DECIPHERED: Die Vitamin-D-Lüge | Dr. Werner Bartens

Autor: Dr. med. Werner Bartens

Kanal: Dr. med. Werner Bartens

Datum: 2026-01-02T09:00:08Z

Dauer: 13 min

Quelle: https://youtube.com/watch?v=5pskdNsPwLE

Journalistische Qualität: nicht bewertbar

Einflussnahme: 3/5

Zusammenfassung

Dr. Werner Bartens, Medizinjournalist der Süddeutschen Zeitung, reagiert in diesem Video auf Kritik an seinen früheren Aussagen zu Vitamin D. Er wurde vorgeworfen, mit der Pharmaindustrie zu kooperieren, weil er die Notwendigkeit von Vitamin-D-Supplementen für die Mehrheit der Bevölkerung anzweifelt. Bartens erklärt, dass 80-90% des Vitamin-D-Bedarfs durch körpereigene Synthese gedeckt wird und zusätzlich Vitamin D über die Nahrung aufgenommen werden kann. Er verweist auf Empfehlungen der Stiftung Warentest, der Verbraucherzentralen, des Robert Koch-Instituts und medizinischer Fachgesellschaften, die bestätigen, dass die meisten gesunden Menschen keine Vitamin-D-Präparate benötigen. Nur bestimmte Risikogruppen – Säuglinge bis 2 Jahre, immobile Senioren, chronisch Kranke und Menschen, die sich aus kulturellen oder religiösen Gründen vollständig bedecken – sollten Supplemente einnehmen. Bartens kritisiert eine "Vitamin-D-Lobby" aus Heilpraktikern und Anbietern mit wirtschaftlichen Interessen, die überdosierte Präparate verkaufen und durch Panikmache profitieren. Er betont, dass viele Präparate das 10- bis 20-fache der empfohlenen Dosis enthalten und Überdosierung gesundheitsschädlich sein kann. Wissenschaftlich sei nicht belegt, dass Vitamin D vor Infekten, Depressionen, Krebs oder Corona schützt. Einzelne Vitamin-D-Messungen seien unzuverlässig und würden keine klinische Relevanz haben. Der Umsatz mit Vitamin-D-Produkten ist in den letzten 5 Jahren um 70% gestiegen, obwohl laut Robert Koch-Institut nur 10-15% der Bevölkerung einen Mangel aufweisen könnten.

Schlagzeile vs. Inhalt

Der Titel "Die Vitamin-D-Lüge" ist tendenziell reißerisch und gibt den Inhalt des Videos nur teilweise wieder. Der Begriff "Lüge" suggeriert bewusste Täuschung, während Bartens im Video differenzierter argumentiert: Er spricht von "Verschwörungserzählungen", "Propaganda" und einer "Vitamin-D-Lobby" mit wirtschaftlichen Interessen, die einen nicht existierenden Mangel behauptet. Der Inhalt des Videos ist jedoch komplexer als der Titel vermuten lässt. Bartens bestreitet nicht grundsätzlich die Bedeutung von Vitamin D oder dass bestimmte Risikogruppen Supplemente benötigen. Seine Kernaussage ist, dass die Mehrheit der gesunden Bevölkerung keine zusätzlichen Präparate braucht und dass die Behauptung eines flächendeckenden Mangels wissenschaftlich nicht haltbar ist. Der Titel könnte bei Lesern den Eindruck erwecken, Vitamin D sei generell unwichtig oder die Einnahme grundsätzlich schädlich – was nicht Bartens' Position ist. Er differenziert zwischen berechtigtem Bedarf bei Risikogruppen und unnötiger Supplementierung bei Gesunden. Der Titel vereinfacht diese Differenzierung zu einer pauschalen "Lüge"-Behauptung. Die Videobeschreibung ist ausgewogener und erklärt, dass es um die Frage geht, wer Vitamin D wirklich braucht und wann Supplemente sinnvoll sind. Sie erwähnt auch, dass Bartens auf Vorwürfe der Industrienähe reagiert. Insgesamt ist der Titel zugespitzt und polarisierend gewählt, vermutlich um Aufmerksamkeit zu generieren, gibt aber die nuancierte Argumentation des Videos nur verkürzt wieder. Der Inhalt selbst ist differenzierter als der Titel suggeriert.

