DECIPHERED: Spanische Exklave in Marokko Mehr als 40.000 Migranten erreichen offenbar Ceuta

Autor: Stefan Ehlert

Datum: 2026-07-31

Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/migration-ceuta-100.html

Journalistische Qualität: 4/5

Einflussnahme: 4/5

Zusammenfassung

Der Artikel berichtet über eine Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta in Marokko. Laut Medienberichten sollen mehr als 40.000 Menschen irregulär die Grenze nach Ceuta überquert haben, viele davon schwimmend oder zu Fuß. Die Krise wurde offenbar durch Gerüchte über eine Grenzöffnung befeuert, die sich über soziale Medien verbreiteten. Spanien hat zusätzliche Soldaten zur Grenzsicherung mobilisiert. Ministerpräsident Pedro Sánchez und Innenminister Fernando Grande-Marlaska werden in Ceuta erwartet. Mindestens 18 Menschen sind bei dem Versuch, die Grenze zu überqueren, ums Leben gekommen. Die Auffanglager in Ceuta sind überfüllt, viele Menschen verbringen die Nacht im Freien. Marokko kooperiert nach Angaben der marokkanischen Botschafterin in Madrid bei der Grenzsicherung, obwohl sich noch kein marokkanischer Minister öffentlich geäußert hat. Der Artikel enthält Aussagen von Migranten, die von schwierigen Bedingungen in Marokko und dem Versuch berichten, nach Europa zu gelangen. Die Krise fiel auf den 27. Jahrestag der Thronbesteigung von König Mohammed VI., der das Ereignis in der Nähe von Ceuta beging, die Krise aber in seiner Ansprache nicht erwähnte.

Schlagzeile vs. Inhalt

Die Überschrift "Mehr als 40.000 Migranten erreichen offenbar Ceuta" entspricht im Wesentlichen dem Inhalt des Artikels. Der Zusatz "offenbar" signalisiert angemessen, dass es sich um Medienberichte handelt und nicht um offiziell bestätigte Zahlen. Der Artikel stützt die Überschrift durch mehrfache Erwähnung der Zahl: "Mehr als 40.000 Menschen sollen es schon über die Grenze geschafft haben, melden verschiedene Medien" (Absatz 1). Die Formulierung "sollen" und der Verweis auf "verschiedene Medien" zeigen, dass die Zahl nicht aus eigener Recherche stammt, sondern auf Berichten Dritter basiert. Die Überschrift gibt den Kerninhalt des Artikels korrekt wieder: Es geht um einen massiven irregulären Grenzübertritt nach Ceuta. Der Artikel liefert umfangreiche Kontextinformationen zu den Umständen (Gerüchte über Grenzöffnung, soziale Medien, Todesfälle, Überfüllung, politische Reaktionen), die die Überschrift nicht abdeckt, was aber bei einer Überschrift üblich und akzeptabel ist. Der Begriff "Migranten" in der Überschrift wird im Text durch Beschreibungen wie "Menschen", "vorwiegend junge Marokkaner" und Zitate von Betroffenen konkretisiert. Die Überschrift verwendet keine wertende oder emotionalisierende Sprache. Eine leichte Einschränkung: Die Überschrift könnte den Eindruck erwecken, dass die Zahl gesichert ist, während der Artikel durchgehend Konjunktivformen und Quellenverweise verwendet ("sollen", "Medienberichten zufolge", "gibt es Berichte"). Das Wort "offenbar" in der Überschrift mildert dies jedoch ab. Insgesamt ist die Überschrift eine sachliche und angemessene Zusammenfassung des Artikelinhalts ohne erkennbare Verzerrung oder Sensationalisierung.

