Autor: Tobias Wilke, MDR und Pascal Siggelkow, ARD-faktenfinder
Datum: 2025-08-22
Quelle: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/kontext/kriminalitaet-nationalitaet-100.html
Journalistische Qualität: 5/5
Einflussnahme: 4/5
Der Artikel untersucht kritisch die Verbreitung selbst erstellter Berechnungen zur Ausländerkriminalität in sozialen Netzwerken und Medien. Diese Berechnungen setzen die Zahl aller Tatverdächtigen einer Nationalität (inklusive nicht in Deutschland ansässiger Personen) ins Verhältnis zur Bevölkerungszahl dieser Nationalität in Deutschland und werden als Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ) bezeichnet. Der Text zeigt auf, dass diese Berechnungen von der offiziellen Definition des Bundeskriminalamts abweichen und methodisch problematisch sind. Experten wie Christian Walburg (Deutsche Hochschule der Polizei) und Tobias Singelnstein (Goethe-Universität Frankfurt) werden zitiert, die mehrere Schwachstellen solcher Berechnungen benennen: Die Bevölkerungszahl ausländischer Staatsangehöriger sei schwerer zu erfassen als die deutscher Staatsangehöriger, da nicht alle in Deutschland lebenden Ausländer akkurat gemeldet seien. Zudem würden Tatverdächtige ohne Wohnsitz in Deutschland (Touristen, Durchreisende) in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst, aber nicht zur Wohnbevölkerung gezählt, was zu Verzerrungen führe. Weitere Faktoren, die einen direkten Vergleich zwischen Nationalitäten erschweren, werden genannt: unterschiedliche Alters- und Geschlechtsstrukturen (junge Männer sind in der Kriminalstatistik überrepräsentiert), das Hellfeld-Problem (nur ein kleiner Teil der Straftaten wird angezeigt), möglicherweise höhere Anzeigebereitschaft gegenüber als fremd wahrgenommenen Personen, traumatische Erfahrungen von Geflüchteten, soziale Einbindung, Aufenthaltsperspektive und finanzielle Situation. Der Artikel betont, dass Kriminalität das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren sei. Die kulturelle Herkunft könne ein Faktor sein, aber dessen Gewicht lasse sich nicht pauschal beziffern. Internationale Forschungsbefunde legten nahe, dass Unterschiede in der Kriminalitätsrate im Wesentlichen durch sozioökonomischen Status, Teilhabechancen und urbane versus ländliche Wohnorte zu erklären seien. Die Fokussierung auf kulturelle Herkunft als Hauptursache für Kriminalität wird als Verkennung des internationalen Forschungsstands bezeichnet.
Die Überschrift "Fragwürdige Berechnungen der Ausländerkriminalität" entspricht dem Inhalt des Artikels. Der Text analysiert ausführlich, warum selbst erstellte Berechnungen zur Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ) von Ausländern methodisch problematisch sind. Der Artikel liefert die in der Überschrift angekündigte Kritik an den Berechnungen durch mehrere Argumentationsstränge: 1. **Methodische Abweichungen**: Der Text zeigt auf, dass die in sozialen Netzwerken verbreiteten Berechnungen von der offiziellen BKA-Definition der TVBZ abweichen, indem sie auch nicht in Deutschland ansässige Tatverdächtige einbeziehen. 2. **Datenqualitätsprobleme**: Es wird dargelegt, dass die Bevölkerungszahlen ausländischer Staatsangehöriger schwerer zu erfassen sind als die deutscher Staatsangehöriger, was zu Verzerrungen führt. 3. **Strukturelle Verzerrungen**: Der Artikel benennt konkrete Faktoren, die Vergleiche zwischen Nationalitäten erschweren (Alters- und Geschlechtsstruktur, Hellfeld-Problem, Anzeigebereitschaft). 4. **Expertenmeinungen**: Zwei Kriminologen werden ausführlich zitiert, die die Problematik der Berechnungen aus wissenschaftlicher Sicht erläutern. 5. **Konkrete Beispiele**: Der Text nennt spezifische Fälle (Brandenburger LKA, Gambier, Tschechien), um die Probleme zu illustrieren. Die Überschrift verwendet den Begriff "fragwürdig", was eine kritische, aber nicht absolut ablehnende Bewertung signalisiert. Dies entspricht dem Tenor des Artikels, der die Berechnungen nicht pauschal als falsch bezeichnet, sondern ihre methodischen Schwächen und die fehlende Berücksichtigung relevanter Kontextfaktoren aufzeigt. Der Artikel erfüllt damit die Erwartung, die die Überschrift weckt. Es gibt keine erkennbare Diskrepanz zwischen Überschrift und Inhalt. Die Überschrift ist weder reißerisch noch verharmlosend, sondern gibt den analytischen Charakter des Textes angemessen wieder.