Texttyp: Kommentar (nicht gekennzeichnet)

Sprachlicher Modus

Das Video ist überwiegend im Indikativ verfasst und präsentiert Aussagen als gesicherte Fakten. Dr. Bartens verwendet eine assertive, selbstbewusste Sprache und stützt seine Argumentation auf Verweise auf institutionelle Quellen (Stiftung Warentest, Verbraucherzentralen, Robert Koch-Institut, medizinische Fachgesellschaften). Typische indikativische Formulierungen: - "Es ist nämlich so..." - "Die Grundfeststellung ist, dass..." - "Tatsächlich ist es so, dass..." - "Man weiß das." - "Es ist nicht belegt, dass..." - "Das ist das Motiv für die..." Konjunktivische oder einschränkende Formulierungen sind selten. Bartens verwendet gelegentlich modalisierende Ausdrücke wie "wahrscheinlich", "kann", "könnte", aber diese beziehen sich meist auf Erklärungen für Phänomene (z.B. "das liegt wahrscheinlich daran") oder auf mögliche Gesundheitsrisiken bei Überdosierung. Bei der Darstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse verwendet Bartens Formulierungen wie: - "Es ist nicht belegt" (mehrfach wiederholt) - "Es gilt sogar als gefährlich" - "Man weiß das" Diese Formulierungen präsentieren den aktuellen wissenschaftlichen Konsens als feststehende Tatsache, ohne Raum für alternative Interpretationen zu lassen. Bei der Kritik an der "Vitamin-D-Lobby" verwendet Bartens ebenfalls assertive Sprache: - "Das sind oft Leute mit Privatinstituten, mit wirtschaftlichen Interessen, die wollen an der Panikmache verdienen" - "Sie wollen ihre eigenen Taschen voll machen. Das ist das Motiv für die und nicht die Gesundheit der Menschen." Diese Aussagen über Motive und Absichten werden als Fakten präsentiert, nicht als Vermutungen. Insgesamt dominiert der Indikativ. Das Video präsentiert eine klare Position als wissenschaftlich gesichert und lässt wenig Raum für Unsicherheit oder alternative Sichtweisen. Die Argumentation ist konfrontativ gegenüber Vitamin-D-Befürwortern und präsentiert die eigene Position als durch unabhängige Institutionen abgesichert.

Journalistische Qualität

Bei diesem Text handelt es sich um einen Kommentar bzw. ein Meinungsvideo, bei dem eine journalistische Qualitätsbewertung nach den Kriterien für nachrichtliche Berichterstattung nicht anwendbar ist. Der Text erfüllt zwar hohe Standards hinsichtlich Transparenz, Faktentreue und Überprüfbarkeit durch umfassende Quellenangaben und korrekte Wiedergabe wissenschaftlicher Erkenntnisse. Als Kommentar ist er jedoch explizit subjektiv und meinungsbetont angelegt, weshalb Kriterien wie Sachlichkeit und die strikte Trennung von Nachricht und Meinung hier nicht als Bewertungsmaßstab dienen können. Für die Einordnung als Meinungsbeitrag ist der Text klar gekennzeichnet und transparent in seiner Argumentation.

