Autor: Rebecca Barth
Datum: 2026-10-16
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-starlink-104.html
Journalistische Qualität: 3/5
Einflussnahme: 3/5
Der Artikel berichtet über Probleme mit dem Starlink-Satellitennetzwerk von Elon Musk in der Ukraine. Nach einem Diesel-Deal zwischen Trump und Putin sowie Raketenangriffen ohne Vorwarnung kam es zu Ausfällen bei Starlink, das für die ukrainische Armee zentral ist. Ukrainische Sicherheitsexperten sehen darin kein Zufall, sondern politischen Druck der US-Regierung, um die Ukraine zur Kapitulation zu zwingen. Präsident Selenskyj äußert sich resigniert über US-russische Geschäftsinteressen im Energiebereich. Die Ukraine ist zunehmend auf Europa angewiesen, da die Abhängigkeit von den USA problematisch geworden ist. Militärexperten berichten, dass die Starlink-Drosselung Drohnenangriffe hinter russischen Linien verhinderte. Nach intensiven Gesprächen funktioniert Starlink laut Verteidigungsministerium wieder normal, und Raketenwarnsysteme sind wieder aktiv.
Die Überschrift "Enttäuscht von Musk, enttäuscht von Trump" und die Unterzeile "In der Ukraine scheint für viele klar: Die Starlink-Ausfälle sind kein Zufall, sondern politisch gewollt" geben den Inhalt des Artikels angemessen wieder. Die Überschrift benennt die beiden zentralen Akteure (Musk als Betreiber von Starlink, Trump als US-Präsident) und die emotionale Grundstimmung (Enttäuschung), die der Artikel durchgehend dokumentiert. Die Unterzeile führt die Hauptthese ein: Die technischen Probleme werden in der Ukraine als politisch motiviert interpretiert. Der Artikelinhalt stützt beide Aussagen: **Enttäuschung von Musk:** Der Text beschreibt die Starlink-Ausfälle und deren militärische Konsequenzen. Militärexperte Melnyk wird zitiert, dass die Drosselung ukrainische Drohnenangriffe verhinderte. Die Abhängigkeit von Musks Technologie wird als Schwachstelle dargestellt. **Enttäuschung von Trump:** Sicherheitsexperte Samus wird mit der Aussage zitiert, die US-Regierung wende "zynische Methoden" an, um die Ukraine zur Kapitulation zu zwingen. Präsident Selenskyj äußert sich resigniert über US-russische Geschäftsinteressen. Der Artikel konstatiert: "Auf die USA kann sich in dem angegriffenen Land niemand mehr verlassen." **Politische Interpretation der Ausfälle:** Die Unterzeile wird durch mehrere Stimmen im Text gestützt. Samus wird zitiert: "Kein Zufall". Der Artikel stellt den zeitlichen Zusammenhang zwischen Diesel-Deal, Drohungen, Raketenangriffen und Starlink-Problemen her. Die Überschrift vermeidet allerdings eine wichtige Nuancierung: Der Artikel berichtet am Ende, dass Starlink nach Gesprächen wieder funktioniert und Warnsysteme aktiv sind. Diese teilweise Entspannung wird in der Überschrift nicht angedeutet. Insgesamt ist die Überschrift eine faire Zusammenfassung der Hauptaussagen, auch wenn sie die abschließende Entwicklung nicht abbildet.
