumentierten Fakten. Kleinere interpretative Elemente (z.B. "Spin", "Ahnungslosigkeit") sind als Kommentar erkennbar und nicht als Tatsachenbehauptungen formuliert.
Fokussiert
Der Text konzentriert sich einseitig auf die Kritik an Merz' Krisenmanagement und lässt alternative Perspektiven weitgehend aus. Mögliche Rechtfertigungen für Merz' Vorgehen (z.B. Respekt vor Spahns Privatsphäre, begrenzte Handlungsmöglichkeiten vor der öffentlichen Bekanntgabe) werden nicht ernsthaft erwogen. Die rechtliche und ethische Komplexität der Leihmutterschaft wird nur angedeutet, nicht ausgeführt. Spahns eigene Verantwortung wird zwar erwähnt, aber die Hauptstoßrichtung zielt auf Merz. Kontextinformationen zu den Unionsbeschlüssen zur Leihmutterschaft werden nur knapp angerissen. Der Fokus auf eine kritische Lesart ist für einen Kommentar typisch, schränkt aber die Perspektivenvielfalt deutlich ein.
Ergänzend
Der Text nutzt moderate emotionale Elemente, die die rationale Argumentation ergänzen, aber nicht dominieren. Formulierungen wie "verstörende Dokumentation", "kleiner Skandal für sich" und "lichterloh brennt" erzeugen ein Bild von Krise und Versagen. Die rhetorische Frage "Gratuliert man am Telefon einem Baby?" appelliert an das Alltagsempfinden der Leser. Die Emotionalisierung bleibt jedoch im Rahmen eines pointierten Kommentars und wird durch die sachliche Analyse der Interviewaussagen ausbalanciert. Es gibt keine Angstmache oder Dramatisierung über das Maß hinaus, das für politische Kommentierung üblich ist.
Bewertend
Die Sprache ist durchgehend wertend und strategisch eingesetzt. Formulierungen wie "trickreicher Gesetzesflüchtling", "Ahnungslos-Satz", "verstörende Dokumentation" und "Meltdown" sind klar evaluativ. Der Text arbeitet mit rhetorischen Fragen ("Gratuliert man am Telefon einem Baby?"), die eine bestimmte Antwort nahelegen. Presuppositionen sind präsent: Die Überschrift unterstellt bereits, dass aus der "Affäre Spahn" eine "Affäre Merz" werden könnte, was den Interpretationsrahmen vorgibt. Absolute Ausdrücke wie "nahezu jeder einzelne Satz" verstärken die Kritik. Die Wortwahl ist professionell, aber durchweg auf eine kritische Bewertung von Merz' Handeln ausgerichtet. Für einen politischen Kommentar ist diese Sprache angemessen, aber sie ist klar positionierend.
Strategisch
Der Text nutzt mehrere Framing-Ebenen strategisch: Die Überschrift rahmt das Geschehen bereits als potenzielle "Affäre Merz" und setzt damit den Interpretationsrahmen. Die Metapher des "lichterloh brennenden Hauses" dramatisiert die Krise. Die Struktur folgt einem Eskalationsmuster: Jede Aussage von Merz wird als weiterer Beleg für dessen Versagen präsentiert ("Nächster Ahnungslos-Satz"). Das dualistische Muster "Ahnungslosigkeit vs. Verantwortung" zieht sich durch den Text. Die Reihung von Merz' Aussagen wird so arrangiert, dass sie kumulativ ein Bild von Inkompetenz erzeugen. Alternative Frames (z.B. "Merz respektiert Privatsphäre", "komplexe ethische Abwägung") werden nicht entwickelt. Die Schlussformulierung bietet zwar vier Deutungsoptionen an, rahmt aber alle negativ.
Nachvollziehbar
Die Argumentation ist im Kern nachvollziehbar und folgt einer klaren Linie: Merz' eigene Aussagen im Interview werden als Belege für mangelndes Krisenmanagement herangezogen. Die Beweisführung stützt sich auf direkte Zitate und deren Interpretation. Allerdings enthält die Argumentation einige logische Schwächen: Die Schlussfolgerung, dass Merz' Sorge um die "Kommunikation" beweise, er habe "keinen politischen Kompass", ist eine Interpretation, keine zwingende Folgerung. Die Behauptung, "niemand gratuliert am Telefon dem abwesenden Säugling", ist eine Verallgemeinerung ohne Beleg. Die vier abschließenden Deutungsoptionen (Ahnungslosigkeit, Instinktlosigkeit, Abgebrühtheit, Verachtung) sind nicht gleichwertig begründet. Insgesamt ist die Argumentation für einen Kommentar solide, aber nicht frei von interpretativen Sprüngen.