Einzelne Prinzipien

Prinzip der Transparenz: 5/5

Sehr gut

Die Transparenz ist vorbildlich erfüllt. Der Autor Dr. Werner Bartens ist klar identifizierbar als Medizinredakteur der Süddeutschen Zeitung mit medizinischer Ausbildung. Seine professionelle Rolle und institutionelle Anbindung sind erkennbar. Alle verwendeten Quellen (Verbraucherzentrale, Stiftung Warentest, Fachgesellschaften) werden explizit genannt und verlinkt. Der Autor legt seine Position transparent dar und benennt potenzielle Interessenkonflikte anderer Akteure (Vitamin-D-Lobby, kommerzielle Anbieter), ohne eigene wirtschaftliche Interessen zu verschleiern.

Prinzip der Faktentreue: 5/5

Sehr gut

Alle wesentlichen Faktenbehauptungen sind korrekt und durch die externe Recherche bestätigt. Die Angabe zum Stiftung-Warentest-Test von 25 Vitamin-D-Präparaten mit dem Ergebnis, dass nur zwei geeignet sind, ist verifiziert. Die Empfehlung von 800 IE für Risikogruppen entspricht den offiziellen Vorgaben des Bundesinstituts für Risikobewertung. Die Aussage zur Vitamin-D-Supplementierung für Säuglinge bis 2 Jahre und die Position der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin gegen generelle Supplementierung darüber hinaus sind korrekt. Die Angabe, dass 80-90% des Vitamin D vom Körper selbst hergestellt werden, wird durch Quellen gestützt. Warnungen vor Überdosierung und möglichen Nierenschäden sind ebenfalls faktisch belegt.

Prinzip der Sachlichkeit: nicht anwendbar

Nicht anwendbar

Bei diesem Text handelt es sich um einen Kommentar, bei dem eine subjektive Bewertung und Meinungsäußerung zum Thema Vitamin D erwartet wird und zum Genre gehört. Der Autor nimmt explizit Stellung gegen übertriebene Vitamin-D-Supplementierung und kritisiert kommerzielle Interessen. Eine Bewertung nach dem Prinzip der Sachlichkeit ist bei diesem Texttyp nicht sinnvoll, da Kommentare per Definition eine persönliche Position vertreten dürfen und sollen.

Prinzip der Überprüfbarkeit: 5/5

Sehr gut

Die Überprüfbarkeit ist vorbildlich gewährleistet. Alle wesentlichen Quellen werden explizit benannt und mit vollständigen Links versehen: Verbraucherzentrale, Stiftung Warentest, Nature-Publikation, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Es werden überwiegend Primärquellen verwendet (Originalstudien, Stellungnahmen von Fachgesellschaften, Berichte unabhängiger Verbraucherschutzorganisationen). Die Behauptungen sind durch mehrere unabhängige Quellen kreuzverifiziert (Robert-Koch-Institut, Bundesinstitut für Risikobewertung, Verbraucherzentralen). Ein Leser kann alle zentralen Aussagen selbstständig nachprüfen.

Prinzip der Trennung und Kennzeichnung: 4/5

Gut

Die Trennung von Fakten und Meinung ist grundsätzlich erkennbar, auch wenn es sich um einen Kommentar handelt. Der Autor präsentiert zunächst Fakten aus wissenschaftlichen Quellen und Studien, bevor er seine Bewertung vornimmt. Die Meinungsäußerungen (z.B. Kritik an der "Vitamin-D-Lobby", Warnung vor kommerziellen Interessen) sind als solche erkennbar und vom Autor klar als seine Position formuliert. Der Text ist als Video-Kommentar eines namentlich genannten Autors (Dr. Werner Bartens) gekennzeichnet. Einzelne wertende Formulierungen vermischen sich gelegentlich mit der Faktendarstellung, was aber im Rahmen eines Kommentars akzeptabel ist.