Texttyp: Bericht
Der Text ist überwiegend im Indikativ verfasst, enthält jedoch bedeutende Passagen im Konjunktiv und in der indirekten Rede, die Einschätzungen und Interpretationen ukrainischer Akteure wiedergeben. **Indikativische Passagen (Tatsachenbehauptungen):** Der Artikel präsentiert mehrere Sachverhalte als Fakten: - "Erst der Diesel-Deal zwischen Trump und Putin, dann unverhohlene Drohungen gegen die Ukraine, gefolgt von Raketeneinschlägen ohne Vorwarnung und einer Drosselung der SpaceX-Satellitendaten." - "Die Probleme mit der Nutzung von Starlink [...] sind für viele in der Ukraine nicht wahllos." - "Europa ist mittlerweile der wichtigste Partner für die Ukraine." - "Starlink könne wieder wie gewohnt eingesetzt werden, berichtet das ukrainische Verteidigungsministerium." Diese Aussagen werden ohne Einschränkung als gegeben dargestellt. **Konjunktivische und indirekte Rede (Behauptungen Dritter):** Wesentliche Interpretationen werden als Positionen ukrainischer Experten und Politiker gekennzeichnet: - Samus: "Die US-Regierung wendet auf absolut zynische Weise alle möglichen Methoden an, um [...] die Menschen in der Ukraine zur Kapitulation zu zwingen." (indirekte Rede) - "Es ginge Trump und Putin lediglich darum, Geschäfte zu machen" (Konjunktiv I, Samus' Meinung) - Selenskyj: "Ich glaube, dass sie Energieprojekte umsetzen wollen" (indirekte Rede mit Glaubensbekundung) - "Trumps Ukraine-Problem solle gelöst werden - indem die Ukraine aufgibt. So zumindest empfinden viele das Verhalten des US-Präsidenten." (Konjunktiv I + Einschränkung "empfinden viele") **Bewertung:** Der Text unterscheidet zwischen verifizierbaren Ereignissen (Starlink-Ausfälle, Regierungsaussagen) und Interpretationen dieser Ereignisse. Die politischen Motive hinter den technischen Problemen werden durchgehend als ukrainische Sichtweise markiert ("für viele in der Ukraine", "ist der Analyst überzeugt", "so zumindest empfinden viele"). Allerdings verschwimmt diese Grenze stellenweise: Die Formulierung "An einen Zufall glaubt in der Ukraine kaum einer mehr" wird unmittelbar gefolgt von Samus' Zitat, ohne dass der Artikel selbst eine alternative Erklärung diskutiert oder die Kausalitätsbehauptung hinterfragt. Die sprachliche Gestaltung legt nahe, dass der Artikel die ukrainische Interpretation der Ereignisse referiert, ohne sie vollständig zu übernehmen, aber auch ohne sie kritisch zu prüfen.
Der Bericht weist eine solide faktische Grundlage auf, die durch externe Recherchen weitgehend bestätigt wird, und erfüllt grundlegende Transparenzanforderungen durch klare Autorenschaft und nachvollziehbare Quellenangaben. Erhebliche Schwächen zeigen sich jedoch in der Sachlichkeit und der Trennung von Nachricht und Meinung: Die Darstellung ist durchgängig emotional aufgeladen, verwendet tendenziöse Formulierungen und übernimmt wertende Expertenaussagen ohne kritische Distanzierung. Die Unschuldsvermutung wird durch die indikativische Darstellung von Schuldzuweisungen und Motivunterstellungen beeinträchtigt, während die Verifikationsmöglichkeiten durch teilweise vage Quellenangaben eingeschränkt sind. Positiv hervorzuheben ist die vollständig diskriminierungsfreie Sprache und die grundsätzliche Wahrung der Persönlichkeitsrechte im Rahmen legitimer Kritik an öffentlichen Amtsträgern.
Gut
Die Autorenschaft ist klar ausgewiesen (Rebecca Barth), und der Text erscheint auf tagesschau.de, einem etablierten öffentlich-rechtlichen Medium mit transparenter Organisationsstruktur. Finanzierung und redaktionelle Verantwortung sind über die Impressumsseiten der ARD nachvollziehbar. Potenzielle Interessenkonflikte werden nicht explizit thematisiert, was bei einem Bericht über geopolitische Entwicklungen jedoch auch nicht zwingend erforderlich ist, da keine direkten kommerziellen oder persönlichen Verflechtungen erkennbar sind. Die Transparenz ist insgesamt substanziell gegeben, mit nur geringfügigen Lücken bei der expliziten Offenlegung von Hintergrundinformationen zu den zitierten Experten.
Gut
Die wesentlichen Fakten des Berichts sind durch externe Recherche bestätigt: Die Starlink-Störungen Mitte Oktober 2026, der Diesel-Deal zwischen Trump und Putin vom 9. Oktober 2026, und die Wiederherstellung des Starlink-Dienstes am 15. Oktober 2026 sind durch mehrere unabhängige Quellen belegt. Das Selenskyj-Interview mit Reuters und seine Kritik am Trump-Putin-Deal sind ebenfalls dokumentiert, wobei das spezifische Zitat über "Energieprojekte" nur teilweise verifiziert werden konnte. Die Darstellung der russischen Raketeneinschläge ohne Vorwarnung aufgrund fehlender US-Geheimdienstinformationen findet sich in den Rechercheergebnissen. Lediglich die Identität und Position von Mykhailo Samus als Direktor des "New Geopolitics Research Network" konnte nicht verifiziert werden, was jedoch ein nachrangiges Detail darstellt. Die Kernaussagen des Berichts entsprechen der dokumentierten Faktenlage.
