Datum: 2020-12-10
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/corona-demonstrationen-wer-marschiert-da-zusammen-100.html
Journalistische Qualität: 4/5
Einflussnahme: 4/5
Der Artikel analysiert die Zusammensetzung der Corona-Demonstrationen in Deutschland im Jahr 2020. Er stellt fest, dass die Proteste hauptsächlich von der Initiative "Querdenken 711" aus Stuttgart organisiert werden, zu der sich ein heterogenes Spektrum gesellt: von Impfgegnern über Esoteriker bis zu Reichsbürgern und Rechtsextremen. Der Verfassungsschutz beobachtet mittlerweile Teile der "Querdenken"-Bewegung wegen Anhaltspunkten für extremistische Bestrebungen und zunehmender Radikalisierung. Der Text beschreibt verschiedene beteiligte Gruppierungen wie "Ärzte für Aufklärung", "Anwälte für Aufklärung", "Widerstand 2020" und Einzelakteure wie Ken Jebsen und Attila Hildmann. Experten erklären die ungewöhnliche Allianz zwischen politisch gegensätzlichen Gruppen mit einer gemeinsamen "Empörungsbewegung" gegen staatliche Autoritäten, verbunden durch Verschwörungstheorien und ein autoritäres Gesellschaftsverständnis. Trotz der medialen Aufmerksamkeit befürworten laut Umfragen über drei Viertel der Bevölkerung die Corona-Maßnahmen, während 10-14 Prozent bereit sind, dagegen zu demonstrieren.
Die Überschrift "Wer marschiert da zusammen?" entspricht dem Inhalt des Artikels. Der Text beantwortet diese Frage systematisch und ausführlich, indem er die verschiedenen Gruppen und Akteure beschreibt, die an den Corona-Demonstrationen teilnehmen. Der Artikel gliedert sich in mehrere Abschnitte, die jeweils verschiedene Aspekte der Frage beleuchten: die Hauptorganisatoren ("Querdenken 711"), das Netzwerk drumherum (Ärzte, Anwälte, verschiedene Initiativen), weitere Demonstrierende (das heterogene Spektrum von Hippies bis Neonazis) und die Gründe für diese ungewöhnliche Allianz. Die Überschrift ist neutral formuliert und verspricht keine sensationelle Enthüllung, sondern eine sachliche Bestandsaufnahme. Genau das liefert der Artikel: Er beschreibt faktisch, wer demonstriert, welche Organisationen beteiligt sind, welche Positionen sie vertreten und wie Experten diese Zusammensetzung bewerten. Es gibt keine Diskrepanz zwischen Überschrift und Inhalt. Die Überschrift wirft eine Frage auf, die der Artikel methodisch beantwortet. Der Text geht dabei über eine bloße Aufzählung hinaus und liefert auch Kontext (Umfragedaten zur gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung), Einschätzungen von Experten und Hintergrundinformationen zu den einzelnen Akteuren. Die Überschrift vermeidet wertende Begriffe und lässt offen, ob die Antwort überraschend, besorgniserregend oder neutral ausfallen wird. Der Artikel selbst bleibt ebenfalls weitgehend deskriptiv, auch wenn er kritische Einschätzungen von Experten zu Radikalisierungstendenzen und der Duldung rechtsextremer Symbole wiedergibt.