Prinzip des Schutzes der Persönlichkeitsrechte: 4/5

Gut

Die Persönlichkeitsrechte werden weitgehend respektiert. Der Autor kritisiert zwar eine "Vitamin-D-Lobby" und Personen mit "fragwürdiger medizinischer Ausbildung", benennt aber keine konkreten Einzelpersonen namentlich, sondern bleibt auf der Ebene von Akteursgruppen. Die Kritik richtet sich gegen Geschäftsmodelle und kommerzielle Praktiken, nicht gegen die Würde einzelner Personen. Gelegentlich werden pauschale Zuschreibungen verwendet ("Heilpraktiker", "Menschen ohne medizinische Ausbildung"), die als Gruppenbezeichnungen aber noch im Rahmen zulässiger Kritik liegen. Es erfolgt keine namentliche Bloßstellung oder Diffamierung konkreter Personen.

Prinzip der Unschuldsvermutung: nicht anwendbar

Nicht anwendbar

Der Text behandelt keine Ermittlungs- oder Strafverfahren gegen identifizierbare Einzelpersonen. Es werden keine konkreten Beschuldigungen gegen namentlich genannte Personen erhoben. Die Kritik richtet sich gegen Geschäftspraktiken und Interessengruppen im Allgemeinen, nicht gegen Individuen in rechtlichen Verfahren. Das Prinzip der Unschuldsvermutung ist daher auf diesen Text nicht anwendbar.

Prinzip der Nicht-Diskriminierung: 5/5

Sehr gut

Der Text verwendet durchgehend respektvolle und nicht-diskriminierende Sprache. Es werden keine Personen oder Gruppen aufgrund geschützter Merkmale (Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion, Behinderung etc.) abgewertet oder stereotypisiert. Die Kritik richtet sich ausschließlich gegen Geschäftspraktiken und wissenschaftlich nicht fundierte Behauptungen, nicht gegen Personengruppen. Risikogruppen für Vitamin-D-Mangel (Säuglinge, immobile Senioren, Menschen mit bestimmten Erkrankungen) werden sachlich und ohne Stigmatisierung benannt. Die Sprache ist durchweg fair und respektvoll gegenüber allen erwähnten Gruppen.

Kontext: Journalismus-Kontext

Beeinflussungsanalyse

Der Text verfolgt eine klare aufklärerische Absicht mit überwiegend sachlicher Argumentation, die auf etablierte Gesundheitsorganisationen gestützt ist. Die Faktenbasis ist solide, mit verifizierbaren Quellen und korrekten Kernaussagen. Die Darstellung ist weitgehend ausgewogen, fokussiert aber stark auf die Widerlegung von Supplementierungs-Befürwortern, die als kommerziell motiviert charakterisiert werden. Moderate emotionale Elemente und wertende Sprache ("Propaganda", "Panikmache") verstärken die Position, ohne die rationale Argumentation zu dominieren. Das Framing durch den Titel "Die Vitamin-D-Lüge" und die Dichotomie zwischen unabhängigen Organisationen und "Vitamin-D-Lobby" ist erkennbar, aber nicht manipulativ. Die Transparenz der Absicht ist hoch, Handlungsaufforderungen bleiben sanft und respektieren die Autonomie der Zuschauer. Insgesamt liegt eine argumentative, positionierte Aufklärung vor, die überzeugen möchte, aber nicht systematisch manipuliert.

Einzelne Dimensionen

Faktenbasis: 4/5

Zutreffend

Der Text stützt sich auf überprüfbare Quellen wie Stiftung Warentest, Verbraucherzentralen, das Robert Koch-Institut und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Die zentralen Aussagen – dass Stiftung Warentest 25 Vitamin-D-Präparate getestet hat, dass nur zwei Produkte geeignet sind, dass die meisten Menschen keine Supplemente benötigen und dass viele Präparate überdosiert sind – werden durch die externe Recherche bestätigt. Auch die Empfehlung von 800 IE für Risikogruppen und die Supplementierung für Säuglinge bis zum zweiten Lebensjahr sind korrekt. Die Behauptung eines 70-prozentigen Umsatzanstiegs bei Vitamin-D-Produkten in den letzten fünf Jahren konnte nicht verifiziert werden, ebenso wenig die Angabe, dass 40 Prozent der Erwachsenen Vitamin-D-Präparate nehmen. Diese nicht verifizierten Zahlen beeinträchtigen die ansonsten solide Faktenbasis leicht.