Texttyp: Faktencheck
Der Text ist überwiegend im Indikativ verfasst und präsentiert Informationen als gesicherte Fakten. Die Darstellung stützt sich auf Expertenaussagen, statistische Daten und methodische Analysen. **Indikativische Elemente (dominierend):** 1. **Faktische Feststellungen**: "Die Bevölkerungszahl der verschiedenen Nationalitäten ist nicht so sicher feststellbar wie die der deutschen Bevölkerung" - direkte Aussage eines Experten als Tatsache präsentiert. 2. **Statistische Angaben**: "In Deutschland leben 15.494 Gambier, davon sind 12.499 männlich" - konkrete Zahlen ohne Einschränkung. 3. **Methodische Beschreibungen**: "Das Brandenburger LKA hatte in einer Berechnung der TVBZ der nichtdeutschen Bevölkerung beispielsweise die nichtdeutschen Tatverdächtigen, die gar nicht zur Wohnbevölkerung gehören, nicht extra herausgerechnet" - als Tatsache dargestellt. 4. **Forschungsbefunde**: "Internationale Forschungsbefunde legen nahe, dass diese Unterschiede im Wesentlichen durch andere Faktoren wie den sozioökonomischen Status [...] zu erklären sein könnten" - hier wird zwar Konjunktiv verwendet ("könnten"), aber die Existenz der Forschungsbefunde selbst wird als Fakt präsentiert. 5. **Expertenzitate**: Die Aussagen von Walburg und Singelnstein werden als gesicherte wissenschaftliche Positionen wiedergegeben. **Konjunktivische/Konditionale Elemente (begrenzt):** 1. **Möglichkeitsformen bei Erklärungen**: "könnte davon ausgegangen werden", "könnte eine Rolle spielen", "könnten dadurch große Verzerrungen entstehen" - diese werden verwendet, wenn kausale Zusammenhänge nicht abschließend bewiesen sind. 2. **Hypothetische Szenarien**: "Der in der Kleinstadt Guben geschnappte Autoschieber auf der Rückfahrt nach Osteuropa gehört genauso zu den Nichtdeutschen" - hypothetisches Beispiel zur Illustration. 3. **Einschränkungen bei Forschungsergebnissen**: "legen nahe", "könnten", "lasse sich nicht pauschal beziffern" - wissenschaftliche Vorsicht bei nicht abschließend geklärten Fragen. **Gesamtbewertung:** Der Text ist primär indikativisch. Die methodischen Probleme der kritisierten Berechnungen werden als Tatsachen dargestellt, ebenso die statistischen Daten und die Positionen der zitierten Experten. Konjunktivische Formulierungen werden gezielt dort eingesetzt, wo wissenschaftliche Unsicherheit besteht oder kausale Zusammenhänge nicht abschließend belegt sind. Dies entspricht einer sachlich-analytischen Darstellungsweise, die zwischen gesicherten Fakten (methodische Fehler, statistische Daten) und wissenschaftlichen Hypothesen (kausale Erklärungen für Kriminalitätsunterschiede) differenziert. Die Grundthese des Artikels - dass die verbreiteten Berechnungen methodisch problematisch sind - wird als verifizierte Tatsache präsentiert, nicht als Behauptung oder Vermutung.
Der Faktencheck weist eine sehr hohe journalistische Qualität auf und erfüllt die journalistischen Prinzipien vorbildlich. Die Transparenz ist durch namentliche Autorennennung und klare institutionelle Zuordnung gegeben. Die faktische Grundlage ist solide, mit allen wesentlichen Aussagen durch Recherche bestätigt oder aus verlässlichen Primärquellen stammend. Die Darstellung bleibt durchgehend sachlich und neutral, auch bei der Kritik an fragwürdigen Berechnungsmethoden. Die Überprüfbarkeit ist exemplarisch durch umfassende Quellenangaben mit direkten Verlinkungen zu Primärquellen gewährleistet. Trennung von Fakten und Bewertung ist strikt eingehalten, Persönlichkeitsrechte werden vollständig respektiert, und die Sprache ist diskriminierungsfrei. Der Text erfüllt die Anforderungen an einen qualitativ hochwertigen Faktencheck.