Texttyp: Nachrichten

Sprachlicher Modus

Der Artikel ist überwiegend im Konjunktiv und in berichtenden Formen verfasst, was auf die Wiedergabe von Medienberichten, Aussagen Dritter und nicht vollständig verifizierten Informationen hinweist. **Konjunktivische und berichtende Formulierungen:** - "Medienberichten zufolge sollen mehr als 40.000 Migranten [...] gelangt sein" (Konjunktiv I) - "Mehr als 40.000 Menschen sollen es schon über die Grenze geschafft haben, melden verschiedene Medien" (Konjunktiv I + Quellenangabe) - "Es gibt Berichte, wonach sich weiterhin Menschen auf den Weg zur Grenze machen" (indirekte Wiedergabe) - "Marokkos Polizei begonnen haben soll" (Konjunktiv I) - "Nach Medienberichten mindestens 18 Menschen" (Quellenangabe ohne Konjunktiv, aber als Bericht gekennzeichnet) - "Trotzdem gibt es Berichte, wonach weiterhin [...] versuchen" (indirekte Wiedergabe) Diese Formulierungen zeigen, dass der Autor die Informationen nicht als eigene Feststellungen präsentiert, sondern als Berichte aus anderen Quellen wiedergibt. Der durchgängige Gebrauch des Konjunktivs signalisiert journalistische Distanz zu nicht selbst verifizierten Angaben. **Indikativische Formulierungen:** Einige Aussagen werden im Indikativ präsentiert: - "Spanien hat zusätzliche Soldaten mobilisiert zur Grenzsicherung" (Indikativ - offizielle Handlung) - "Am Mittag werden dort Premier Pedro Sánchez und Innenminister Fernando Grande-Marlaska erwartet" (Indikativ - angekündigtes Ereignis) - "Der gestrige Massenandrang fiel auf den 27. Jahrestag der Thronbesteigung Mohammeds VI." (Indikativ - verifizierbares Datum) Diese indikativischen Aussagen beziehen sich auf verifizierbare Fakten (offizielle Ankündigungen, Daten) oder Handlungen von Regierungen. **Direkte Zitate:** Der Artikel enthält mehrere direkte Zitate von Betroffenen (Fatima Zahra, Karim, Abdelhakim), die ihre persönlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen schildern. Diese werden als subjektive Aussagen präsentiert. **Gesamtbewertung:** Der Artikel bewegt sich sprachlich zwischen Konjunktiv (für Medienberichte und nicht verifizierte Zahlen) und Indikativ (für offizielle Handlungen und verifizierbare Fakten). Die Kernaussagen über die Anzahl der Migranten und viele Details der Ereignisse werden durchgehend als Berichte gekennzeichnet, nicht als verifizierte Tatsachen. Dies entspricht journalistischen Standards bei Breaking-News-Situationen, in denen Informationen aus verschiedenen Quellen zusammengetragen werden, aber noch nicht vollständig überprüft werden konnten. Der Sprachmodus ist überwiegend berichtend-konjunktivisch mit selektiven indikativischen Elementen für verifizierbare Fakten.

Journalistische Qualität

Der Nachrichtenbeitrag erfüllt die journalistischen Qualitätsstandards insgesamt gut. Die Transparenz ist durch die klare Autorenschaft und institutionelle Einbindung bei der ARD gegeben, und die Faktentreue ist durch externe Quellen weitgehend bestätigt. Die Sachlichkeit ist durchgehend gewahrt, mit nur minimalen wertenden Nuancen. Die Überprüfbarkeit weist erkennbare Schwächen auf, da Quellen teilweise nur vage benannt werden und eine systematische Kreuzverifizierung nicht dokumentiert ist. Die Trennung von Nachricht und Meinung ist exemplarisch eingehalten, und die personenbezogenen Prinzipien (Persönlichkeitsrechte, Unschuldsvermutung, Nicht-Diskriminierung) werden vorbildlich respektiert. Die Hauptschwäche liegt in der unzureichenden Quellenattribution, die eine eigenständige Überprüfung durch Leser erschwert.

Einzelne Prinzipien

Prinzip der Transparenz: 4/5

Gut

Der Artikel ist auf tagesschau.de veröffentlicht, einer etablierten öffentlich-rechtlichen Nachrichtenplattform mit transparenter Trägerschaft (ARD). Der Autor Stefan Ehlert ist namentlich genannt und als ARD-Korrespondent identifizierbar. Die institutionelle Einbindung und redaktionelle Verantwortung sind klar erkennbar. Potenzielle Interessenkonflikte werden nicht explizit thematisiert, sind aber bei einer öffentlich-rechtlichen Berichterstattung über ein außenpolitisches Thema auch nicht unmittelbar erkennbar. Die Transparenz ist insgesamt gut gegeben, mit nur geringfügigen Lücken bei der Offenlegung von Zugangs- oder Recherchebedingungen vor Ort.