Vollständigkeit der Darstellung: 3/5

Repräsentativ

Der Text präsentiert die Position etablierter Gesundheitsorganisationen umfassend und nennt mehrere unabhängige Quellen. Die Gegenperspektive – die "Vitamin-D-Lobby" – wird erwähnt und charakterisiert, allerdings primär als kommerzielle Interessengruppe ohne detaillierte Darstellung ihrer Argumente. Risikogruppen werden benannt (Säuglinge, immobile Senioren, Menschen mit kultureller Bedeckung), und es wird erklärt, wann Supplementierung sinnvoll ist. Kontextinformationen zur körpereigenen Vitamin-D-Synthese (80-90%) und zur Speicherung über den Winter werden gegeben. Alternative Erklärungen für niedrige Messwerte (Momentaufnahmen, schwankende Werte) werden angesprochen. Die Darstellung ist insgesamt ausgewogen, fokussiert aber stark auf die Widerlegung von Supplementierungs-Befürwortern.

Emotionale Appelle: 3/5

Ergänzend

Der Text verwendet moderate emotionale Elemente, insbesondere bei der Charakterisierung der Gegenseite. Begriffe wie "Panikmache", "Angstmache", "absurde Verschwörungserzählungen" und die Metapher der "Dollarzeichen in den Augen" appellieren an Empörung über vermeintliche Manipulation. Die Verteidigung gegen Vorwürfe der Pharmaindustrie-Nähe hat einen persönlichen, rechtfertigenden Ton. Gleichzeitig werden sachliche Argumente und Studienergebnisse präsentiert, die den emotionalen Elementen Substanz verleihen. Die Emotionalisierung dient primär der Abgrenzung von kommerziellen Interessen und weniger der reinen Manipulation. Insgesamt bleibt die Argumentation überwiegend rational, mit emotionalen Akzenten als Verstärkung.

Sprache: 3/5

Positioniert

Die Sprache ist überwiegend klar und verständlich, mit deutlicher Positionierung gegen Vitamin-D-Supplementierung für die Allgemeinbevölkerung. Wertende Begriffe wie "Propaganda", "unseriöse Anbieter", "fragwürdige medizinische Ausbildung" und "Heilsversprechen" markieren eine klare Haltung. Die Charakterisierung der Gegenseite als "Vitamin-D-Lobby" mit kommerziellen Interessen ist evaluativ. Gleichzeitig werden Fachbegriffe (internationale Einheiten, Eigensynthese) erklärt und wissenschaftliche Quellen neutral benannt. Rhetorische Fragen ("Kann das wirklich jemand ernsthaft glauben?") und Wiederholungen verstärken die Argumentation. Die Sprache ist professionell, aber nicht neutral – sie nimmt eine Position ein und verteidigt sie mit klarer Wortwahl.

Framing: 3/5

Moderat

Der Titel "Die Vitamin-D-Lüge" setzt einen starken Frame, der Täuschung suggeriert. Das Video wird als Reaktion auf Vorwürfe gerahmt ("Aufschrei", "Unterstellung"), was eine Verteidigungsposition etabliert. Die zentrale Dichotomie zwischen "unabhängigen Organisationen" (Stiftung Warentest, Verbraucherzentralen) und "Vitamin-D-Lobby" (Heilpraktiker, kommerzielle Anbieter) strukturiert die Argumentation. Die "Verschwörungserzählung" der Gegenseite wird als absurd dargestellt, während die eigene Position als evidenzbasiert gerahmt wird. Metaphern wie "Dollarzeichen in den Augen" und "Panikmache" verstärken das Frame kommerzieller Ausbeutung. Die Fakten werden in einen Kontext der Verbraucherschutz-Aufklärung eingebettet. Das Framing ist erkennbar, aber nicht totalitär – alternative Interpretationen bleiben möglich.