Sehr gut
Die Transparenz ist vorbildlich gegeben. Die Autoren Tobias Wilke (MDR) und Pascal Siggelkow (ARD-faktenfinder) sind namentlich genannt und ihre institutionelle Zugehörigkeit zu öffentlich-rechtlichen Medien ist klar erkennbar. Die Publikation erfolgt auf tagesschau.de, deren Trägerschaft, Finanzierung und redaktionelle Strukturen öffentlich dokumentiert sind. Potenzielle Interessenkonflikte sind nicht erkennbar und würden bei diesem Thema auch transparent gemacht werden.
Gut
Die wesentlichen Aussagen und präsentierten Fakten im Text sind korrekt. Die Recherche bestätigt zentrale Behauptungen: Christian Walburg ist tatsächlich an der Deutschen Hochschule der Polizei tätig, das Brandenburger LKA hat einen Berechnungsfehler bei der TVBZ eingeräumt und korrigiert, und das KFN hat die genannte Analyse zu Schleswig-Holstein erstellt. Einige spezifische Zahlenwerte (TVBZ 1.869 und 4.789 aus der PKS 2024, demografische Daten zu Gambiern, TVBZ-Werte nach Alter und Geschlecht) konnten in der Recherche nicht verifiziert werden, was bei einem aktuellen Bericht über kürzlich veröffentlichte Statistiken nachvollziehbar ist. Die Kernaussagen zur methodischen Problematik eigener TVBZ-Berechnungen und zu den Faktoren, die Kriminalitätsraten beeinflussen, entsprechen dem wissenschaftlichen Forschungsstand.
Sehr gut
Die Darstellung ist durchgehend sachlich und ohne emotionale Färbung. Die Wortwahl ist neutral und ausgewogen, auch bei der Beschreibung problematischer Berechnungsmethoden wird auf wertende oder dramatisierende Formulierungen verzicht. Die Experten werden mit direkten Zitaten wiedergegeben, ihre Einschätzungen werden als solche kenntlich gemacht. Der Ton bleibt professionell und analytisch, selbst bei der Kritik an fragwürdigen Berechnungen in sozialen Netzwerken wird eine sachliche Distanz gewahrt.
Sehr gut
Die Überprüfbarkeit ist vorbildlich gewährleistet. Alle wesentlichen Quellen sind benannt und über Hyperlinks direkt zugänglich: die PKS 2024 des BMI, die Korrektur des Brandenburger LKA, die KFN-Studie zu Schleswig-Holstein, Statistiken des BAMF und wissenschaftliche Arbeitspapiere. Es werden ausschließlich Primärquellen verwendet (offizielle Statistiken, wissenschaftliche Studien, direkte Expertenaussagen). Die beiden zitierten Experten Christian Walburg und Tobias Singelnstein sind mit ihrer institutionellen Zugehörigkeit identifiziert. Die zentralen Behauptungen sind durch mehrfache unabhängige Quellen belegt (Kreuzverifikation). Anonyme Quellen werden nicht verwendet.
Sehr gut
Die Trennung von Nachricht und Meinung ist strikt eingehalten. Der Text ist als Faktencheck klar gekennzeichnet und präsentiert ausschließlich überprüfbare Informationen und Experteneinschätzungen. Bewertungen werden transparent als solche markiert und Experten zugeordnet ("sagt Walburg", "so Singelnstein"). Die Autoren vermischen nicht eigene Meinungen mit der faktischen Darstellung, sondern lassen die wissenschaftlichen Quellen sprechen. Die formale Kennzeichnung als Faktencheck-Beitrag mit namentlich genannten Autoren ist gegeben.
Sehr gut
Die Persönlichkeitsrechte werden vollständig gewahrt. Die beiden zitierten Experten Christian Walburg und Tobias Singelnstein werden ausschließlich in ihrer professionellen Rolle als Wissenschaftler dargestellt, ihre fachlichen Einschätzungen werden korrekt wiedergegeben. Es erfolgen keine unangemessenen Darstellungen in Wort oder Bild, keine Eingriffe in die Privatsphäre und keine ehrverletzenden Äußerungen. Die Würde der Personen wird durchgehend respektiert, die Darstellung ist sachlich und auf die fachliche Expertise bezogen.