Prinzip der Faktentreue: 4/5

Gut

Die zentralen Fakten des Artikels sind durch externe Quellen bestätigt: Über 40.000 Migranten haben tatsächlich Ceuta erreicht, mindestens 18 Menschen sind dabei ums Leben gekommen, und Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sowie Innenminister Fernando Grande-Marlaska haben Ceuta am 31. Juli 2026 besucht. Die Mobilisierung zusätzlicher spanischer Sicherheitskräfte ist ebenfalls belegt. Einzelne Details wie die genaue Schwimmdauer ("bis zu vier Stunden"), der Name der marokkanischen Botschafterin (Karima Benyaicha) und die Verbindung zum 27. Jahrestag der Thronbesteigung konnten nicht verifiziert werden, beeinträchtigen aber die Kernaussagen nicht wesentlich. Die Faktentreue ist insgesamt gut, mit geringfügigen nicht verifizierbaren Nebenaspekten.

Prinzip der Sachlichkeit: 4/5

Gut

Die Darstellung ist überwiegend sachlich und nüchtern gehalten. Zahlen, Fakten und Zitate werden ohne erkennbare emotionale Färbung präsentiert. Die Wortwahl ist weitgehend neutral ("Migrationskrise", "irregulär", "Andrang"), und dramatisierende Elemente werden vermieden. Einzelne Formulierungen wie "die Zustände derzeit alles andere als normal" oder "unhaltbar" enthalten leichte wertende Nuancen, bleiben aber im Rahmen einer sachlichen Zustandsbeschreibung. Zitate von Betroffenen (Fatima Zahra, Karim, Abdelhakim) werden unkommentiert wiedergegeben und tragen zur Anschaulichkeit bei, ohne die Sachlichkeit zu beeinträchtigen. Der Ton ist durchgehend professionell und ausgewogen.

Prinzip der Überprüfbarkeit: 3/5

Verwendbar

Der Artikel nennt verschiedene Quellen, bleibt aber in der Quellenattribution teilweise vage. Konkrete Zahlenangaben werden mit "Medienberichten zufolge" oder "nach Medienberichten" eingeführt, ohne die spezifischen Quellen zu benennen. Die Nachrichtenagentur AFP wird einmal explizit genannt ("Die Nachrichtenagentur AFP zeigt Bilder"). Direkte Zitate von Betroffenen (Fatima Zahra, Karim, Abdelhakim) und der marokkanischen Botschafterin Karima Benyaicha sind enthalten, aber ohne Angabe, wie diese Aussagen erhoben wurden. Offizielle spanische Stellen (Innenministerium, Regierung) werden als Informationsquellen impliziert, aber nicht explizit zitiert. Eine Kreuzverifizierung durch mehrere unabhängige Quellen ist ansatzweise erkennbar ("verschiedene Medien"), aber nicht systematisch dokumentiert. Für einen Leser wäre eine eigenständige Überprüfung der Kernaussagen nur eingeschränkt möglich.

Prinzip der Trennung und Kennzeichnung: 5/5

Sehr gut

Der Text ist eindeutig als Nachrichtenbeitrag erkennbar und enthält keinerlei meinungsäußernde Elemente. Fakten und Ereignisse werden rein informativ dargestellt, ohne dass der Autor wertende Kommentare einfließen lässt. Es gibt keine Vermischung von Nachricht und Meinung. Der Beitrag ist klar als Nachrichtentext strukturiert und durch die Angabe von Autor, Datum und Uhrzeit transparent gekennzeichnet. Die Trennung von Information und Kommentar ist exemplarisch eingehalten.

Prinzip des Schutzes der Persönlichkeitsrechte: 4/5

Gut

Der Artikel behandelt Migranten und politische Akteure mit Respekt und Würde. Die zitierten Migranten (Fatima Zahra, Karim, Abdelhakim) werden mit Vornamen und teilweise Alter genannt, ihre Aussagen werden unkommentiert wiedergegeben, ohne sie bloßzustellen oder zu stigmatisieren. Die Darstellung ihrer Beweggründe und Erlebnisse erfolgt sachlich und einfühlsam. Politische Akteure (Sánchez, Grande-Marlaska, Mohammed VI., Karima Benyaicha) werden in ihrer offiziellen Funktion genannt, ohne dass ihre Privatsphäre tangiert würde. Es gibt keine unangemessenen Darstellungen in Wort oder Bild. Die Balance zwischen Informationsinteresse und Persönlichkeitsrechten ist gut gewahrt, mit nur minimalen Detailangaben, die zur Kontextualisierung dienen.