Fragwürdig
Die Darstellung weist erhebliche Mängel in der Sachlichkeit auf. Bereits die Überschrift "Enttäuscht von Musk, enttäuscht von Trump" transportiert eine emotional wertende Perspektive. Der Text verwendet wiederholt tendenziöse Formulierungen wie "unverhohlene Drohungen", "auf absolut zynische Weise", "widerspenstige Ukraine" und "Geschäfte zu machen und sich zu bereichern". Die Darstellung ist stark durch die Perspektive ukrainischer Akteure geprägt, ohne dass alternative Sichtweisen oder neutrale Einordnungen ausreichend Raum erhalten. Sätze wie "Für viele in der Ukraine scheint klar" und "An einen Zufall glaubt in der Ukraine kaum einer mehr" werden als Tatsachenbehauptungen präsentiert, obwohl sie Interpretationen darstellen. Die Wortwahl ist durchgängig emotional aufgeladen und dramatisierend, was einer sachlichen Berichterstattung widerspricht.
Verwendbar
Der Text nennt mehrere Quellen, darunter den Sicherheitsexperten Mykhailo Samus, den Militärexperten Mykola Melnyk, das ukrainische Verteidigungsministerium und ein Reuters-Interview mit Präsident Selenskyj. Die Quellenangaben sind jedoch teilweise vage: Samus wird als "Direktor des New Geopolitics Research Network" bezeichnet, ohne dass diese Organisation näher eingeordnet oder ihre Unabhängigkeit transparent gemacht wird. Melnyk wird nur als "Militärexperte" benannt, ohne institutionelle Anbindung. Die Aussagen des Verteidigungsministeriums werden ohne direkte Quellenangabe oder Pressemitteilungsverweis zitiert. Das Reuters-Interview wird erwähnt, aber nicht mit einem Link oder einer präzisen Datumsangabe versehen. Während die Kernaussagen grundsätzlich nachvollziehbar sind, fehlt es an der Detailtiefe und Präzision, die eine vollständige unabhängige Überprüfung ermöglichen würde. Eine Kreuzverifizierung durch mehrere unabhängige Quellen ist nur teilweise erkennbar.
Fragwürdig
Der Text vermischt durchgängig faktische Berichterstattung mit wertenden Interpretationen, ohne diese klar zu trennen oder zu kennzeichnen. Aussagen wie "Die Probleme mit der Nutzung von Starlink [...] sind für viele in der Ukraine nicht wahllos" und "An einen Zufall glaubt in der Ukraine kaum einer mehr" werden als Tatsachenbehauptungen präsentiert, obwohl sie subjektive Einschätzungen darstellen. Die Expertenaussagen von Samus ("auf absolut zynische Weise", "Es ginge Trump und Putin lediglich darum, Geschäfte zu machen und sich zu bereichern") sind stark meinungsbetont, werden aber ohne kritische Distanzierung oder Gegengewicht übernommen. Die Überschrift "Enttäuscht von Musk, enttäuscht von Trump" transportiert eine Bewertung, die im Text nicht als Meinung gekennzeichnet, sondern als allgemeine Stimmungslage präsentiert wird. Es fehlt eine klare formale oder sprachliche Abgrenzung zwischen dem, was faktisch berichtet wird, und dem, was interpretiert oder bewertet wird.