Nicht anwendbar
Das Prinzip der Unschuldsvermutung ist auf diesen Text nicht anwendbar. Die Berichterstattung behandelt methodische Fragen der Kriminalstatistik und wissenschaftliche Einschätzungen zu Kriminalitätsfaktoren. Es werden keine Ermittlungsverfahren, Strafverfahren oder Vorwürfe gegen identifizierbare Personen thematisiert. Der Text analysiert statistische Berechnungsmethoden und deren Aussagekraft, nicht individuelle Schuldfragen.
Sehr gut
Die Sprache ist durchgehend respektvoll und neutral gegenüber allen Gruppen. Nationalitäten werden ausschließlich im statistischen Kontext erwähnt, ohne Stereotypisierungen oder Stigmatisierungen. Der Text vermeidet Generalisierungen und betont explizit die Komplexität der Faktoren, die Kriminalität beeinflussen. Die Darstellung macht deutlich, dass kulturelle Herkunft nur einer von vielen Faktoren ist und warnt vor vereinfachenden Zuschreibungen. Es werden keine diskriminierenden Sprachmuster verwendet, und die Vielfalt der Einflussfaktoren (Alter, Geschlecht, sozioökonomischer Status, Lebenssituation) wird angemessen repräsentiert.
Kontext: Journalismus-Kontext
Der Text verfolgt primär eine informierende Absicht mit erkennbarer Position. Die Faktenbasis ist solide, die Argumentation logisch strukturiert und auf Expertenmeinungen gestützt. Emotionale Appelle fehlen weitgehend, und es gibt keine Handlungsaufforderungen. Die Sprache ist überwiegend neutral mit gelegentlichen wertenden Elementen, und das Framing durch Titel und Struktur lenkt die Interpretation moderat in Richtung einer methodenkritischen Perspektive. Die Vollständigkeit ist repräsentativ, auch wenn die Gegenperspektive nicht direkt zu Wort kommt. Insgesamt handelt es sich um sachorientierten Journalismus, der aufklärt und einordnet, dabei aber eine klare Position bezieht.
Zutreffend
Der Text stützt sich auf überprüfbare Quellen wie die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2024 und zitiert zwei Kriminologen (Christian Walburg, Tobias Singelnstein) sowie wissenschaftliche Studien. Die Darstellung der methodischen Probleme bei der Berechnung von Tatverdächtigenbelastungszahlen (TVBZ) ist nachvollziehbar und wird durch konkrete Beispiele belegt, etwa den dokumentierten Berechnungsfehler des Brandenburger LKA. Die demografischen Angaben zu Gambiern in Deutschland und die spezifischen TVBZ-Werte für männliche Heranwachsende (8.073) und weibliche Erwachsene (1.124) konnten nicht unabhängig verifiziert werden, ebenso wenig die genauen Zahlenwerte 1.869 und 4.789 für die bundesweite TVBZ. Die Kernaussagen zur methodischen Problematik sind jedoch faktisch fundiert und entsprechen dem kriminologischen Forschungsstand.
Repräsentativ
Der Text präsentiert die Hauptperspektiven zur Debatte über Ausländerkriminalität: die methodischen Einwände der Kriminologie gegen vereinfachende Berechnungen sowie die Faktoren, die Kriminalitätsraten beeinflussen (Demografie, sozioökonomischer Status, Anzeigebereitschaft). Die Experten räumen ein, dass kulturelle Herkunft ein Faktor sein kann, betonen aber die Komplexität. Alternative Erklärungsansätze werden genannt (Traumatisierung, soziale Einbindung, Wohnsituation). Allerdings fehlt eine Auseinandersetzung damit, warum die fragwürdigen Berechnungen in sozialen Netzwerken so verbreitet sind oder welche politischen Positionen dahinterstehen. Die Perspektive derjenigen, die solche Berechnungen erstellen und teilen, wird nicht direkt dargestellt, sondern nur indirekt kritisiert. Unsicherheiten werden kommuniziert ("lässt sich nicht pauschal beziffern").