Prinzip der Unschuldsvermutung: 5/5

Sehr gut

Der Artikel enthält keine strafrechtlichen Vorwürfe oder Ermittlungsverfahren gegen Einzelpersonen und behandelt die Migrationsbewegung als humanitäre und politische Krise, nicht als kriminelles Geschehen. Die Migranten werden als Menschen in einer Notlage dargestellt, nicht als Rechtsbrecher. Es gibt keine vorverurteilenden Formulierungen oder Schuldzuweisungen. Die Darstellung ist durchgehend neutral und vorurteilsfrei. Die Unschuldsvermutung ist vollständig gewahrt, da der Text keine Personen mit Vorwürfen konfrontiert.

Prinzip der Nicht-Diskriminierung: 5/5

Sehr gut

Die Sprache ist durchgehend respektvoll und diskriminierungsfrei. Migranten werden als Individuen mit eigenen Geschichten und Motivationen dargestellt, ohne Stereotypisierung oder Pauschalisierung. Es werden keine abwertenden Begriffe verwendet, und die Darstellung vermeidet jede Form von Stigmatisierung aufgrund von Herkunft, sozialem Status oder anderen geschützten Merkmalen. Die Bezeichnung "Migranten" ist neutral und sachlich. Die Zitate der Betroffenen werden respektvoll wiedergegeben, und ihre Würde bleibt in allen Passagen gewahrt. Der Artikel behandelt alle erwähnten Gruppen und Personen fair und ausgewogen.

Kontext: Journalismus-Kontext

Beeinflussungsanalyse

Der Text erfüllt weitgehend die Standards journalistischer Berichterstattung mit überwiegend faktentreuer, ausgewogener und transparenter Darstellung. Die Faktenbasis ist solide und durch externe Quellen verifizierbar, die Sprache bleibt sachlich und neutral. Der Text verzichtet auf emotionale Manipulation und Handlungsaufforderungen. Leichte Abzüge ergeben sich aus der Fokussierung auf die unmittelbare Krisensituation, wodurch strukturelle Hintergründe und tiefergehende Kontexte weniger Raum erhalten. Insgesamt handelt es sich um informierende Berichterstattung mit selektiven Schwerpunktsetzungen, aber ohne erkennbare manipulative Absicht.

Einzelne Dimensionen

Faktenbasis: 4/5

Zutreffend

Der Text berichtet über eine aktuelle Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta mit konkreten Zahlenangaben (über 40.000 Migranten), die durch externe Recherche bestätigt werden. Die Angaben zu Todesopfern (mindestens 18), zum Besuch von Ministerpräsident Sánchez und Innenminister Grande-Marlaska sowie zur Mobilisierung zusätzlicher Soldaten sind durch mehrere Quellen verifiziert. Der Text stützt sich auf Medienberichte, Nachrichtenagentur AFP und direkte Zitate von Betroffenen. Kleinere Details wie die genaue Schwimmdauer oder die Identität der marokkanischen Botschafterin konnten nicht verifiziert werden, beeinträchtigen aber nicht die Kernaussagen. Die Darstellung ist weitgehend faktentreu und nachprüfbar.

Vollständigkeit der Darstellung: 3/5

Repräsentativ

Der Text präsentiert die Situation aus mehreren Perspektiven: Er zitiert Migranten (Fatima Zahra, Karim, Abdelhakim), berichtet über spanische und marokkanische Reaktionen und erwähnt die Rolle sozialer Medien bei der Verbreitung von Gerüchten. Die humanitäre Notlage wird ebenso thematisiert wie die Sicherheitsmaßnahmen. Allerdings fehlen tiefergehende Hintergrundinformationen zu den Ursachen der Migration, zur politischen Dimension der Beziehungen zwischen Spanien und Marokko sowie zu längerfristigen Lösungsansätzen. Die Darstellung konzentriert sich stark auf die unmittelbare Krisensituation. Alternative Erklärungen für den plötzlichen Andrang werden nur am Rande erwähnt (Gerüchte, Feiertag), aber nicht systematisch untersucht.