Texttyp: Bericht
Der Text ist überwiegend im Indikativ verfasst und präsentiert Informationen als feststehende Tatsachen. Die Darstellung erfolgt in einem sachlich-berichtenden Stil, der charakteristisch für nachrichtenjournalistische Texte ist. Indikativische Passagen dominieren den Artikel: - Faktische Beschreibungen der Organisationen und ihrer Positionen ("Die Gruppe fordert ein Ende der Grundrechtseinschränkungen") - Wiedergabe von Umfragedaten ("über drei Viertel der Menschen befürworten die Entscheidungen der Politik") - Darstellung behördlicher Maßnahmen ("Der Verfassungsschutz beobachtet nun bundesweit bestimmte Gruppierungen") - Biografische Informationen ("Ken Jebsen arbeitete bis 2011 für den RBB") Konjunktivische Formulierungen erscheinen hauptsächlich in zwei Kontexten: 1. Bei der Wiedergabe von Aussagen und Einschätzungen Dritter, wo der Konjunktiv der indirekten Rede korrekt verwendet wird: - "Begründet wurde dies mit Anhaltspunkten für eine extremistische Bestrebung" - "Das Bundesamt warnt [...], es gebe ein 'erhöhtes Eskalationspotenzial'" - "Grünschloß sieht bei den Teilnehmern eine deutliche Affinität zu Verschwörungstheorien" 2. Bei der Darstellung von Behauptungen der beschriebenen Akteure: - "Sie behaupten auf ihrer Internetseite 'die Corona-Panik sei eine organisierte, kriminelle Täuschung'" - "Eine seiner Thesen lautet: Bill Gates habe die Regierungen gekauft" Der Konjunktiv dient hier der journalistischen Distanzierung: Der Text macht deutlich, dass es sich um Aussagen Dritter handelt, ohne diese als Tatsachen zu präsentieren. Dies ist besonders wichtig bei der Wiedergabe von Verschwörungstheorien und unbelegten Behauptungen. Insgesamt überwiegt der Indikativ deutlich. Der Artikel präsentiert die Existenz der Gruppen, ihre Aktivitäten, die behördlichen Reaktionen und die Expertenmeinungen als verifizierte Fakten. Nur die Inhalte der von den Demonstranten vertretenen Positionen werden im Konjunktiv wiedergegeben, was eine klare Abgrenzung zwischen nachprüfbaren Tatsachen und umstrittenen Behauptungen schafft.
Der Bericht erfüllt die journalistischen Qualitätsstandards insgesamt gut. Die Transparenz ist durch die Zuordnung zum öffentlich-rechtlichen Deutschlandfunk gegeben, und die faktische Grundlage ist weitgehend korrekt, mit einer erkennbaren zeitlichen Ungenauigkeit bei der Einrichtung des Phänomenbereichs durch das Bundesamt für Verfassungsschutz. Die Überprüfbarkeit ist durch konkrete Quellenangaben und Expertenzitate gut gewährleistet, und die Trennung von Fakten und Meinungen wird überwiegend eingehalten. Schwächen zeigen sich bei der Sachlichkeit durch vereinzelte wertende Formulierungen und bei den Persönlichkeitsrechten durch teilweise pauschale negative Zuschreibungen ohne detaillierte Belege. Die Unschuldsvermutung wird weitgehend beachtet, und diskriminierende Darstellungen werden konsequent vermieden.
Gut
Der Artikel erscheint auf Deutschlandfunk, einem öffentlich-rechtlichen Sender, dessen Finanzierung und organisatorische Struktur öffentlich bekannt und auf der Website einsehbar sind. Der Text selbst nennt keine individuelle Autorenschaft, was bei nachrichtlichen Berichten öffentlich-rechtlicher Sender durchaus üblich ist und die redaktionelle Verantwortung beim Sender liegt. Relevante Interessenkonflikte werden nicht explizit thematisiert, sind aber auch nicht erkennbar verborgen. Die Transparenz ist insgesamt gut gegeben, mit nur geringfügigen Lücken bei der individuellen Autorennennung.
Gut
Die zentralen Fakten des Artikels sind korrekt: Die Beobachtung von Querdenken 711 durch den baden-württembergischen Verfassungsschutz erfolgte tatsächlich ab dem 9. Dezember 2020, die Teilnehmerzahl von 38.000 bei der Berliner Demonstration am 29. August 2020 entspricht den Polizeiangaben, und Michael Ballweg wird in mehreren Quellen als Gründer von Querdenken 711 bestätigt. Eine zeitliche Ungenauigkeit liegt bei der Einrichtung des Phänomenbereichs "Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates" durch das Bundesamt für Verfassungsschutz vor: Dieser wurde erst im April/Mai 2021 geschaffen, nicht bereits 2020, wie der Artikel nahelegt. Die Angabe zu Ken Jebsens Trennung vom RBB 2011 konnte nicht verifiziert werden. Insgesamt sind die wesentlichen Fakten korrekt, mit einer erkennbaren zeitlichen Ungenauigkeit in einem Nebenaspekt.