Argumentationsstruktur: 4/5

Fundiert

Die Argumentation folgt einer klaren Struktur: Zunächst werden die Vorwürfe benannt, dann die Quellen für die eigene Position aufgeführt, die Funktionen von Vitamin D erklärt, Risikogruppen definiert und schließlich die Kritik an überdosierten Präparaten dargelegt. Die Thesen werden mit konkreten Quellen belegt (Stiftung Warentest, Verbraucherzentralen, RKI, DGKJ). Ein Autoritätsargument liegt vor (Berufung auf etablierte Institutionen), ist aber durch die Vielzahl unabhängiger Quellen gestützt. Die Charakterisierung der Gegenseite als kommerziell motiviert grenzt an ein Ad-hominem-Argument, wird aber durch den Hinweis auf Interessenkonflikte (eigene Shops, Tests) sachlich untermauert. Die Argumentation ist überwiegend logisch und evidenzbasiert, mit nur geringen rhetorischen Schwächen.

Transparenz der Absicht: 4/5

Offen

Die Absicht des Autors ist klar erkennbar: Aufklärung über die begrenzte Notwendigkeit von Vitamin-D-Supplementierung und Verteidigung gegen Vorwürfe der Pharmaindustrie-Nähe. Der Autor benennt explizit seine Motivation ("unabhängig, evidenzbasiert aufklären") und betont, dass er finanziell nicht von seiner Position profitiert. Die Quellen werden transparent genannt und verlinkt. Der Autor identifiziert sich als Medizinjournalist der Süddeutschen Zeitung und verweist auf seine Bücher, was Kontext zur beruflichen Position gibt. Die Transparenz wird nur leicht durch die polemische Charakterisierung der Gegenseite beeinträchtigt, die deren Motive (Profit) stark betont, während die eigene Unabhängigkeit hervorgehoben wird. Insgesamt ist die Absicht offen kommuniziert.

Handlungsaufforderungen: 4/5

Andeutend

Der Text enthält keine direkten, drängenden Handlungsaufforderungen. Die zentrale Botschaft ist eine Empfehlung, auf unnötige Vitamin-D-Supplementierung zu verzichten ("ihr braucht das nicht"), formuliert als Ratschlag ohne Druck. Am Ende wird sanft zur Information auf dem eigenen Kanal eingeladen und um ein Abonnement gebeten, was für YouTube-Inhalte üblich ist. Die Autonomie der Zuschauer wird respektiert durch Formulierungen wie "wenn ihr es nicht wisst, informiert euch" und "wenn euch meine Videos gefallen". Es werden keine Ultimaten gesetzt, keine Zeitdruckelemente verwendet und keine negativen Konsequenzen bei Nichtbefolgung angedroht. Die Handlungsaufforderungen sind suggestiv und beratend, nicht direktiv oder zwingend.

Persuasions-Metaanalyse

Absicht und Wirkung

Die Absicht des Textes ist primär aufklärerisch und defensiv: Der Autor möchte über die wissenschaftliche Evidenz zur Vitamin-D-Supplementierung informieren und sich gegen Vorwürfe der Pharmaindustrie-Nähe verteidigen. Die Wirkung auf Zuschauer dürfte differenziert ausfallen: Personen, die bereits Vitamin-D-Präparate nehmen, könnten ihre Praxis hinterfragen; Personen, die der "Vitamin-D-Lobby" nahestehen, könnten sich angegriffen fühlen. Die Charakterisierung kommerzieller Anbieter als profitorientiert und die Betonung unabhängiger Quellen zielt darauf ab, Vertrauen in die präsentierte Position aufzubauen. Der Text möchte überzeugen, dass die Mehrheit der Bevölkerung keine Supplemente benötigt, und Skepsis gegenüber kommerziellen Gesundheitsversprechen fördern. Die Wirkung ist argumentativ-persuasiv, nicht manipulativ, da die Evidenzbasis transparent dargelegt wird.