Verwendbar
Der Text nennt mehrere Personen namentlich (Elon Musk, Donald Trump, Wladimir Putin, Wolodymyr Selenskyj, Mykhailo Samus, Mykola Melnyk), wobei die Darstellung im Wesentlichen ihre öffentlichen Rollen und politischen Positionen betrifft. Die Kritik an Musk und Trump erfolgt im Kontext ihrer politischen und geschäftlichen Entscheidungen, die von öffentlichem Interesse sind. Allerdings werden ihnen durch die zitierten Expertenaussagen Motive unterstellt ("Geschäfte zu machen und sich zu bereichern", "auf absolut zynische Weise"), die über eine sachliche Kritik hinausgehen und in den Bereich der Charakterbewertung fallen. Diese Zuschreibungen werden nicht als Spekulationen gekennzeichnet, sondern als Tatsachenbehauptungen präsentiert. Die Privatsphäre der genannten Personen wird nicht verletzt, und es gibt keine unangemessenen bildlichen Darstellungen. Die Grenze zwischen legitimer Kritik an öffentlichen Amtsträgern und persönlicher Herabwürdigung wird stellenweise berührt, aber nicht eindeutig überschritten.
Fragwürdig
Der Text schafft durch seine Darstellung einen deutlichen Eindruck von Schuld und vorsätzlichem Fehlverhalten, ohne dass formale Verfahren oder abschließende Beweise vorliegen. Die Starlink-Störungen werden nicht als technisches Problem oder als Ergebnis komplexer Entscheidungsprozesse dargestellt, sondern als "politisch gewollt" und als Teil einer zynischen Druckstrategie präsentiert. Trump und Putin werden durch die zitierten Expertenaussagen beschuldigt, "alle möglichen Methoden" anzuwenden, "um den ukrainischen Präsidenten [...] zur Kapitulation zu zwingen", und es wird ihnen unterstellt, dass es ihnen "lediglich darum" gehe, "Geschäfte zu machen und sich zu bereichern". Diese Darstellung erfolgt im Indikativ und ohne ausreichende Distanzierung durch den Konjunktiv oder durch Formulierungen wie "wird vorgeworfen" oder "steht im Verdacht". Die Expertenaussagen werden als Tatsachenbehauptungen übernommen, ohne dass alternative Erklärungen oder die Perspektive der Beschuldigten angemessen berücksichtigt werden. Der Text erzeugt strukturell den Eindruck, dass die Schuld bereits feststeht.
Sehr gut
Der Text verwendet durchgängig respektvolle und neutrale Sprache in Bezug auf Personen und Gruppen. Es gibt keine diskriminierenden Formulierungen, Stereotype oder Stigmatisierungen aufgrund von Herkunft, Nationalität, politischer Zugehörigkeit oder anderen geschützten Merkmalen. Die Darstellung der ukrainischen, amerikanischen und russischen Akteure erfolgt ohne pauschalierende oder abwertende Zuschreibungen. Auch wenn der Text eine klare politische Perspektive einnimmt, geschieht dies ohne diskriminierende Sprache oder Herabwürdigung von Personengruppen. Die Diversität der Akteure wird angemessen repräsentiert, und es werden keine Verallgemeinerungen vorgenommen, die ganze Bevölkerungsgruppen stigmatisieren würden.
Kontext: Journalismus-Kontext
Der Text zeigt eine klar positionierte journalistische Berichterstattung mit erkennbarer Perspektive. Die faktische Grundlage ist solide, die Darstellung jedoch fokussiert auf eine spezifische Interpretation der Ereignisse. Strategisches Framing und selektive Vollständigkeit prägen die Präsentation: Alternative Erklärungen für die Starlink-Probleme werden nicht erwogen, die Ereignisse werden in einen suggestiven Kausalzusammenhang gestellt. Die Sprache ist überwiegend professionell, zeigt aber wertende Elemente. Emotionale Appelle ergänzen die Argumentation, ohne sie zu dominieren. Die Absicht ist transparent, Handlungsaufforderungen fehlen. Insgesamt nutzt der Text rationale Argumente zur Überzeugung, ergänzt durch interpretative und emotionale Elemente, die eine bestimmte Lesart der Ereignisse nahelegen.
Zutreffend
Der Text berichtet über verifizierbare Ereignisse vom Oktober 2026: Die Starlink-Störungen in der Ukraine (14. Oktober), der Diesel-Deal zwischen Trump und Putin (9. Oktober) und die Wiederherstellung des Dienstes (15. Oktober) sind durch externe Quellen belegt. Die Darstellung der Ereignisabfolge ist faktisch korrekt. Allerdings werden einige Zitate und Einschätzungen (insbesondere von Mykhailo Samus) nicht mit konkreten Quellen versehen, und die kausalen Zusammenhänge zwischen den Ereignissen werden teilweise interpretativ dargestellt. Die Grundfakten sind zutreffend, die Interpretation geht stellenweise über das rein Faktische hinaus.