Verwendbar
Die Darstellung ist überwiegend sachlich und informativ gehalten, mit klarer Strukturierung der verschiedenen Gruppen und Akteure. Allerdings finden sich vereinzelt wertende Formulierungen, die über eine rein neutrale Beschreibung hinausgehen: Begriffe wie "fragwürdige Gruppen", "krude und teils antisemitische Theorien" oder "Realitätsverweigerung" enthalten evaluative Elemente. Die Charakterisierung von Aussagen als "Verschwörungsideologen" und "Corona-Leugner" trägt ebenfalls wertende Züge, auch wenn diese Einordnungen durch Expertenzitate gestützt werden. Der Grundton bleibt professionell und die Kernaussagen werden sachlich präsentiert, doch die genannten Formulierungen führen zu einer leichten Abweichung von vollständiger Neutralität.
Gut
Der Artikel nennt zahlreiche konkrete Quellen und Akteure, die eine Überprüfung der Aussagen ermöglichen: Das COVID-19-Snapshot-Monitoring wird als Quelle für Umfragedaten genannt, Verfassungsschutzbehörden und das Bundesinnenministerium werden als Quellen für behördliche Einschätzungen zitiert, und mehrere Experten (Olaf Sundermeyer, Peter Ullrich, Andreas Grünschloß, Matthias Quent) werden namentlich mit ihren Einschätzungen aufgeführt. Die verschiedenen Initiativen und ihre Internetauftritte werden konkret benannt. Einzelne Aussagen bleiben allerdings ohne präzise Quellenangabe, etwa die Charakterisierung bestimmter Gruppen oder die Angaben zu Mitgliederzahlen. Die Verweise auf andere Deutschlandfunk-Beiträge zeigen eine Vernetzung der Berichterstattung. Insgesamt ist die Überprüfbarkeit gut gegeben, mit geringfügigen Lücken bei Detailangaben.
Gut
Der Text trennt grundsätzlich zwischen faktischen Informationen und bewertenden Einschätzungen. Expertenmeinungen werden klar als solche gekennzeichnet und den jeweiligen Personen zugeordnet (Sundermeyer, Ullrich, Grünschloß, Quent). Wertende Aussagen werden überwiegend durch Zitate von Experten oder Behördenvertretern eingeführt, nicht als redaktionelle Position präsentiert. Allerdings finden sich vereinzelt Formulierungen in der redaktionellen Darstellung, die interpretative Elemente enthalten, ohne dass diese explizit als Einschätzung markiert sind (z.B. "fragwürdige Gruppen" in der Unterüberschrift). Die Grundstruktur des Textes als informativer Bericht ist klar erkennbar, und die Trennung wird im Wesentlichen eingehalten.
Verwendbar
Der Artikel nennt mehrere Personen namentlich (Michael Ballweg, Ken Jebsen, Attila Hildmann, Xavier Naidoo, Bodo Schiffmann u.a.) im Kontext ihrer öffentlichen Rolle bei den Corona-Protesten. Die Darstellung erfolgt überwiegend sachlich und bezieht sich auf öffentlich dokumentierte Aktivitäten und Aussagen. Allerdings werden einzelne Personen mit stark negativen Zuschreibungen versehen: Ken Jebsen wird vorgeworfen, "krude und teils antisemitische Theorien" zu verbreiten, ohne dass konkrete Beispiele genannt oder die Vorwürfe im Detail belegt werden. Die Trennung vom RBB wird mit "antisemitischen Äußerungen" begründet, ebenfalls ohne nähere Ausführung. Diese Charakterisierungen berühren die Persönlichkeitsrechte, auch wenn sie sich auf öffentliche Personen in ihrer öffentlichen Rolle beziehen. Die Balance zwischen Informationsinteresse und Persönlichkeitsschutz ist grundsätzlich gewahrt, mit einzelnen Formulierungen, die an der Grenze liegen.
Gut
Der Artikel behandelt keine laufenden Strafverfahren oder konkrete Schuldvorwürfe gegen Einzelpersonen, sondern beschreibt die Beobachtung durch den Verfassungsschutz und die Einordnung verschiedener Gruppen. Die Darstellung verwendet überwiegend vorsichtige Formulierungen: Der Verfassungsschutz "ordnet mehrere maßgebliche Akteure dem Milieu der Reichsbürger zu", es gibt "Anhaltspunkte für eine extremistische Bestrebung", und die Bewegung wird "beobachtet". Diese Formulierungen wahren die Unschuldsvermutung, indem sie zwischen Verdacht und erwiesener Schuld unterscheiden. Allerdings werden einzelne Personen mit definitiven negativen Zuschreibungen versehen ("verbreitet antisemitische Theorien"), ohne dass ein Verfahren oder eine rechtskräftige Feststellung genannt wird. Insgesamt wird die Unschuldsvermutung weitgehend beachtet.