Emotionale Appelle: 4/5

Zurückhaltend

Der Text verwendet überwiegend sachliche Sprache und verzichtet auf explizite emotionale Manipulation. Die Schilderungen der Migranten ("Ich habe die Hölle erlebt", Beschreibung von Ertrinkenden) werden als direkte Zitate wiedergegeben, nicht als redaktionelle Dramatisierung. Die humanitäre Dimension (Menschen schlafen im Freien, überfüllte Auffanglager, Todesopfer) wird faktisch berichtet, ohne übermäßige Emotionalisierung. Die Wortwahl bleibt nüchtern und beschreibend. Vereinzelt finden sich Formulierungen, die Dringlichkeit vermitteln ("unhaltbar", "Hölle"), diese stammen jedoch aus Zitaten oder beschreiben objektive Zustände.

Sprache: 4/5

Gemessen

Die Sprache ist überwiegend neutral und deskriptiv. Der Text verwendet Indikativ für verifizierte Fakten und Konjunktiv/Modalverben für unbestätigte Informationen ("sollen", "offenbar", "Berichten zufolge"). Es gibt keine Feindbilder, Stereotype oder abwertende Begriffe. Die Wortwahl ist sachlich und professionell. Vereinzelt finden sich wertende Elemente ("unhaltbar", "Krise"), die jedoch den Sachverhalt angemessen beschreiben. Der Text verzichtet auf Superlative, absolute Aussagen und rhetorische Manipulationstechniken. Presuppositionen sind minimal und nicht strukturell dominant. Stigmatisierende Labels werden nicht verwendet.

Framing: 3/5

Moderat

Der Text rahmt das Geschehen als humanitäre und administrative Krise, ohne eine stark polarisierende Perspektive einzunehmen. Die Überschrift ist faktisch und neutral formuliert. Die Darstellung betont sowohl die Notlage der Migranten als auch die Herausforderungen für die spanischen Behörden. Es gibt keine ausgeprägte "Wir-gegen-Die"-Dichotomie oder Opfer-Täter-Narrative. Die chronologische Struktur und die Einbettung von Zeugenaussagen schaffen einen dokumentarischen Rahmen. Allerdings wird durch die Fokussierung auf die unmittelbare Krisensituation und die Betonung der Gerüchte über eine Grenzöffnung ein bestimmter Interpretationsrahmen gesetzt, der andere Aspekte (strukturelle Migrationsursachen, politische Hintergründe) in den Hintergrund rückt.

Argumentationsstruktur: 4/5

Fundiert

Der Text folgt einer klaren, chronologischen Berichtsstruktur ohne explizite Argumentation im engeren Sinne. Aussagen werden durch Quellenangaben gestützt (Medienberichte, AFP, Botschafterin). Kausale Zusammenhänge werden vorsichtig formuliert (Gerüchte als möglicher Auslöser, nicht als bewiesene Ursache). Es gibt keine offensichtlichen logischen Fehlschlüsse. Korrelationen werden nicht unzulässig als Kausalitäten dargestellt. Der Text vermeidet Autoritätsargumente und Strohmann-Argumente. Die Darstellung ist weitgehend deskriptiv und verzichtet auf manipulative Argumentationsmuster. Kleinere Unschärfen ergeben sich aus der Verwendung von "offenbar" und "sollen", die auf unvollständig verifizierte Informationen hinweisen.

Transparenz der Absicht: 4/5

Offen

Die Absicht des Textes ist klar erkennbar: journalistische Berichterstattung über ein aktuelles Ereignis. Der Text ist als Nachrichtenartikel der Tagesschau gekennzeichnet, einer etablierten öffentlich-rechtlichen Nachrichtenquelle. Es gibt keine versteckten Agendas oder verdeckte Parteinahme. Die Quellen werden transparent gemacht (Medienberichte, AFP, Zitate). Der Autor ist namentlich genannt. Die redaktionelle Linie ist informativ und nicht propagandistisch. Kleinere Abzüge ergeben sich daraus, dass die institutionellen Hintergründe der zitierten Medienberichte nicht im Detail offengelegt werden und die Auswahl der zitierten Personen nicht begründet wird.