Fokussiert
Der Text präsentiert eine stark fokussierte Perspektive, die die Starlink-Ausfälle als politisch motivierte Druckausübung interpretiert. Alternative Erklärungen (technische Probleme, Sicherheitsbedenken, militärische Notwendigkeiten) werden nicht erwogen. Die Darstellung konzentriert sich auf ukrainische Stimmen und Interpretationen; Stellungnahmen von SpaceX, der US-Regierung oder unabhängigen Experten fehlen. Der Kontext des Diesel-Deals wird nur aus ukrainischer Sicht beleuchtet, wirtschaftliche oder energiepolitische Hintergründe bleiben unerwähnt. Die Auswahl der Fakten und Stimmen dient einer klaren Narrativlinie: Enttäuschung über die USA, Hinwendung zu Europa.
Ergänzend
Der Text nutzt moderate emotionale Elemente, die die faktische Berichterstattung ergänzen. Begriffe wie "widerspenstige Ukraine", "zynische Weise", "resigniert" und "Enttäuscht" erzeugen ein Gefühl von Ungerechtigkeit und Verlassenheit. Die Darstellung Trumps und Putins als rein profitorientierte Akteure, denen die Ukraine "nur stören" würde, appelliert an Empörung. Gleichzeitig bleibt die Sprache überwiegend sachlich-berichtend. Die emotionalen Elemente verstärken die Botschaft, dominieren aber nicht die Argumentation. Der Schluss mit den Raketenwarnsignalen auf Handys schafft eine dramatische, aber faktisch begründete Klammer.
Positioniert
Die Sprache ist überwiegend professionell und journalistisch, zeigt aber eine erkennbare Position. Wertende Formulierungen wie "unverhohlene Drohungen", "zynische Weise", "widerspenstige Ukraine" und "massive Druck" gehen über neutrale Beschreibung hinaus. Die Darstellung verwendet teilweise Konjunktiv ("so zumindest empfinden viele"), markiert damit Interpretationen, wechselt aber auch in den Indikativ bei nicht vollständig belegten Kausalzusammenhängen. Rhetorische Elemente wie die Aufzählung im Einstieg ("Erst... dann... gefolgt von...") strukturieren die Ereignisse suggestiv als Eskalationskette. Absolute Ausdrücke werden vermieden, Presuppositionen sind moderat vorhanden. Die Sprache ist positioniert, aber nicht polarisierend.
Strategisch
Der Text nutzt mehrere Framing-Ebenen strategisch: Der Titel "Enttäuscht von Musk, enttäuscht von Trump" setzt bereits einen emotionalen Rahmen. Die Eröffnung konstruiert eine Eskalationskette (Diesel-Deal → Drohungen → Raketen → Starlink-Drosselung), die einen kausalen Zusammenhang nahelegt, ohne ihn explizit zu beweisen. Das durchgängige Frame "USA als unzuverlässiger Partner vs. Europa als Hoffnungsträger" strukturiert die gesamte Darstellung. Die Metapher der "widerspenstigen Ukraine" als Störfaktor für Geschäftsinteressen schafft ein Opfer-Täter-Narrativ. Die Akkumulation der Ereignisse erzeugt ein Muster politischer Erpressung, das über die einzelnen Fakten hinausgeht. Alternative Frames (technische Notwendigkeit, Sicherheitserwägungen) werden nicht angeboten.
Nachvollziehbar
Die Argumentation folgt einer nachvollziehbaren Struktur: Ereignisdarstellung → Interpretation durch Experten → Schlussfolgerung. Allerdings werden Korrelationen teilweise als Kausalitäten präsentiert: Die zeitliche Nähe von Diesel-Deal und Starlink-Problemen wird als Beleg für politische Motivation gedeutet, ohne alternative Erklärungen zu prüfen. Die Argumentation stützt sich stark auf Autoritäten (Sicherheitsexperte Samus, Präsident Selenskyj), deren Einschätzungen als Belege für die These dienen. Ein Zirkelschluss ist erkennbar: Die Starlink-Ausfälle werden als "kein Zufall" bezeichnet, weil sie in ein Muster passen, das durch die Interpretation der Ausfälle als nicht-zufällig erst konstruiert wird. Die logische Struktur ist grundsätzlich nachvollziehbar, weist aber Schwächen in der Beweisführung auf.