Mildernde Umstände

Der Text ist als journalistisches Video eines etablierten Medizinjournalisten der Süddeutschen Zeitung erkennbar, was Erwartungen an Qualität und Unabhängigkeit weckt. Die Quellen werden transparent genannt und verlinkt, sodass Zuschauer die Informationen selbst überprüfen können. Der Autor benennt explizit seine aufklärerische Absicht und betont seine finanzielle Unabhängigkeit vom Thema. Die Argumentation stützt sich auf etablierte, unabhängige Gesundheitsorganisationen (Stiftung Warentest, Verbraucherzentralen, RKI), nicht auf Einzelmeinungen. Die Risikogruppen, für die Supplementierung sinnvoll ist, werden klar benannt, sodass keine pauschale Ablehnung erfolgt. Der Kontext als Reaktion auf Vorwürfe erklärt den teils defensiven Ton. Diese Faktoren mildern die persuasive Wirkung, da Transparenz und Nachvollziehbarkeit gegeben sind.

Verschärfende Umstände

Der Titel "Die Vitamin-D-Lüge" ist stark wertend und suggeriert systematische Täuschung, was die Erwartungshaltung der Zuschauer prägt, bevor sie den Inhalt rezipieren. Die Charakterisierung der Gegenseite als "Vitamin-D-Lobby" mit "Dollarzeichen in den Augen" und "fragwürdiger medizinischer Ausbildung" ist polemisch und könnte als Ad-hominem-Argumentation wahrgenommen werden, auch wenn kommerzielle Interessenkonflikte real sind. Die institutionelle Plattform (Süddeutsche Zeitung, etablierter Medizinjournalist) verleiht dem Text Autorität, die die Überzeugungskraft verstärkt. Die Zielgruppe ist breit (YouTube-Publikum), und Gesundheitsthemen betreffen potenziell vulnerable Personen, die nach Orientierung suchen. Die emotionale Aufladung durch Begriffe wie "Panikmache" und "Propaganda" könnte die rationale Auseinandersetzung mit der Gegenseite erschweren. Diese Faktoren erhöhen die persuasive Wirkung über die reine Faktendarstellung hinaus.

Über den Autor

Biografie

Dr. med. Werner Bartens ist ein deutscher Arzt und Medizinjournalist, geboren 1966. Er studierte Medizin und Geschichte in Freiburg, Hamburg und Berlin. Bartens promovierte in Medizin und arbeitete zunächst als Arzt, bevor er in den Journalismus wechselte. Seit 2002 ist er Redakteur im Ressort Wissen der Süddeutschen Zeitung, wo er sich auf medizinische Themen spezialisiert hat. Er gilt als einer der profiliertesten Medizinjournalisten im deutschsprachigen Raum.

Karriere

Werner Bartens ist seit über zwei Jahrzehnten als Medizinjournalist bei der Süddeutschen Zeitung tätig. Er hat zahlreiche Bücher zu medizinischen und gesundheitspolitischen Themen veröffentlicht, darunter Bestseller wie "Körperglück" (2010), "Heillose Zustände" (2012), "Empathie - Die Macht des Mitgefühls" (2015) und "Gesundheitsrisiko weiblich" (2022). Sein neuestes Buch "Leib und Seele - Eine Reise durch die Geschichte der Medizin" erschien im April 2025. Bartens ist bekannt für seine kritische, evidenzbasierte Berichterstattung über medizinische Themen und seine Skepsis gegenüber übertriebenen Heilsversprechen. Er betreibt auch einen YouTube-Kanal, auf dem er medizinische Aufklärung betreibt. Sein Schreibstil ist sachlich-kritisch, oft mit ironischen Untertönen, und er positioniert sich als Vertreter einer wissenschaftlich fundierten Medizin gegen pseudowissenschaftliche Trends.


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