Sehr gut
Der Artikel verwendet eine respektvolle Sprache ohne diskriminierende Formulierungen gegenüber den beschriebenen Gruppen und Personen. Die verschiedenen Teilnehmer der Demonstrationen werden in ihrer Heterogenität dargestellt ("von Familien mit Kindern über Leugner des Coronavirus bis zu Esoterikern, Impfgegnern, Vertretern unterschiedlichster Verschwörungstheorien und Reichsbürgern"), ohne dass einzelne Gruppen pauschal abgewertet werden. Geschützte Merkmale wie Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, ethnische Herkunft oder Religion werden nicht als Grundlage für Bewertungen herangezogen. Die Kritik richtet sich an politische Positionen und Verhaltensweisen, nicht an Gruppenzugehörigkeiten. Stereotype werden vermieden, und die Darstellung respektiert die Würde aller erwähnten Personen und Gruppen.
Kontext: Journalismus-Kontext
Der Artikel informiert überwiegend sachlich und faktenbasiert über die Corona-Demonstrationen und deren Beobachtung durch den Verfassungsschutz, wobei die Faktenbasis solide ist und verschiedene Expertenperspektiven einbezogen werden. Die Darstellung ist erkennbar positioniert durch die Schwerpunktsetzung auf rechtsextreme Beteiligung und Verfassungsschutz-Aspekte, während wirtschaftliche oder bürgerrechtliche Motive der Demonstrierenden weniger Raum erhalten. Die Sprache ist professionell mit einzelnen wertenden Kategorisierungen ("Verschwörungsideologen", "Corona-Leugner"), die ohne detaillierte Prüfung der bezeichneten Inhalte verwendet werden. Insgesamt überwiegt die informierende Funktion deutlich, mit moderaten Framing-Elementen und ohne manipulative Emotionalisierung oder Handlungsaufforderungen.
Zutreffend
Der Artikel präsentiert überwiegend zutreffende Fakten über die Corona-Demonstrationen im Jahr 2020. Die Beobachtung von Querdenken 711 durch den Verfassungsschutz Baden-Württemberg ab Dezember 2020 ist belegt, ebenso die Teilnehmerzahl von ca. 38.000 bei der Berliner Demonstration am 29. August 2020 und Michael Ballwegs Rolle als Initiator. Die Einrichtung des Phänomenbereichs "Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates" durch das Bundesamt für Verfassungsschutz erfolgte allerdings erst im April/Mai 2021, nicht 2020 wie der Artikel nahelegt. Die Darstellung der verschiedenen Gruppierungen und ihrer Positionen basiert auf recherchierbaren Informationen, wobei Quellen wie das COVID-19-Snapshot-Monitoring und Expertenzitate eingebunden werden.
Repräsentativ
Der Text präsentiert verschiedene Perspektiven auf die Corona-Demonstrationen: Protestforscher, Rechtsextremismus-Experten, Religionswissenschaftler und Soziologen kommen zu Wort. Die Heterogenität der Demonstrierenden wird anerkannt ("von Familien mit Kindern über Leugner des Coronavirus bis zu Esoterikern"). Allerdings liegt der Fokus deutlich auf der Darstellung rechtsextremer und verschwörungsideologischer Elemente, während die Motivationen von Normalos und wirtschaftlich Betroffenen (wie Busunternehmer Jumpertz) nur am Rande erwähnt werden. Die einleitende Kontextualisierung, dass drei Viertel der Bevölkerung die Maßnahmen befürworten, bietet wichtigen Rahmen. Gegenpositionen der Demonstrierenden selbst werden hauptsächlich durch Zitate ihrer Forderungen dargestellt, nicht durch ausführliche Interviews oder Begründungen.