Zurückhaltend
Der Text verzichtet weitgehend auf emotionale Appelle und bleibt in einem sachlich-analytischen Ton. Es gibt keine Dramatisierung oder Angsterzeugung. Die Darstellung erfolgt nüchtern und faktenorientiert, auch wenn das Thema gesellschaftlich aufgeladen ist. Emotionale Elemente sind minimal vorhanden, etwa in der Formulierung "massiven Stigmatisierung und Ausgrenzung" am Ende, die eine Wertung enthält. Insgesamt dominiert jedoch die rationale Auseinandersetzung mit statistischen Methoden und kriminologischen Erkenntnissen. Der Text appelliert an das Verständnis für methodische Komplexität, nicht an Gefühle.
Positioniert
Die Sprache ist überwiegend neutral und beschreibend, enthält aber erkennbare Positionierungen. Begriffe wie "fragwürdige Berechnungen" (Titel), "fehleranfällig", "wackelige Beine" und "wenig sinnvoll" sind wertend. Die Formulierung "Kriminalität auf relativ stabilem Niveau" rahmt die Debatte in eine bestimmte Richtung. Der Text verwendet Fachterminologie korrekt (TVBZ, Hellfeld, Dunkelfeld) und zitiert Experten im Indikativ. Es gibt keine Stigmatisierungen, Feindbilder oder absolute Aussagen. Die Wortwahl ist professionell, aber die Auswahl der Adjektive ("fragwürdig", "schwierig", "komplex") signalisiert eine klare Position gegen vereinfachende Berechnungen. Rhetorische Mittel sind sparsam eingesetzt.
Moderat
Der Titel "Fragwürdige Berechnungen der Ausländerkriminalität" setzt einen interpretativen Rahmen, bevor Belege präsentiert werden. Das Framing positioniert die im Netz verbreiteten Berechnungen als methodisch problematisch und stellt die Expertise der Kriminologen dagegen. Die Struktur folgt einem klaren Muster: Behauptung in sozialen Medien → methodische Kritik → Kontextfaktoren → Expertenmeinung. Es gibt keine dualistischen "Wir-gegen-Die"-Muster, aber eine erkennbare Gegenüberstellung von "vereinfachenden Berechnungen" versus "differenzierter wissenschaftlicher Betrachtung". Alternative Perspektiven (etwa dass kulturelle Faktoren relevant sein könnten) werden erwähnt, aber in einen Kontext eingebettet, der ihre Bedeutung relativiert. Das Framing ist transparent und nachvollziehbar, lenkt aber die Interpretation in eine bestimmte Richtung.
Fundiert
Die Argumentation ist logisch aufgebaut und folgt einer klaren Struktur: Problem (verbreitete Berechnungen) → methodische Kritik (Datenqualität, Erfassungsprobleme) → kontextuelle Faktoren (Demografie, Anzeigebereitschaft) → Expertenbewertung. Die Thesen werden mit konkreten Beispielen belegt (Brandenburger LKA-Fehler, demografische Daten zu Gambiern). Es gibt keine offensichtlichen logischen Fehlschlüsse. Die Argumentation stützt sich auf Expertenautorität (Walburg, Singelnstein), was legitim ist, da diese in ihrem Fachgebiet zitiert werden. Korrelationen werden nicht als Kausalität präsentiert; vielmehr wird gerade darauf hingewiesen, dass einfache Kausalzusammenhänge (Herkunft → Kriminalität) irreführend sind. Kleinere Schwächen: Einige Behauptungen bleiben unbelegt (z.B. "höhere Anzeigebereitschaft gegenüber Menschen, die als fremd wahrgenommen werden").
Offen
Die Absicht des Textes ist erkennbar: Er möchte die methodischen Probleme vereinfachender Kriminalitätsberechnungen aufzeigen und die Debatte versachlichen. Die Autoren (Tobias Wilke/MDR, Pascal Siggelkow/ARD-faktenfinder) und die Quelle (tagesschau.de) sind klar genannt. Der faktenfinder ist als Format zur Überprüfung von Behauptungen bekannt, was die Intention transparent macht. Es gibt keine versteckte Agenda, auch wenn die Position klar ist. Die Interessen sind offengelegt (öffentlich-rechtlicher Journalismus). Eine kleine Einschränkung: Der Text könnte expliziter machen, dass er selbst eine Position in einer politisch aufgeladenen Debatte bezieht, auch wenn diese Position wissenschaftlich fundiert ist.