Offen
Die journalistische Absicht ist klar erkennbar: Berichterstattung über aktuelle Entwicklungen im Ukraine-Konflikt aus ukrainischer Perspektive. Die Quelle (tagesschau.de) ist transparent, die Autorin namentlich genannt. Die Perspektive ist erkennbar pro-ukrainisch, wird aber nicht verschleiert. Zitate werden als solche gekennzeichnet, Interpretationen teilweise als subjektive Wahrnehmungen markiert ("so zumindest empfinden viele"). Die redaktionelle Linie ist offen: Kritik an der US-Politik, Betonung der europäischen Unterstützung. Kleinere Abzüge gibt es für nicht vollständig transparent gemachte Quellen bei einigen Expertenaussagen und für die nicht explizit gemachte interpretative Rahmung der Ereignisabfolge.
Informativ
Der Text enthält keine direkten Handlungsaufforderungen an die Leserschaft. Es werden weder Appelle formuliert noch Druck ausgeübt. Die Darstellung bleibt rein informativ-berichtend über die Situation in der Ukraine und die Haltung verschiedener Akteure. Auch implizit werden keine konkreten Handlungen nahegelegt (kein Spendenaufruf, keine Petition, kein Boykottaufruf). Die Autonomie der Leserschaft wird vollständig respektiert. Der Text informiert über politische Entwicklungen, ohne zu bestimmten Reaktionen aufzufordern.
Die erkennbare Absicht ist journalistische Berichterstattung über aktuelle Entwicklungen im Ukraine-Konflikt, verbunden mit einer Einordnung aus überwiegend ukrainischer Perspektive. Der Text zielt darauf ab, die Enttäuschung der Ukraine über die US-Politik zu vermitteln und die wachsende Bedeutung Europas als Partner hervorzuheben. Die wahrscheinliche Wirkung auf Leser ist eine kritische Haltung gegenüber der Trump-Administration und Sympathie für die ukrainische Position. Durch die Fokussierung auf politische Interpretationen der Starlink-Ausfälle wird eine Lesart nahegelegt, die technische oder militärische Erklärungen ausblendet. Die Darstellung könnte das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner untergraben und gleichzeitig die europäische Unterstützung als moralisch überlegen erscheinen lassen.
Der Text erscheint in einem etablierten journalistischen Medium (tagesschau.de) mit erkennbaren redaktionellen Standards. Die Autorin ist namentlich genannt, die Quelle transparent. Die berichteten Kernereignisse (Starlink-Störungen, Diesel-Deal, Wiederherstellung des Dienstes) sind faktisch verifizierbar. Der Text markiert teilweise Interpretationen als solche ("so zumindest empfinden viele", "So zumindest empfinden viele das Verhalten") und nutzt Konjunktiv zur Distanzierung. Die Perspektive ist erkennbar, nicht verschleiert. Es handelt sich um aktuelle Berichterstattung über ein komplexes, sich entwickelndes Geschehen, bei dem vollständige Informationen möglicherweise noch nicht verfügbar sind. Die emotionalen Elemente bleiben im Rahmen dessen, was in Krisenberichterstattung üblich ist.
Die Veröffentlichung auf tagesschau.de, einem der reichweitenstärksten und vertrauenswürdigsten deutschen Nachrichtenportale, verleiht dem Text erhebliche Autorität. Leser erwarten hier ausgewogene, umfassende Berichterstattung nach journalistischen Standards. Die strategische Rahmung der Ereignisse als politisch motivierte Druckkampagne ohne Prüfung alternativer Erklärungen ist in diesem Kontext problematischer als in einem explizit meinungsorientierten Format. Die Fokussierung auf eine Interpretation bei gleichzeitiger Auslassung von Gegenperspektiven (SpaceX, US-Regierung, unabhängige Militärexperten) kann bei der Leserschaft den Eindruck erwecken, es handle sich um die einzig plausible Deutung. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung während eines aktiven Konflikts erhöht die potenzielle Wirkung auf die öffentliche Meinungsbildung zu geopolitischen Fragen.
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