Zurückhaltend
Der Artikel verzichtet weitgehend auf emotionalisierende Sprache und präsentiert die Informationen in sachlichem Ton. Es werden keine Angst- oder Empörungsmuster bedient, sondern die Entwicklungen werden analytisch beschrieben. Die Zitate von Experten wie Olaf Sundermeyer über "Radikalisierung" und "gewaltsames Vorgehen" werden als Einschätzungen gekennzeichnet, nicht als emotionale Appelle des Autors. Die Darstellung der verschiedenen Gruppierungen erfolgt beschreibend, ohne dramatisierende Überhöhung. Lediglich einzelne Formulierungen wie "krude und teils antisemitische Theorien" bei Ken Jebsen tragen leicht wertende Elemente, bleiben aber im Rahmen journalistischer Einordnung.
Positioniert
Die Sprache ist überwiegend neutral und beschreibend, enthält aber erkennbare Positionierungen. Begriffe wie "Corona-Leugner", "Verschwörungsideologen", "Verschwörungstheoretiker" und "krude Theorien" sind wertende Kategorisierungen, die ohne nähere Prüfung der bezeichneten Inhalte verwendet werden. Die Formulierung "fragwürdige Gruppen" im Teaser ist evaluativ. Gleichzeitig werden viele Aussagen im Indikativ präsentiert und durch Quellenangaben gestützt ("laut Report Mainz", "nach Eigenauskunft"). Der Text verwendet Fachbegriffe wie "Phänomenbereich" und "Sammelbeobachtungsobjekt" präzise. Rhetorische Fragen wie "Warum treffen sich Reichsbürger, Neonazis, Impfkritiker und Hippies?" strukturieren den Text, setzen aber auch einen interpretativen Rahmen. Insgesamt ist die Sprache professionell, aber nicht vollständig wertfrei.
Moderat
Der Artikel verwendet ein erkennbares Framing, das die Corona-Demonstrationen primär durch die Linse der Verfassungsschutz-Beobachtung und rechtsextremer Beteiligung betrachtet. Die Überschrift "Wer marschiert da zusammen?" und die Unterüberschrift über "fragwürdige Gruppen" setzen einen interpretativen Rahmen. Die Struktur des Textes - beginnend mit der Verfassungsschutz-Beobachtung, gefolgt von der Auflistung verschiedener Gruppierungen - legt nahe, dass die Demonstrationen primär als Sicherheitsproblem zu verstehen sind. Gleichzeitig wird die Heterogenität der Teilnehmenden anerkannt und die einleitende Kontextualisierung (drei Viertel befürworten die Maßnahmen) bietet einen ausgleichenden Rahmen. Die Frage "Warum treffen sich Reichsbürger, Neonazis, Impfkritiker und Hippies?" impliziert eine problematische Allianz, wird aber durch Experteneinschätzungen beantwortet, nicht nur durch Suggestion.
Fundiert
Der Text folgt einer klaren, nachvollziehbaren Struktur: Kontextualisierung, Verfassungsschutz-Beobachtung, Vorstellung der Akteure, Analyse der Teilnehmenden, Experteneinschätzungen zur Zusammensetzung. Die Argumentation stützt sich auf Expertenzitate (Sundermeyer, Ullrich, Grünschloß, Quent), Behördenstellungnahmen und Daten (COVID-19-Snapshot-Monitoring). Kausale Zusammenhänge werden vorsichtig formuliert ("zeige sich auch mit", "habe Potenzial"). Korrelationen werden nicht vorschnell als Kausalität dargestellt. Die Charakterisierung einzelner Personen (Ken Jebsen, Attila Hildmann) basiert auf dokumentierten Aussagen und Handlungen. Allerdings werden einige Zuordnungen ("Überschneidungen mit dem Milieu von Verschwörungsideologen") ohne detaillierte Belege getroffen. Die Schlussfolgerungen der Experten werden als Einschätzungen gekennzeichnet, nicht als absolute Wahrheiten präsentiert.
Offen
Der Text ist als journalistischer Informationsbeitrag des Deutschlandfunks erkennbar gekennzeichnet. Die Absicht, über die Zusammensetzung der Corona-Demonstrationen und die Verfassungsschutz-Beobachtung zu informieren, ist transparent. Quellen werden benannt (COVID-19-Snapshot-Monitoring, Report Mainz, Verfassungsschutz, Experten mit Namen und Funktion). Die journalistische Einordnung ist als solche erkennbar. Es gibt keine versteckten kommerziellen oder politischen Interessen. Die Perspektive des öffentlich-rechtlichen Rundfunks - Einordnung gesellschaftlicher Entwicklungen mit Fokus auf demokratische Stabilität - ist implizit, aber nicht verschleiert. Lediglich die Auswahl und Gewichtung der Aspekte (Fokus auf rechtsextreme Beteiligung) könnte expliziter als redaktionelle Schwerpunktsetzung gekennzeichnet sein.