Informativ
Der Text enthält keine direkten Handlungsaufforderungen. Es gibt keinen Aufruf zu konkreten Aktionen wie Teilen, Unterschreiben, Wählen oder Boykottieren. Am Ende wird lediglich festgestellt, dass es "wichtig" sei, "die Debatte zu versachlichen" – dies ist eine allgemeine Empfehlung ohne Druck oder Ultimatum. Die Autonomie der Leser wird vollständig respektiert. Der Text informiert über methodische Probleme und überlässt es den Lesern, daraus eigene Schlüsse zu ziehen. Es gibt keinen Zeit- oder Sozialdruck. Die Darstellung ist rein informativ-analytisch.
Die erkennbare Absicht des Textes ist es, verbreitete vereinfachende Berechnungen zur Ausländerkriminalität methodisch zu hinterfragen und die Komplexität des Themas darzustellen. Der Text möchte einer Instrumentalisierung von Kriminalstatistiken entgegenwirken und zur Versachlichung der Debatte beitragen. Die wahrscheinliche Wirkung auf Leser ist eine erhöhte Skepsis gegenüber einfachen Kriminalitätsvergleichen nach Nationalität und ein besseres Verständnis für die methodischen Fallstricke bei der Interpretation von Statistiken. Der Text könnte bei Lesern, die bereits eine kritische Haltung gegenüber pauschalisierenden Darstellungen haben, bestätigend wirken, während er bei anderen möglicherweise als Relativierung wahrgenommen wird. Die aufklärerische Intention ist deutlich, auch wenn sie mit einer erkennbaren Position verbunden ist.
Der Text ist klar als journalistischer Beitrag des ARD-faktenfinders gekennzeichnet, einem Format, das explizit zur Überprüfung und Einordnung von Behauptungen dient. Dies schafft Transparenz über die Intention. Die Autoren sind namentlich genannt, und die Quellen (PKS, Kriminologen, wissenschaftliche Studien) sind nachvollziehbar. Der Text bewegt sich im Rahmen journalistischer Genrekonventionen, bei denen eine gewisse Positionierung bei gleichzeitiger Faktentreue erwartet wird. Die methodische Kritik basiert auf nachprüfbaren Argumenten und nicht auf bloßer Meinung. Zudem wird eingeräumt, dass kulturelle Herkunft ein Faktor sein kann, was zeigt, dass die Darstellung nicht völlig einseitig ist. Die Komplexität des Themas wird anerkannt.
Der Text erscheint auf tagesschau.de, einer der reichweitenstärksten und einflussreichsten Nachrichtenplattformen im deutschsprachigen Raum, was ihm erhebliche Autorität verleiht. Die institutionelle Plattform (öffentlich-rechtlicher Rundfunk) verstärkt die Glaubwürdigkeit und Wirkung. Das Thema Ausländerkriminalität ist gesellschaftlich hochsensibel und politisch stark polarisiert, wodurch jede Darstellung potenziell große Wirkung entfaltet. Der Titel "Fragwürdige Berechnungen" setzt einen starken interpretativen Rahmen, noch bevor Leser die methodischen Argumente prüfen können. Die Nicht-Darstellung der Perspektive derjenigen, die solche Berechnungen erstellen, könnte als einseitig wahrgenommen werden, auch wenn die methodische Kritik sachlich begründet ist. In einem aufgeheizten Debattenklima kann selbst sachliche Einordnung als parteiisch empfunden werden.
Tobias Wilke ist Journalist beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Pascal Siggelkow arbeitet für den ARD-faktenfinder, ein Projekt der ARD zur Überprüfung von Falschinformationen und zur Einordnung komplexer Sachverhalte. Weitere biografische Informationen zu den Autoren sind auf Basis der Trainingsdaten nicht verfügbar.
Tobias Wilke: Tätigkeit als Journalist beim MDR. Pascal Siggelkow: Tätigkeit beim ARD-faktenfinder, einem Recherche- und Verifikationsprojekt der ARD-Gemeinschaftsredaktion, das sich mit Desinformation, Falschmeldungen und der Einordnung kontroverser Themen befasst. Weitere Informationen zum beruflichen Werdegang sind nicht verfügbar.
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