Handlungsaufforderungen: 5/5

Informativ

Der Text enthält keinerlei Handlungsaufforderungen an die Leserschaft. Es gibt keine Aufrufe zu Spenden, Petitionen, Boykotten oder anderen Aktionen. Der Text übt keinen Druck aus und respektiert vollständig die Autonomie der Leser. Die Darstellung ist rein informativ und überlässt es dem Publikum, eigene Schlüsse zu ziehen. Auch implizite Handlungsaufforderungen oder emotionale Appelle, die zu bestimmten Reaktionen bewegen sollen, sind nicht erkennbar. Der Text erfüllt die klassische journalistische Funktion der Information ohne persuasive Handlungsdimension.

Persuasions-Metaanalyse

Absicht und Wirkung

Die erkennbare Absicht des Textes ist die zeitnahe, faktische Berichterstattung über eine aktuelle humanitäre und migrationspolitische Krise in der spanischen Exklave Ceuta. Der Text informiert die Öffentlichkeit über ein Ereignis von gesellschaftlicher Relevanz und erfüllt damit eine klassische journalistische Funktion. Die Wirkung auf Leser dürfte primär informativ sein: Sie erhalten Kenntnis von einem aktuellen Geschehen, das sowohl humanitäre als auch politische Dimensionen hat. Die sachliche Darstellung ermöglicht es Lesern, sich ein eigenes Bild zu machen, ohne dass eine bestimmte politische Position aufgedrängt wird. Die Einbettung von Zeugenaussagen schafft Nähe zum Geschehen und macht die menschliche Dimension erfahrbar, ohne dass dies manipulativ eingesetzt wird. Der Text könnte bei Lesern Empathie für die Notlage der Migranten wecken und gleichzeitig Verständnis für die Herausforderungen der spanischen Behörden fördern.

Mildernde Umstände

Der Text ist klar als journalistische Nachrichtenberichterstattung gekennzeichnet und stammt von einer etablierten, öffentlich-rechtlichen Quelle (tagesschau.de), bei der Leser entsprechende Standards erwarten können. Die Veröffentlichung erfolgt in einem Kontext, in dem journalistische Sorgfaltspflichten und redaktionelle Kontrolle vorausgesetzt werden. Der Autor ist namentlich genannt, was Verantwortlichkeit signalisiert. Die Verwendung von Konjunktiv und Modalverben bei unbestätigten Informationen zeigt journalistische Vorsicht. Der Text verzichtet auf Meinungsjournalismus und ist nicht als Kommentar oder Editorial gekennzeichnet, was höhere Objektivitätsstandards impliziert. Die Kürze des Formats (Online-Nachrichtenartikel) erklärt teilweise die begrenzte Tiefe bei Hintergrundinformationen. Die zeitliche Nähe zum Ereignis (Berichterstattung am Tag des angekündigten Ministerbesuchs) rechtfertigt eine gewisse Vorläufigkeit der Informationen.

Verschärfende Umstände

Die Tagesschau als eine der reichweitenstärksten Nachrichtenquellen im deutschsprachigen Raum hat erhebliche Meinungsbildungsmacht. Die institutionelle Autorität eines öffentlich-rechtlichen Mediums verleiht der Darstellung besonderes Gewicht und kann dazu führen, dass die gewählten Schwerpunkte und Auslassungen die öffentliche Wahrnehmung des Themas prägen. Die Fokussierung auf die unmittelbare Krisensituation und die Betonung der Gerüchte über eine Grenzöffnung könnte ungewollt bestimmte Narrative verstärken, ohne dass tiefergehende strukturelle oder politische Zusammenhänge ausreichend beleuchtet werden. Die Auswahl der zitierten Personen und die Gewichtung verschiedener Aspekte (humanitäre Notlage vs. Sicherheitsmaßnahmen) können die Rezeption beeinflussen, auch wenn dies nicht manipulativ intendiert ist. Die breite Öffentlichkeit als Zielgruppe hat unterschiedliche Vorkenntnisse zum Thema Migration und könnte den Text als vollständige Darstellung der Situation wahrnehmen, obwohl er notwendigerweise selektiv ist.

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