Offen
Die Absicht des Textes ist klar erkennbar: Es handelt sich um einen kritischen politischen Kommentar, der Merz' Krisenmanagement im Fall Spahn analysiert und bewertet. Der Autor macht seine Position deutlich und verbirgt nicht, dass er Merz' Verhalten für problematisch hält. Die Einordnung als Kommentar ist durch den Kontext (NIUS-Kommentarbereich) und den Stil erkennbar. Der Verweis auf einen früheren NIUS-Kommentar zeigt die redaktionelle Kontinuität. Allerdings fehlt eine explizite Kennzeichnung als "Kommentar" oder "Meinung" im Text selbst, was die Transparenz leicht mindert. Die Interessen und die politische Positionierung des Autors sind aus dem Text ableitbar.
Andeutend
Der Text enthält keine direkten Handlungsaufforderungen an die Leser. Es gibt keine Aufrufe zu konkreten Aktionen wie Petitionen, Boykotten oder politischem Engagement. Die Schlussformulierung "Jeder möge für sich entscheiden" respektiert explizit die Autonomie der Leser. Der Text zielt darauf ab, eine Meinung zu formen und eine kritische Perspektive auf Merz zu etablieren, überlässt aber die Schlussfolgerungen formal dem Leser. Die suggestive Wirkung liegt in der Argumentation selbst, nicht in expliziten Aufrufen. Für einen politischen Kommentar ist dies ein angemessenes Maß an Zurückhaltung bei direkten Handlungsaufforderungen.
Die Absicht des Textes ist es, Kanzler Friedrich Merz' Krisenmanagement im Fall Spahn als Versagen zu charakterisieren und die politische Verantwortung von Spahn auf Merz zu verlagern. Der Autor will zeigen, dass Merz die Dimension des Skandals nicht erkannt, nicht angemessen gehandelt und durch seine Aussagen im ZDF-Interview seine eigene Unfähigkeit dokumentiert hat. Die Wirkung auf Leser dürfte sein, Zweifel an Merz' Führungskompetenz zu säen und die Frage aufzuwerfen, ob der Kanzler politisches Urteilsvermögen und Instinkt besitzt. Durch die Kumulation von als problematisch gerahmten Aussagen entsteht ein Gesamtbild von Ahnungslosigkeit und Kontrollverlust. Die rhetorische Frage im Titel ("Warum aus der Affäre Spahn eine Affäre Merz werden könnte") suggeriert bereits, dass die eigentliche politische Krise nicht Spahns Verhalten, sondern Merz' Reaktion darauf ist.
Der Text ist als politischer Kommentar im Meinungsjournalismus einzuordnen, was eine subjektive, wertende Perspektive legitimiert und erwartbar macht. Die Leser von NIUS dürften mit dem Format und der politischen Ausrichtung der Plattform vertraut sein. Die faktische Grundlage ist solide: Die zitierten Aussagen von Merz sind dokumentiert und nachprüfbar, der Text erfindet keine Fakten. Die Kritik richtet sich an eine öffentliche Person in politischer Führungsposition, nicht an Privatpersonen oder vulnerable Gruppen. Der Autor respektiert die Leserautonomie durch die Schlussformulierung "Jeder möge für sich entscheiden". Es gibt keine Aufrufe zu Hass, Gewalt oder illegalen Handlungen. Die persuasive Wirkung liegt im Rahmen dessen, was für politische Kommentierung in demokratischen Gesellschaften üblich und akzeptiert ist.
Der Text erscheint auf einer Plattform (NIUS) mit erheblicher Reichweite im deutschsprachigen Raum und adressiert ein hochaktuelles politisches Thema von nationaler Bedeutung. Die Kritik richtet sich gegen den amtierenden Bundeskanzler in einer Phase politischer Krise, was die potenzielle Wirkung verstärkt. Die strategische Rahmung durch die Überschrift und die kumulative Struktur der Argumentation erzeugen einen starken persuasiven Effekt, der über eine neutrale Berichterstattung hinausgeht. Die einseitige Fokussierung auf Merz' Versagen ohne ernsthafte Erwägung alternativer Deutungen oder mildernder Umstände verstärkt die persuasive Wirkung. Der Text erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die politische Debatte über den Fall Spahn noch läuft und Meinungsbildung aktiv stattfindet, was seine potenzielle Einflussnahme auf die öffentliche Wahrnehmung erhöht.
Ralf Schuler ist ein deutscher Journalist und Buchautor. Er wurde bekannt als langjähriger Parlamentskorrespondent der BILD-Zeitung in Berlin, wo er über Bundespolitik berichtete. Schuler hat mehrere Bücher zu politischen Themen veröffentlicht und gilt als profunder Kenner der Berliner Politik und der Unionsparteien. Nach seiner Zeit bei BILD wechselte er zum alternativen Medienportal NIUS, wo er als Autor und Kommentator tätig ist.
Schuler arbeitete viele Jahre als Parlamentskorrespondent für die BILD-Zeitung in Berlin und berichtete aus dem politischen Geschehen im Bundestag. Er verfasste mehrere Bücher, darunter Werke über die CDU und die deutsche Politik. Seit seinem Wechsel zu NIUS schreibt er Kommentare und Analysen zur aktuellen Politik, insbesondere zur Union und zur Bundesregierung. Sein Schreibstil ist pointiert und meinungsbetont.
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