Informativ
Der Artikel enthält keinerlei direkte oder indirekte Handlungsaufforderungen. Es wird nicht zum Boykott, zur Teilnahme oder Nicht-Teilnahme an Demonstrationen aufgerufen. Es gibt keinen Druck, keine Ultimaten und keine Appelle an die Leserschaft. Die Darstellung ist rein informativ und überlässt dem Publikum die eigene Meinungsbildung. Auch die Expertenzitate enthalten keine normativen Forderungen an die Leser, sondern analytische Einschätzungen. Die Autonomie der Rezipierenden wird vollständig respektiert. Der Text erfüllt die klassische journalistische Funktion der Information ohne persuasive Handlungskomponente.
Die erkennbare Absicht des Artikels ist es, die Öffentlichkeit über die Zusammensetzung der Corona-Demonstrationen und die Gründe für die Verfassungsschutz-Beobachtung zu informieren. Der Text erfüllt eine klassische journalistische Einordnungsfunktion in einer gesellschaftlich kontroversen Situation. Die wahrscheinliche Wirkung auf Leser ist eine Sensibilisierung für die Heterogenität der Demonstrierenden bei gleichzeitiger Betonung rechtsextremer und verschwörungsideologischer Elemente. Leser, die den Demonstrationen skeptisch gegenüberstehen, finden ihre Bedenken bestätigt; Sympathisanten könnten den Artikel als einseitig empfinden, da ihre Motive (Grundrechtsschutz, wirtschaftliche Existenzängste) zwar erwähnt, aber nicht vertieft werden. Die Wirkung ist primär informierend-einordnend, mit einer erkennbaren Perspektive, die demokratische Stabilität und Verfassungsschutz als Referenzrahmen nutzt.
Als journalistischer Beitrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Deutschlandfunk) unterliegt der Text den Anforderungen an Ausgewogenheit und Sachlichkeit, die weitgehend erfüllt werden. Die einleitende Kontextualisierung (drei Viertel der Bevölkerung befürworten die Maßnahmen, nur 10-14% demonstrationsbereit) bietet wichtigen Rahmen und verhindert eine Überbewertung der Proteste. Die Heterogenität der Demonstrierenden wird explizit anerkannt ("von Familien mit Kindern über Leugner des Coronavirus bis zu Esoterikern"). Expertenzitate werden als Einschätzungen gekennzeichnet, nicht als absolute Wahrheiten. Die Transparenz über Quellen und die Benennung von Experten mit Funktion erhöhen die Nachvollziehbarkeit. Der Artikel erschien in einer Phase hoher gesellschaftlicher Unsicherheit (Dezember 2020), in der Einordnung und Orientierung eine legitime journalistische Funktion darstellen.
Die institutionelle Plattform des Deutschlandfunks als öffentlich-rechtlicher Sender verleiht dem Artikel besonderes Gewicht und Autorität in der öffentlichen Meinungsbildung. Die Verwendung von Begriffen wie "Verschwörungsideologen" und "Corona-Leugner" ohne detaillierte Prüfung der so bezeichneten Inhalte kann stigmatisierende Wirkung entfalten, insbesondere wenn diese Kategorisierungen von einer als neutral wahrgenommenen Institution stammen. Die Schwerpunktsetzung auf rechtsextreme Beteiligung und Verfassungsschutz-Beobachtung bei gleichzeitig knapper Darstellung anderer Motive (wirtschaftliche Existenzängste, Grundrechtsbedenken) kann zur Delegitimierung aller Demonstrationsteilnehmenden beitragen, auch derjenigen ohne extremistische Positionen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung (während laufender Proteste) macht den Artikel zu einem Einflussfaktor in einer akuten gesellschaftlichen Auseinandersetzung, nicht zu einer historischen Aufarbeitung mit zeitlichem Abstand.
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